Fußball
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Bild: imago/Achim Keller

Die 7 besten Pressekonferenzen der Saison, in denen Christian Streich die Welt erklärt

Katharina reckers

Wer soll nicht absteigen? Der HSV, der VfL Wolfsburg oder der SC Freiburg? Wenn neutrale Fußballfans eines dieser Teams retten dürften, dann würden sie sich wohl immer für die Freiburger entscheiden.

Der HSV und der VfL Wolfsburg stehen für Verschwendung, sie ballern seit Jahren Millionen heraus ohne wirkliche Erfolge zu erzielen. Der SC Freiburg steht stattdessen für ein familiäres Umfeld, hervorragende Jugendarbeit und die jährliche Herausforderung, mit wenig Geld im Zirkus der Großen zu überleben. Dazu menschelt es – vor allem wegen  Christian Streich.

Streich, seit 2011 Trainer im Breisgau, ist die Konstante des SC Freiburg, die gute Seele des Profifußballs und hat am Ende des Spieltags immer noch etwas zu sagen. Selbst wenn er eigentlich nichts zu sagen hat.

Wir sind uns sicher: der Fußball wäre sehr viel besser, wenn mehr Streichs vor dem Mikro sitzen würden. Und weil sein Dialekt eine so beruhigende Wirkung auf uns hat, haben wir seine klügsten, schönsten und lehrreichsten Pressekonferenz-Weisheiten der Saison rausgesucht:

Die Ronaldo-Weisheit:

"Die jungen Spieler sehen Ronaldos eingeölten Muskle in irgendeinem Blättle und denken: Ja, desch isch a reine Showman.
Desch isch kein Showman, das hat er sich alles erarbeitet. Und da werden die falschen Schlüsse gezogen."

Oberkörperfreier Menschenaffen-Jubel mit stahlhartem, glänzendem Sixpack? Streich sagt: jederzeit. Sein Motto: Wer trainiert wie Ronaldo, darf sich auch albern inszenieren. Am Ende zählt eben, wenn der Ball im Netz zappelt.

Kabinenlästereien über den Muskelmann sind also nicht gestattet, im Gegenteil: Streich sieht Potenzial und würde außerordentlich großzügig sowohl Ronaldo als auch Messi einen Stammplatz in der Mannschaft freiräumen. Ungnädig wie ein abgenervter Mathelehrer, äußert er sich allerdings gegenüber faulen Spielern. Wer nicht trifft, bleibt so lange auf dem Trainingsplatz, bis er trifft. Diese Regel dürfte der Mannschaft im Moment sehr viele endlose Trainingseinheiten bescheren.

Wer die Ronaldo-Weisheit im Streich-Dialekt hören will – hier:

abspielen

Video: YouTube/badischezeitung

Die Ode an die Frau:

Dass Frauen mindestens so gut pfeifen können wie Männer, ist mittlerweile auch im Profifußball angekommen. Durch Bibiana Steinhaus Bundesliga-Debüt im September 2017 wurde diese These endgültig in Stein gemeißelt.

Ganz so selbstverständlich war das aber nicht für alle Männer:

Und auch Streich äußert sich anlässlich des Debüts, mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass uns ganz warm ums Herz wird. Denn seiner Meinung nach sind Frauen sowohl auf dem Rasen als auch im Stadion goldrichtig – und könnten eigentlich direkt die Weltmacht übernehmen.

Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht den dringenden Wunsch, Mario Barth einmal mit Streich auf ein Stück Kuchen zusammenzuführen. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

"Dass Frauen die Bundesliga pfeifen oder dass Frauen irgendetwas anderes machen in einer leitenden Funktion, kann uns in der Summe nur gut tun. Ich wäre froh, es wären ein paar Frauen in einigen Ländern an der Spitze. Das würde uns einiges erleichtern."

Die Geld-Theorie:

Die englischen Fußballklubs zückten in der Wintertransferperiode wieder einmal das prall gefüllte Portemonnaie und kauften so dick ein, wie keine andere europäische Liga. Die Premiere League bleibt damit Spitzenreiter der Transferausgaben und behält sich den Ruf des reichen Klassenbesten aus der 8b, zu dem alle nur nett sind, weil sie weiterhin auf die coolen Poolpartys eingeladen werden wollen.

