Die Deutschlehrerin Oksana Ilchenko wird immer wieder von ihren Gefühlen überwältigt.
Die Deutschlehrerin Oksana Ilchenko wird immer wieder von ihren Gefühlen überwältigt. bild: screenshot ard
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"Hart aber fair": Ukrainerin bricht in Tränen aus und Plasberg zofft sich mit einem Gast

29.03.2022, 06:2029.03.2022, 09:24

In der Sendung soll es um die Menschen gehen, sagt Frank Plasberg. Sein Thema: "Geflohen vor Russlands Bomben: Wie gut kann Deutschland helfen?" Doch bevor eine geflüchtete Ukrainerin zu Wort kommt, geht es erstmal lange darum, wie die Verteilung der ankommenden Geflüchteten organisiert wird und wo dabei Defizite bestehen. Und am Ende zofft sich Frank Plasberg noch mit einer Politikerin. Die Gäste:

  • Luise Amtsberg (B'90/Grüne, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe)
  • Joachim Herrmann (CSU, Vorsitzender der Innenministerkonferenz, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration)
  • Isabel Schayani (Moderatorin ARD-"Weltspiegel")
  • Heike Jüngling (Sozialdezernentin der Stadt Königswinter in NRW)
  • Julia Kroß, hat fünf Flüchtlinge aufgenommen
  • Oksana Ilchenko, Deutschlehrerin aus der Ukraine
"Weltspiegel"-Moderatorin Isabel Schayani kritisiert die Bundesregierung wegen gefühlter Untätigkeit.
"Weltspiegel"-Moderatorin Isabel Schayani kritisiert die Bundesregierung wegen gefühlter Untätigkeit.bild: screenshot ard

"Weltspiegel"-Moderatorin Isabel Schayani hat für die ARD vor Ort von den Flüchtlingen berichtet und selbst erlebt, wie viele Menschen ihre Heimat derzeit verlassen. "Ich wundere mich über die Entspanntheit des Bundes angesichts der Zahlen", sagt sie zu Frank Plasberg. Mittlerweile gebe es insgesamt fast vier Millionen Flüchtlinge, gut 220.000 in Deutschland, und die Bundesregierung würde "fast gechillt, im Yogasitz" rangehen. Nicht einmal die Registrierung sei zentral geregelt.

Joachim Herrmann (CSU)
Joachim Herrmann (CSU) bild: screenshot ard

Diesen Eindruck aufgreifend bezeichnet Frank Plasberg Joachim Herrmann (CSU), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, dann auch gut gelaunt als "Chefchiller". Aber der betont:

"Von chillen kann keine Rede sein!"
Joachim Herrmann

Es gebe ein unglaubliches Engagement der Mitarbeiter in den Ämtern. Zumindest in Bayern stehe niemand auf der Straße, alles sei besser organisiert als bei der Fluchtbewegung 2015. Aber es gebe eben auch bürokratische Notwendigkeiten wie die Registrierung." Man könne ja auch nicht erwarten, dass eine Kommune "an jeden x-beliebigen anfängt, Geld auszuzahlen". Auch zu ihrem Schutz – zum Beispiel vor Menschenhändlern. Wenn die Registrierung aber erst nach mehr als einem Monat nach der Ankunft stattfindet, dürfte es im Regelfall schon zu spät sein.

Für Bundeskanzler Olaf Scholz und seine Regierung sei es nun endlich Zeit, den Kommunen den finanziellen Rahmen und damit Handlungsmacht zu geben: "Was kriegen die Kommunen jetzt dafür?"

Heike Jüngling zahlt privaten Helfern 50 Euro für die Unterbringung - im Monat.
Heike Jüngling zahlt privaten Helfern 50 Euro für die Unterbringung - im Monat.bild: screenshot ard

Auch Heike Jüngling, Sozialdezernentin der Stadt Königswinter in NRW, findet: "Die Struktur muss her, die Regeln müssen her", auch wer die Kosten trägt, die Unterbringung, die ärztliche Versorgung, Schulen, Kitas, all das muss geregelt werden. "Vielleicht ist es aus der Ferne einfacher zu sagen, es läuft alles", sagt sie an Herrmann gewandt. Bei ihnen gebe es da schon Engpässe. Sie hätten bei sich schon eine Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft aufgeschlossen. Viele kämen aber auch derzeit privat unter.

"Eigentlich sollte sich keiner darauf verlassen – es ist nicht Aufgabe der Privaten das zu tun. Es ist Aufgabe des Staates dafür zu sorgen. Das dürfen wir nicht länger zumuten, wir müssen ganz schnell Lösungen finden."
Heike Jüngling

Sie zahlt privaten Unterbringern 50 Euro pro Flüchtling im Monat – mehr als eine symbolische Anerkennung ist das allerdings nicht und dürfte nicht einmal die Mehrkosten decken.

Julia Kroß berichtet Frank Plasberg von ihrem Leben mit fünf aufgenommenen Flüchtlingen.
Julia Kroß berichtet Frank Plasberg von ihrem Leben mit fünf aufgenommenen Flüchtlingen. bild: screenshot ard

Max und Julia Kroß aus Hamburg Rahlstedt haben in ihrem 150 Quadratmeter-Haus fünf Flüchtlinge aufgenommen. Julia Kroß erinnert sich daran, als sie die Idee hatte, Flüchtlinge aufzunehmen.

