Rewe überrascht mit einer Veränderung, die es so bei deutschen Lebensmitteleinzelhändlern noch nicht gab.
Rewe überrascht mit einer Veränderung, die es so bei deutschen Lebensmitteleinzelhändlern noch nicht gab.Bild: www.imago-images.de / Michael Gstettenbauer

Supermarkt Rewe geht gewagten Schritt – als erster deutschlandweit

31.07.2022, 15:09

Öko ist mehr als nur ein Trend. Beinahe jedes Unternehmen will grüner werden – ob aus Marketinggründen oder aus echtem Umweltinteresse sei dahingestellt. Nun überrascht Rewe mit einer umweltfreundlichen Veränderung, die es so bei deutschen Lebensmitteleinzelhändlern noch nicht gab. Rewe-Group-Chef Lionel Souque sieht den Händler dadurch in der Branche als Vorreiter.

Rewe als Vorreiter in Deutschland

25 Millionen Werbeprospekte landen allein vom Supermarkt-Riesen Rewe jede Woche in den Briefkästen, Filialen und anderswo. Doch damit macht Rewe Schluss: Schon im kommenden Jahr sollen die gedruckten Werbeprospekte der Vergangenheit angehören, wie die "Lebensmittelzeitung" berichtet.

Prospekte und Handzettel gelten in der Branche als unverzichtbar.
Prospekte und Handzettel gelten in der Branche als unverzichtbar.Bild: picture alliance / dpa Themendienst | Kai Remmers

Eigentlich gelten Werbeprospekte im Lebensmitteleinzelhandel als unverzichtbar, weil sich darüber nach wie vor viele Menschen erreichen lassen. Laut VuMA Touchpoints greifen 31 Prozent der Bevölkerung einmal pro Woche zum Anzeigenblatt und ein Viertel zu direkt verteilten Handzetteln. Laut dem Kölner Marktforschungsinstitutes IFH beträgt der Anteil der wöchentlichen Prospektleser im LEH sogar rund 50 Prozent. Schlechter steht es um digitale Prospekte. Sie erreichen nur 5,6 Prozent der potenziellen Kunden.

Keine Rewe-Prospekte ab Juli 2023

Rewe versucht es dennoch: Bis zum Juli 2023 sollen der Druck und die Verteilung der wöchentlich erscheinenden Prospekte eingestellt werden.

Zumal sowieso bekanntlich der größte Teil der Prospekte und Handzettel ungelesen im Müll oder anderswo landet ...

Starten will der Lebensmittelriese mit der Veränderung schon jetzt. Bereits im August soll sich die Auflage der Handzettel um vier Millionen Exemplare auf 21 Millionen reduzieren. Schon in diesem Jahr wird zudem die Seitenanzahl der Prospekte reduziert und das Format verkleinert.

Die Überlegungen seien bei Rewe nicht neu, wie es in einer Mitteilung heißt. Der Prüfzettel wurde demnach schon seit einiger Zeit infrage gestellt. Um eine Transformation der Handzettel von Print ins Digitale zu analysieren, testete Rewe in mehreren Regionen gleichzeitig ein Jahr lang die Preiskommunikation über digitale Kanäle.

Nach dieser Testphase habe man entschieden, "dieses energie- und CO2 intensive Medium durch verstärkte Preiskommunikation über digitale Kanäle und Anzeigen in klassischen Medien zu ersetzen", heißt es in einer Mitteilung.

So viele Ressourcen spart Rewe durch die Digitalisierung seiner Werbung

Während der Lebensmittel-Riese dadurch wohl vor allem Geld sparen dürfte, betont er die Umweltvorteile durch die Umstellung. Durch die Abschaffung spare er jährlich mehr als 73.000 Tonnen Papier, 70.000 Tonnen CO2, 1,1 Mio. Tonnen Wasser und 380 Mio. kWh Energie. Gerade in Zeiten der Inflation und Energiekrise ein Vorteil.

In der Tat habe die Debatte um die Energieversorgung in Deutschland die Entscheidung beschleunigt.

Statt auf Papier sollen Kunden bald wöchentlich über eine eigene App und die Rewe-Webseite sowie über Coupons und Auszeichnungen in den Filialen informiert werden. "Wir denken um und stellen die Angebotskommunikation für die Zukunft neu auf. Denn wir wollen die Kunden aller Altersklassen moderner und zielgerichteter über diejenigen Medien erreichen, die sie tatsächlich nutzen", sagt Souque.

(ast)

Themen
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Rückschlag für Edeka: Supermarkt verliert in Limonaden-Zoff

Durch die gestiegenen Energiekosten waren in den vergangenen Monaten etliche Unternehmen gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. So nach eigenen Angaben auch Coca-Cola, das den Händlern daher eine Erhöhung im unteren einstelligen Prozentbereich ankündigte. Die Supermarkt-Kette Edeka verweigerte sich dem jedoch, weshalb Coca-Cola einen Lieferstopp verkündete.

Zur Story