German Health Minister Jens Spahn arrives for a press conference in Berlin, Germany, Wednesday, Dec. 30, 2020 on the new coronavirus, COVID-19, situation and the vaccination campaign in Germany. German authorities have reported more than 1,000 coronavirus-related deaths in one day for the first time since the pandemic began. The national disease control center, the Robert Koch Institute, said Wednesday that 1,129 more deaths were reported over the past 24 hours. (AP Photo/Michael Sohn, pool)

Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Pressekonferenz am Mittwoch. Bild: ap / Michael Sohn

Jens Spahn: "Es wird das wahrscheinlich ruhigste Silvester werden, an das sich Deutschland erinnern kann"

Zum ersten Mal meldete das RKI am Mittwoch mehr als 1000 Corona-Tote. Zeigt der Lockdown keine Wirkung? Und wie läuft es mit der am Sonntag offiziell gestarteten Impf-Kampagne in Deutschland? Dazu äußern sich am Mittwochvormittag in Berlin Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Präsident des Robert Koch Institut, Lothar Wieler, und der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek.

12.30 Uhr: Impfung auch nach überstandener Krankheit empfohlen

Eine Impfung sei auf jeden Fall auch für Menschen angezeigt, die bereits mit dem Corona-Virus infiziert waren: Dies betont Lothar Wieler auf Nachfrage ganz am Ende der letzten Corona-Pressekonferenz dieses Jahres 2020. Die Menge der Antikörper sei nach einer Impfung höher als nach einer überstandenen Erkrankung.

12.13 Uhr: Spahn rechnet mit über 300.000 Impfungen pro Tag

Spahn "erzählt aus dem Nähkästchen", wie er es nennt: Man habe am Anfang mit 60 Impfzentren bundesweit geplant, nun seien 400 eingerichtet. Die liefen aber natürlich noch nicht alle, weil noch nicht genug Impfstoff da sei. "Unter Volllast werden wir über 300.000 Impfungen am Tag machen können", verspricht Spahn. Dies sei im Moment noch eine Übergangsphase auf dem Weg zu mehr Impfstoff-Kapazitäten.

Die ersten Impfungen würden derzeit durch mobile Impfteams in den Pflegeinrichtungen vorgenommen, auch deshalb sei die Infrastruktur noch nicht voll in Betrieb. Er sei aber überzeugt davon, dass dies die richtige Reihenfolge sei: Die Impfzentren bereit zu haben, wenn der Impfstoff komme, nicht umgekehrt.

"Das wir nach zehn Monaten Pandemie einen Impfstoff haben, ist erstmal Anlass zur Freude, zum Stolz, zur Hoffnung", sagt Spahn noch einmal. "Wir sollten uns die Freude daran gegenseitig nicht trüben, dass der Weg aus der Pandemie begonnen hat. Er hat begonnen", unterstreicht er. "Dass wir 1,3 Millionen Dosen bis Ende dieses Jahres haben, dass hätte ich vor einem Monat noch nicht gedacht."

12.05 Uhr: Spahn richtet sich an Heimbetreiber: "Wo ist denn dieses Geld?"

Spahn macht eine Anmerkung, die ihm wichtig ist. "Wir haben seit dem Frühjahr Hygienekonzepte für die Altenpflege. Wir übernehmen über gesetzliche Änderungen in der Pflegeversicherung die Kosten für die zusätzlichen Schutzausrichtungen und Schutzmaßnahmen", sagt er. Ob Plexiglasscheiben, FFP2-Masken oder Schutzanzüge. "Seit dem Frühjahr werden Schutzmaßnahmen bezahlt. Seit Oktober Tests", sagt Spahn. "Wir zahlen nicht nur die Testkosten, sondern pro Test werden neun Euro Personalkosten zusätzlich bezahlt."

Eine Einrichtung mit 100 Bewohnern erhalte fast 30.000 Euro pro Monat Personalkostenersatz pauschal und könne damit zusätzliches Personal einstellen, um diese Testkonzepte umzusetzen. "Und ich habe schon eine Frage manchmal an die Träger, die sagen, dass sie das Personal nicht hätten, wo denn dieses Geld ist", sagt Spahn.