Streich spielt dabei allerdings nicht mit. Er bleibt gänzlich unbeeindruckt von den Geldmassen, die in England über den Rasen rennen, und schießt sich mit seiner Kritik an der Premier League direkt in die Herzen aller verschwitzten Bolzplatzprofis und Drittligisten-Fans auf Auswärtsfahrten:

"Wenn du die Allerbesten auf einem Haufen hast und unendliches Geld, ist klar, dass das Spiel dann wahrscheinlich schneller und besser ist als Freiburg gegen Mainz. Aber das ist dann auch keine große Kunst."

Der Mode-Tipp

Das neue Auswärtstrikot der Freiburger dürfte beim ersten Einsatz für betretenes Schweigen in der Kabine gesorgt haben. Es hat alles, was ein stylisches Trikot nicht haben sollte. Es zeichnet sich durch einen lilafarbenden Camouflage-Look aus, in dem ein paar possierliche Details in Form von einem Fuchs, einer Tanne, einem Wolf und einem Wanderer eingearbeitet wurden – cool.

Während die Freiburger Fashionistas vermutlich hoffen, durch das Camouflage-Muster unsichtbar zu werden, probiert Streich in einer Pressekonferenz aufmunternde Worte für das spannende Trikot zu finden. Trotz seines Alters weiß er nämlich, dass es deutlich schlimmer hätte kommen können:

"Ich bin alt. Ich brauche nicht mehr über Trikots reden. Aber wenn ich jetzt ganz ehrlich sein soll, bin ich echt richtig froh, dass wir das Neongelbe nicht haben."

Die Kausal-Theorie

"Sie springen in den Fluss, wenn er Hochwasser hat, aber du darfst dich dann nicht wundern, wenn sie Wasser schlucken."

Dass die Luft für die Freiburger langsam dünn wurde, war Streich vor dem Spiel gegen Wolfsburg am 7. April schon klar. Auch klar war ihm, dass seine Spieler alles tun werden, um den näherrückenden Abstieg zu verhindern. Streich wäre allerdings nicht Streich, hätte er diese Gedanken in einem faktischen Satz zwischen ein paar "Ähs" und "Ähms" verpackt.

Mit Worten wie damals bei Opa auf dem Schoß erzählt er in der Pressekonferenz von der schwierigen Saison und von seinen todesmutigen Spielern, welche sich in das Hochwasser der Bundesliga stürzen. 

Die Gesellschaftskritik

Dass im Fußball fast täglich Geldsummen über den Tisch gehen, welche Normalsterbliche nicht einmal beim Monopoly  in der Hand halten, ist kein Geheimnis. Als Neymar aber im August 2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona nach Paris Saint-Germain wechselte, ergriff Streich das Wort und fasste die düstere Lage des Fußballs in einer beinahe lyrischen Gesellschaftskritik zusammen.

Es sind genau die Worte, die der Fußball braucht, um lebendig zu bleiben und genau die Streich-Momente, in denen jeder Wandtattoo-Designer den Block zücken und mitschreiben sollte. Denn viel weiser geht es nicht.

"Der Gott des Geldes wird immer größer und irgendwann verschlingt er alles."

Die Tatsachen-Erkenntnis

"Wenn du dann festgehalten wirst, willst du nur eins – nicht mehr festgehalten werden."

Dass Schiedsrichter Tobias Stieler und Streich in diesem Fußballleben keine Kumpels mehr werden, steht fest. Auch beim Spiel gegen Schalke geriet der Trainer mit dem Unparteiischen aneinander. Am 31. März zeigte Stieler dem Freiburger Petersen erst die Gelbe und wenig später die Gelb-Rote Karte. Der Stürmer allerdings behauptete, die erste Verwarnung nicht wahrgenommen zu haben. 

Diese Aussage vertrat auch Streich, welcher nach Petersens Platzverweis ausflippte. Als der tosende Streich daraufhin von einigen Teamkollegen festgehalten wurde, brannten bei ihm auch die letzten Synapsen durch. Den Rest des Spiels musste Streich von der Tribüne verfolgen. Die Begründung für seinen Ausraster steht:

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    Alle Leser-Kommentare
  • Peter Schlosser 07.05.2018 09:07
    Highlight Highlight Der soll sich lieber besser um seine Fussballmannschaft kümmern und nicht links grüne schwäbische 'gscheitheiten
    in der Welt setzen. Deartige "Politiker" ,haben wir leider viel zu viele in Deutschland., darum kommen wir nirgens weiter. Seine hysterischen Geschreie am Rande der Spielplätze gehen eine auf die Nerven, ein unausstehelicher Typ, ein Sportler soll sport machen und nicht linke Politik

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