"Mein Mann hat gesagt: Mach mal. Ich glaube er hatte ein bisschen die Hoffnung, es wird nichts daraus."
Julia Kroß

Irrtum! Aber für Kroß ist es eine Selbstverständlichkeit. Ihre Großeltern hätten selbst Fluchterfahrung gemacht. "Ich kann schlecht auf meinem warmen Sofa sitzen, wenn solche Katastrophen passieren", sagt sie. Mittlerweile haben auch ihre Nachbarn die Häuser für Flüchtlinge geöffnet, unter anderem um den Großvater "ihrer" Flüchtlingsfamilie nach seiner Flucht aus der Ost-Ukraine in der Nähe unterzubringen. "Ich bin ansteckend", freut die Interimsmanagerin in Finanzfragen über ihr gutes Beispiel.

Deutschlehrerin Oksana Ilchenko kann die Tränen nicht halten, als sie erzählt.
Deutschlehrerin Oksana Ilchenko kann die Tränen nicht halten, als sie erzählt.bild: screenshot ard

Bei einer anderen Familie in Hannover ist die ukrainische Deutschlehrerin Oksana Ilchenko untergekommen. Sie hat ARD-Moderatorin Isabel Schayani an der Grenze kurz vor einer Live-Schaltung angesprochen, als sie nicht wusste wie es für sie weitergeht. Die beiden blieben in Kontakt, nun ist sie bei Plasberg im Studio. Immer wieder schießen ihr die Tränen in die Augen vor Dankbarkeit und Rührung. Ihre Gastfamilie sei perfekt, weil sie "zwei Hunde, zwei Katzen, zwei Mäuse und eine achtjährige Tochter" hat. Sie ist mit ihrer Tochter und ihrer Mutter geflüchtet.

"Am besten geht es meiner Tochter, sie springt, sie tanzt, trägt ein Prinzessinenkleid und lacht. Mein Ziel war es, sie vor dem Krieg zu schützen, sie sollte weiter ihre Kindheit haben."
Oksana Ilchenko

Es sei wunderschön, eine herzliche Familie gefunden zu haben. "Emilia, Grischa, danke dass Sie existieren und dass wir genau in Ihrer Familie sind." Registriert sind sie noch nicht. ihr Termin ist am 27. April. "Das ist so lange Zeit“, sagt Ilchenko. Und Plasberg will das für Organisationsschelte nutzen, aber sie sagt nur: "Da schon wollte ich schon wieder zu Hause sein." Mittlerweile scheint ihr auch selbst dieser Termin für eine Heimkehr in die Ukraine utopisch.

Emotionale Gespräche gehören nicht zu Plasbergs Stärken. Er versucht es trotzdem. Auch diesmal. Und fragt, ob Oksanas kleine Tochter nach ihrem Vater fragt, der in der Ukraine kämpft und ob sie Kontakt hätten. Als sie erzählt, dass sie "gottseidank" manchmal sogar per Video Kontakt haben, fragt er ansatzlos: "Sagen Sie uns mal wie es kommt, dass sie so gut Deutsch sprechen", weil er hinleiten möchte darauf, dass sie Deutsch studiert hat und auch von aus dem hannoveranischen Exil heraus über Netz Ukrainern Deutschunterricht gibt.

Eine von 16 Studenten in Kiew kann derzeit am Unterricht teilnehmen. "Sie hat kein Essen, nichts zu trinken, sie flüstert nur", erzählt Ilchenko. Ihre restlichen 15 Studenten seien in Bunkern und haben keinen Empfang. Als Plasberg sie fragt, was sie an der deutschen Berichterstattung über den Krieg vermisst, erzählt sie von ihrer Sorge, um die Atomkraftwerke. "Wenn sie Atomkraftwerke bombardieren, kann die ganze Welt kaputt gehen." Empathie-Anfänger Plasberg verabschiedet sie mit "Grüßen Sie ihre Familie in Hannover!"

Ein noch gröberer Klotz ist nur CSU-Integrationsminister Joachim Herrmann, der kurz nach der dem Gespräch mit Ilchenko von einer Frau erzählt, deren Mann kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland gefallen sei. Und Plasberg fasst zusammen: "Da geht es nicht nur um ein Bett, da geht es nicht nur um Essen, da geht es auch um psychologische Hilfe."

Luise Amtsberg (Grüne) und Plasberg werden nicht warm miteinander.
Luise Amtsberg (Grüne) und Plasberg werden nicht warm miteinander.Bild: screenshot ard

Auch mit Luise Amtsberg (Grüne), Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, tut sich Plasberg schwer, was den richtigen Gesprächston angeht. Über lange Strecken kommt sie nicht zu Wort. Und wenn, unterbricht sie Plasberg schnell wieder. Als sie davon spricht, dass die derzeitigen Situation, die sehr auf Freiwillige setzt, "nur eine Notlösung" und dass der Bund jetzt die Kommunen stützen werden, fordert Plasberg: "Definieren sie jetzt". Sie findet das "ein bisschen unfair", aber gibt zu, dass es noch "eine Weile dauern" werde.

Als sich Amtsberg und Herrmann später in einer Diskussion über Details der Aufgabenverteilung von Bund und Ländern verlieren, bricht Plasberg den Dialog ab. "Ich würde vorschlagen, eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu machen." Und als Amtsberg ein bisschen angesäuert reagiert will Plasberg ironisch kontern, wird aber aggro im Tonfall: "Sie wollen hier was diskutieren lassen und Fragen stellen, das ist eigentlich mein Job und den hole ich mir jetzt gerade zurück. Das müssen Sie auf der Arbeitsebene diskutieren." Amtsberg entgegnet etwas verunsichert aber locker: "Das weiß ich nicht …" Und Plasberg schlägt einen versöhnlicheren Ton an: "Wir können ja später nochmal drüber diskutieren." Amtsberg kontert ironisch:

"Na Sie sind der Chef der Sendung. Auf jeden Fall machen wir das so."
Luise Amtberg

Platzhirsch Plasberg will das natürlich nicht so stehen lassen und versucht es nochmal mit Ironie: "Auf den Satz warte ich seit 20 Jahren."

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