Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer sagt, der Antwort auf Russlands Krieg in der Ukraine müsse der radikale Einstieg in die erneuerbaren Energien sein.
Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer sagt, der Antwort auf Russlands Krieg in der Ukraine müsse der radikale Einstieg in die erneuerbaren Energien sein. Bild: dpa / Christoph Soeder
Exklusiv

Luisa Neubauer zum Krieg in der Ukraine: "Die Antwort muss der radikale Einstieg in die Erneuerbaren sein"

27.02.2022, 09:0608.06.2022, 19:46

Seit den frühen Morgenstunden am Donnerstag herrscht Krieg in Europa: Russlands Soldaten haben die Ukraine überfallen, die Großoffensive trifft das gesamte Land – tausende Menschen sind auf der Flucht. Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer stimmt das nicht nur traurig, sondern auch nachdenklich.

Gegenüber watson betont sie, dass die deutsche Regierung genau wisse, wie abhängig die Republik von fossilem Gas aus Russland sei.

Sie sagt:

"Das ist für die Regierung nichts Neues und bis vor wenigen Monaten hat sie das ja auch noch verteidigt. Noch bis vor wenigen Monaten hat Olaf Scholz höchstpersönlich die Gaspipeline Nord Stream 2 verteidigt. Unter dem heutigen Gesichtspunkt muss man sich wirklich fragen: Wie kann es sein, dass er den Schuss nicht gehört hat? Es ist auch nichts Neues, dass Putin von Demokratie und Menschenrechten nichts hält. Das präsentiert er in vollem Umfang seit acht Jahren auf der Krim."
"Die Antwort auf diesen Krieg muss auch der radikale Ausstieg aus Kohle und Gas und der radikale Einstieg in die erneuerbaren Energieträger sein."
Luisa NeubauerKlimagerechtigkeitsaktivistin

Welche "ideologischen Layer" gerade verhindern würden, dass Kriege und Konflikte rechtzeitig gestoppt werden und von wem Deutschland regiert werde, stimmt Neubauer sehr nachdenklich. "Die Antwort auf diesen Krieg muss auch der radikale Ausstieg aus Kohle und Gas und der radikale Einstieg in die erneuerbaren Energieträger sein", sagte sie gegenüber watson. Der Krieg in der Ukraine mache deutlich, dass Klimagerechtigkeit und Frieden unzertrennbar seien und dass "Frieden im 21. Jahrhundert heißt, Klimagerechtigkeit einzufordern und die fossilen Energien im Boden zu lassen".

Russlands Krieg in der Ukraine gefährdet deutsche Energieversorgung

Die Strompreise in Deutschland klettern schon seit den Verwerfungen rund um die Corona-Pandemie in die Höhe. Mit dem Krieg in der Ukraine und den damit verbundenen Sanktionen für Russland könnte der autoritäre Staat auch den Gashahn für Deutschland schließen – und die Strompreise damit noch weiter in die Höhe treiben. Schon jetzt sind die Gasspeicher in Deutschland nur noch zu rund 30 Prozent gefüllt. Es werden bereits erste Stimmen laut, die aus diesem Grund eine Verlängerung der Laufzeit von Kohlekraftwerken fordern. "Es wäre fatal, aus diesem Krieg heraus zurück in eine fossile Zeit zu fliehen", sagt hingegen Neubauer.

Sie ergänzt:

"Man stelle sich nur vor, wie grundverschieden die Lage wäre, wenn der Großteil der EU nicht abhängig wäre von fossilen Exporten aus Russland. Wie die Lage wäre, wenn Deutschland nicht über 55 Prozent seines Erdgases, 50 Prozent seiner Kohle und 30 Prozent seines Öls aus Russland bekommen würde. Und ich glaube, das spricht für sich selbst. Das ist ein Krieg, der im Kern von einem Ausbeutungssystem angetrieben und finanziert wird, das auf fossilen Expansionen und fossiler Extraktion basiert."

Mit Blick auf die Energiewende beurteilt Neubauer die derzeitige Lage und die lauter werdenden Stimmen für eine Verlängerung der Kohlekraftwerke als sehr heikel: "Wir lernen gerade, dass Gesellschaften und Demokratien nicht vollumfänglich frei sein können, solange ihre Energieversorgung von Autokraten abhängt", sagte sie. "Und wir sehen auch vor unseren eigenen Augen, dass die Forderung nach dem Ausstieg aus fossilen Energien auch immer eine Forderung nach den friedlichsten aller Energien ist, nämlich Erneuerbaren – nach dezentraler, demokratischer, souveräner Energieversorgung."

"Es ist absurd davon auszugehen, dass Demokratien, die von den Energien von Autokraten abhängen, wirklich frei sein können."

"Die Ereignisse sprengen das Fassungsvermögen von dem, was wir an Leid verarbeiten können", sagt Neubauer. Derzeit würden wir einen "Menschheitsmoment" erleben, in dem es darauf ankomme, Solidarität zu zeigen, Unterstützung aufzubringen. "Wir organisieren am laufenden Band Proteste, Märsche, Kundgebungen und zeigen so auch den Menschen in der Ukraine, dass wir da sind und dass wir aufnahmebereit sind." Sie ergänzt:

"Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass wir darüber sprechen, wer und was die Treiber dieses Krieges sind und was die Machtinstrumente sind, die Putin hat. Und eines seiner großen Machtinstrumente sind die fossilen Energien. Und es ist absurd davon auszugehen, dass Demokratien, die von den Energien von Autokraten abhängen, wirklich frei sein können, wirklich sicher sein können, wirklich unabhängig sein können. So funktioniert es nicht."
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