11.58: "Wir haben nichts Besseres in dieser Pandemie als Vertrauen"

Spahn betont, angesprochen auf die vorsichtigen Zeit-Prognosen über das Erreichen der Herdenimmunität: "Wir haben nichts Besseres in dieser Pandemie als Vertrauen. Vertrauen zu sich selbst und zueinander. Und dazu gehört, keine Versprechen zu machen, die man nicht einhalten kann." Er verstehe jeden, der sagt, es müsse doch schneller gehen. "Aber es muss sicher schnell gehen", betont Spahn. Und dies solle nicht verbunden werden mit Zusagen, die nicht gehalten werden können. "Sollten wir den Zustand, dass alle, die wollen, geimpft werde können, noch vor dem Sommer erreichen, dann umso besser", sagt der Gesundheitsminister.

So oder so gelte aber: "Es gibt keinen Weg, der dazu führt, dass das in drei Wochen vorbei ist." Es gehe immer noch um zwei bis drei Monate Geduld.

Der zweite Impfstoff, der die Kapazitäten erhöhen würde, stehe zwar quasi vor der Tür, der dritte aber noch nicht ganz, der sei auf dem Weg zur Tür, so Spahn.

"Der zweite Impfstoff steht quasi vor der Tür"

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

11.50 Uhr: Spahn: "Es war von Anfang an klar, dass es knapp sein würde zu Beginn"

Der Gesundheitsminister wird auf seinen Optimismus in Bezug auf die Impf-Kapazität angesprochen. Er betont daraufhin: "Wenn ich sage, dass wir im Sommer allen, die wollen, ein Angebot machen können, dann gilt das nur, und das habe ich immer gesagt, wenn bis dahin weitere Impfstoffe zugelassen werden." Es sei von Anfang an klar gewesen, dass es knapp sein würde zu Beginn. Die mRNA-Impfstoffe seien eine ganz neue Technologie, dafür gebe es noch nicht ausreichend Produktionsstätten. "Wir sollten jeden Impfstoff nutzen, den wir nutzen können."

Nachdem Großbritannien als erstes Land grünes Licht für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford gegeben hat, dringt auch Spahn auf einen zügigen Zulassungsprozess in der EU. „Mit der Zulassung heute im Vereinigten Königreich von AstraZeneca gehe ich auch von einer gründlichen und zügigen Bearbeitung eines entsprechenden Antrags auch in der Europäischen Union durch die europäischen Behörden aus“, sagt er.

Für die kommende Woche hoffe er zudem auf die Zulassung des Moderna-Impfstoffs. "Mit jeder weiteren Zulassung werden wir viel viel schneller die Dosen-Zahl erhöhen können und damit die Zahl derjenigen, denen wir ein Angebot machen können.

11.45 Uhr: Wieler: "Das macht mir auch keinen Spaß"

"Der Sinn des Lockdowns ist ja nur, dass weniger Menschen an Orten zusammen kommen. Nicht, ihnen einkaufen zu verbieten oder Geschäften die Einnahmen zu nehmen. Es geht darum, dass Menschen nicht in großen Gruppen zusammenkommen", sagt RKI-Präsident Wieler. Dass nütze aber nur etwas, wenn sich auch Menschen in privatem Rahmen nicht träfen. "Das macht mir auch keinen Spaß", sagt er. Es müsse aber sein, um die Zahlen runterzubekommen.

11.33 Uhr: "Impfen ist der Weg raus aus der Pandemie"

"Wir haben zehn Monate Pandemie ohne Impfung in Deutschland. Und trotz Lockdown und Abstandregelns sind wir bei mehr als 30.000 Toten": Spahn bittet Menschen, die noch überlegen, ob sie sich impfen lassen wollen, diese Tatsache mit in Betracht zu ziehen. Impfen sei der Weg raus aus der Pandemie. Er appellierte erneut an die Menschen im Gesundheitswesen, sich impfen zu lassen, Vorbild zu sein und die Menschen zu schützen, um die sie sich kümmern.

