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Bild: Screenshot / ZDF Mediathek

"Wirklich überraschend": Virologe Streeck verdutzt Kleber im "Heute Journal"

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat am Mittwoch zusammen mit seinen Kollegen die Ergebnisse der Heinsberg-Studie vorgestellt. Am Abend war der Forscher dann im "Heute Journal" zu Gast und durfte ZDF-Moderator Claus Kleber Rede und Antwort zu den Studienergebnissen stehen.

Streeck stellte zunächst vor, was aus seiner Sicht das überraschendste Ergebnis der Studie ist: "Jede fünfte Erkrankung mit Sars-CoV-2 verläuft asymptomatisch", erklärte der Virologe. Bedeutet: Infizierte erkranken zwar, zeigen aber keinerlei Symptome – und merken also auch nicht, dass sie krank sind.

"Wir haben eine relativ hohe Rate von 22 Prozent, die überhaupt nicht mitbekommen haben, dass sie eine Infektion hatten", sagte Streeck. Nun müsse man sehen, "wie man diese Infektionen in der Zukunft besser erfassen kann". Denn: Wer nicht merkt, dass er krank ist, kann das Virus unwissentlich verbreiten.

Von diesem Problem leiten sich unter anderem Forderungen nach möglichst flächendeckenden Test auf das Coronavirus ab. Diese könnten aus der Dunkel- eine Hellziffer machen und bei der Eindämmung der Verbreitung entscheidende Fortschritte ermöglichen.

"Heute Journal": Was Kleber überraschte

In der Mitte des etwa fünf Minuten langen Gesprächs kam Kleber dann auf ein aus seiner Sicht überraschendes Ergebnis der Heinsberg-Studie zu sprechen: "Sie haben Familien und häusliche Gemeinschaften untersucht, und da etwas Interessantes über die Verbreitung innerhalb einer Familie oder Gemeinschaft herausgefunden."

Streecks Antwort auf diese Feststellung: "Ja. Wir sehen generell eine sogenannte secondary attack rate (zweite Angriffsrate, d. Red.) von 15 Prozent. Das bedeutet, wenn jemand in einem Haushalt infiziert ist, besteht eine 15-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich eine weitere Person infiziert."

Noch interessanter ist aus Sicht des Studienleiters, dass die Höhe der secondary attack rate von der Art des Haushalts abhänge. In Zweipersonenhaushalten, meistens Paare, sei diese Rate wesentlich höher, als in Haushalten mit mehr als zwei Personen. Der Wert aus der Studie liege bei Zweipersonenhaushalten bei 15 plus 28 Prozent.

Bei Haushalten mit vier Personen habe die Studie die Rate bei 15 plus 3 Prozent festgestellt. "Wirklich ein niedriger Wert, dass sich die weiteren Personen infizieren", erklärte Streeck das Zahlenspiel.

Dieses Ergebnis überraschte nicht nur Zuschauer. Auch Claus Kleber war einigermaßen verdutzt über diese Zahlen. "Das ist wirklich überraschend. Man denkt doch, wenn das Virus erstmal in einen Haushalt eingedrungen ist, so viel Abstand kann man gar nicht halten in einem Haus." Kleber fasste Streecks Aussage zusammen: Die Schlussfolgerung , dass sich das Virus in einem Haushalt immer weiter verbreite, stimme also nicht.

Streecks Antwort an der Stelle war dann etwas ernüchternd. Einen niedrige zweite Angriffsrate kenne man von anderen Atemwegserkrankungen. Warum ausgerechnet in Vierpersonenhaushalten der Wert so niedrig ist, "darüber kann ich nur spekulieren".

Es könne daran liegen, dass man sich im Fall einer Virus-Erkrankung im Haus mehr aus dem Weg gehe. Es könne aber auch sein, dass Kinder das Virus nicht so gut übertragen, gab der Virologe zu bedenken. Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum liefere die Heinsberg-Studie aber nicht.

Hier gibt es das Interview in voller Länge:

(pcl)

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