1000 Fans sind bei der Partie Dynamo Dresden gegen den Hamburger SV in Dresden zugelassen.
1000 Fans sind bei der Partie Dynamo Dresden gegen den Hamburger SV in Dresden zugelassen.Bild: Eibner-Pressefoto / Bert Harzer/ Eibner-Pressefoto
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Endlich wieder Stadion: 1000 Zuschauer bei Dynamo Dresden – Verständnis für die neuen Regeln in Sachsen haben aber nicht alle

15.01.2022, 13:1116.01.2022, 11:34

"Alle oder Keiner", steht auf dem Transparent, das eine Gruppe von Menschen präsentiert. Sie stehen gegenüber des Rudolf-Harbig-Stadions in Dresden. Das Transparent von beiden Seiten angestrahlt. Eine Mahnwache gegen die sächsische Coronapolitik. Zum Spiel von Dynamo Dresden darf nur, wer die 2G-Plus-Kriterien erfüllt.

bild: bild: imago / dirk sattler

Die Gruppierung setzt sich in Bewegung, es scheint, als würden sie losmarschieren. Tatsächlich aber wechseln sie nur die Straßenseite, um ein Foto von ihrer Aktion zu machen. "Wir protestieren gegen die sächsische Politik. Gegen 2G+-Regeln im Stadion und die Begrenzung von 1000 Menschen", sagt eine der Transparenthalterinnen.

Eine viertel Stunde später wird das Banner wieder eingerollt. Die Aktion ist vorbei, die Fotos gemacht. Die Gruppe zieht sich zurück.

Protestierende gegen die sächsische Corona-Politik halten ein Plakat.
Protestierende gegen die sächsische Corona-Politik halten ein Plakat.Bild: watson / Rebecca Sawicki

Viel Andrang gibt es auf den Stufen vor dem Stadion nicht. Kein Wunder: Die Zahl der Tickets, die es für das Spiel gegen den Hamburger SV gibt, ist stark begrenzt. 1000 Zuschauer dürfen sich auf den Rängen tummeln. Platz gäbe es unter normalen Bedingungen für 30.000 Menschen.

"Es ist ein Anfang, aber schon auch befremdlich", sagt eine derer, die eine Karte für die Partie erhalten hat. "Man fühlt sich schon auch ein bisschen verarscht. Ich meine, 1000 Leute, das ist doch gar nichts in so einem großen Stadion." Sie habe am Morgen arbeiten müssen, jemand anderes hat die Karten besorgt.

Online gegangen waren die Tickets erst am Freitagmorgen, nach 30 Minuten waren sie ausverkauft. Ein gewisses Kontingent der Karten ist laut Dynamo Dresden an Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen gegangen.

"Wir werden sehen, wie sich die Szene entwickelt hat, wenn normale Spiele wieder möglich sein werden."
Ronald Beć, Geschäftsführer des Fanprojekts Dresden

So richtig verstehen, warum die Kapazitätsgrenze bei 1000 Menschen liegt, kann es auch Ronald Beć nicht. Er ist der Geschäftsführer des Fanprojekts Dresden und macht dort mobile Jugendarbeit. "Grundsätzlich geht das Fan-sein natürlich nicht verloren, aber die Pandemie geht auch daran nicht spurlos vorbei", sagt er.

Die soziale Komponente falle weg, ebenso sei der Besuch des Stadions Kultur für die Fans. "Wir werden sehen, wie sich die Szene entwickelt hat, wenn normale Spiele wieder möglich sein werden", sagt Beć. Es gebe aber Untersuchungen, die vermuten ließen, dass das Interesse am Fußball nachlässt.

Die Kasse am Dresdner Stadion.
Die Kasse am Dresdner Stadion.Bild: watson / Rebecca Sawicki

Eine gute halbe Stunde vor Anpfiff wird die Schlange vor dem Eingang langsam länger. Und lauter. Waren zu Beginn noch alle leise, fast schon andächtig, wird nun gelacht und gespaßt. Auch der Mann, der die Pfandflaschen sammelt, bekommt endlich die ersten Flaschen. Viele werden es an diesem Abend allerdings nicht.

Ein paar wenige versuchen ihr Glück an der Kasse. Erfolglos. Die meisten kehren wieder um. Ein junger Mann allerdings bleibt wacker stehen, harrt aus. Ein Mann mit schwarzer glänzender Pufferjacke verlässt die Schlange, läuft zu dem Wartenden herüber: "Hey, brauchst du 'ne Karte?"

Der Mann bejaht. "Okay, komm mit", ruft der Mann in Pufferjacke und läuft fix zurück zur Schlange, der andere folgt ihm. Im Laufen dreht sich der Kartenverkäufer um: "Du hast aber alles, oder? Die Nachweise." "Ja", ist die Antwort. Glück gehabt. Für den jungen Mann endet der Abend unerwarteterweise doch im Inneren des Stadions.

Andere haben weniger Glück. Zwei von ihnen verbringen das komplette Spiel vor den Toren des Stadions. Und das, obwohl mit Anpfiff die Schotten dicht gemacht werden: reingucken ist nicht mehr möglich. Abhalten, sein Team zu feiern, tut das den Fan mit dem Dynamo-Rucksack nicht. Wann immer "Dynamo, Dynamo" aus dem Stadion tönt, ruft er mit. Hüpft und klatscht. Bis zum Ende fühlt er es, zittert für sein Team.

Bevor die Partie losgeht, können Fans auch von außen das Spielfeld sehen.
Bevor die Partie losgeht, können Fans auch von außen das Spielfeld sehen.Bild: watson / Rebecca Sawicki

Am Einlass wird gewissenhaft kontrolliert: Zwei kümmern sich um Impf- und Testnachweise, zwei um die Tickets und zwei um das Abtasten. Schon auf dem letzten Treppenabsatz kramen die Fußballfans nach allen Nachweisen, die sie brauchen. Probleme habe es nicht gegeben, sagt einer der Kontrolleure. "Ein paar hatten Angst wegen der persönlichen Daten und wollten die Ausweise nicht zeigen", ergänzt sein Kollege. Viele seien es aber nicht gewesen und am Ende hätten sie mit Blick auf 90-Minuten live Fußball nachgegeben.

Die Stimmung im Stadion ist bis nach draußen zu hören. Es wird gesungen, es wird gejubelt, es wird gebangt. Am Ende trennen sich die beiden Kontrahenten mit Remis: Eins zu eins. "Dynamo, Dynamo", tönt es aus dem Stadion. Die ersten Zuschauer verlassen das Stadion. Sie lächeln.

Während Dresden seinen Mittelfeldplatz sichert, muss der HSV um den Verbleib auf dem Relegationsrang bangen. Mit einem solchen Ergebnis haben die Dresdner wohl nicht gerechnet. Und mit so einer Stimmung auch nicht.

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