"Haben Sie Vertrauen. Ein kleiner Piks schützt vor einer gefährlichen Infektionskrankheit"

Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts,

11.21 Uhr: "Nach allen Regeln der Kunst geprüft"

Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, richtet ebenfalls einen Appell an Menschen, die sich wegen des Impfstoffs noch sorgen: "Wir haben einen sehr wirksamen Impfstoff, der nach allen Regeln der Kunst geprüft wurde", sagt er, "haben Sie Vertrauen, ein kleiner Piks schützt vor einer gefährlichen Infektionskrankheit." Cichutek informiert darüber, dass eine teilweise Immunität gegen das Virus schon nach der ersten Dosis erreicht sei.

11.15 Uhr: Nebenwirkungen von "höchstens moderater Natur"

Die möglichen Nebenwirkungen der Impfung sind noch einmal Thema. Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, sagt hierzu, dass vorübergehende Impfreaktionen zu verzeichnen seien, wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen "im höchsten Fall von moderater Natur". Bei jüngeren Erwachsen seien diese Reaktionen vielleicht etwas stärker als bei einer Grippe-Impfung.

Es sei bekannt, dass es allergische Reaktionen gegeben habe bei Menschen, die dazu neigen, diese müssten nach der Impfung 15 Minuten warten, in dem Fall könnten sie dann behandelt werden. "Sonst sehen wir keine Kontra-Indikationen", sagte Cichutek.

11.13 Uhr: "Noch wissen wir nicht, in welchem Maß die Impfung Ansteckung verhindert"

Lothar Wieler wiederholt den Appell, weiterhin die "AHA"-Regeln einzuhalten, also Abstand zu halten, Hände zu waschen und Atemschutzmasken aufzusetzen. Darüber hinaus gelte weiterhin, was er zu Weihnachten gesagt habe, auch zu Silvester: "Reisen Sie nicht", sagt Wieler. Man solle weiterhin möglichst wenig Menschen treffen und möglichst immer nur dieselben.

11.10 Uhr: Impfung ist ein "ganz großer Erfolg der Wissenschaft"

"Ein ganz wichtiger Schritt in der Pandemiebekämpfung ist die Impfung", betont RKI-Präsident Lothar Wieler. Dass wir sie nun schon hätten, sei ein ganz großer Erfolg der Wissenschaft. Wieler erinnert daran, warum diejenigen zuerst geimpft werden, deren Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, am höchsten ist. Abgesehen vom Schutz dieser Personen entlaste dieses Vorgehen auf lange Sicht auch die Krankenhäuser.

"Ich kann sie nur um Geduld bitten"

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

11.05 Uhr: Spahn appelliert an Ärzte und Pflegekräfte: "Lassen Sie sich impfen"

Insbesondere Ärzte und Mitarbeiter aus dem medizinischen Bereich bittet Spahn: „Lassen Sie sich impfen.“ Der Gesundheitsminister ruft zum Zusammenhalt auf, die Pandemie-Bekämpfung sei ein gemeinsamer Kraftakt.

11.00 Uhr: "Wir erleben eine Zeit der Gegensätze - zwischen Hoffnung und großem Leid"

"1129 Todesfälle sind allein an diesem Morgen zu beklagen, 1129 Familien werden den Jahreswechsel in Trauer verbringen", sagt Jens Spahn zu Beginn der Pressekonferenz in Berlin. Diese Zahlen belegten, wie brutal dieses Virus immer noch zuschlage. "Wir sind von einer Normalität, wie wir sie uns wünschen, noch sehr weit entfernt." Es werde das wahrscheinlich ruhigste Silvester werden, an das sich Deutschland erinnern kann. Spahn bleibt dabei, dass angesichts der Lage kaum Anlass bestehe, die Maßnahmen zu lockern.

Gleichzeitig sei es eine Zeit der Hoffnung: "Wer hätte noch vor vier bis sechs Wochen gedacht, dass wir noch in diesem Jahr anfangen können zu impfen? Darauf können wir stolz sein", so Spahn. "Mehr als 60.000 Deutsch wurden schon geimpft. Der Impfstart ist gelungen. Ja, es ruckelt, aber die größte Impfkampagne in der Geschichte ist erfolgreich angelaufen."

(andi)

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