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Bild: getty images | Montage: watson/gk

Reportage

Hallo, ich bin leider "offline", Grüße Gavin – wie ich meinen Tod geplant habe

Neulich bin ich durch meine Facebookfreunde gescrollt, um zu schauen, bei wem ich mich lange nicht mehr gemeldet habe. An einem von ihnen bin ich hängengeblieben – weil ich schon ewig nicht mehr an ihn gedacht habe, geschweige denn mit ihm gesprochen. Er ist vor zwei Jahren gestorben.

Ein Blick auf sein Profil zeigt: Offenbar wissen nicht alle seine digitalen Freunde, was aus ihm wurde – denn immer noch werden ihm Einladungen zu Parties, Glückwünsche zum Geburtstag und lustige Bilder auf die Pinnwand gepostet.

Aber was wird eigentlich aus meinem digitalen Ich, wenn ich nicht mehr bin? Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das egal ist.

Denn: Es vergeht keine Stunde, ohne dass ich weiß, was gerade auf Twitter abgeht. Ich habe nur wenige laut ausgesprochene Gedanken, bei denen mir nicht in den Sinn kommen würde, sie zu twittern. 

Ich lebe mindestens so digital wie analog: Ich weiß schon jetzt, welcher Song auf meiner Beerdigung laufen soll. Es gibt also keinen Grund, nicht auch mein digitales Vermächtnis zu planen.

Schritt 1: meine Mails

Nach dem Tod meiner Großmutter war es die Mammutaufgabe für ihre Kinder, alte Briefe zu sortieren und zu entscheiden, was archiv-würdig ist und was niemand mehr braucht. Mein GMail-Postfach (zuletzt ausgemistet im Januar 2015) umfasst 23.238 E-Mails.

Kann ich meinen Kinder irgendwann zumuten, eine halbe Million Mails zu durchwühlen? Wahrscheinlich nicht. Mails also: Alle weg.

Bei Google heißt der Zustand des Todes "Inaktivität" und tritt ein, wenn ich mich 6 Monate nicht mehr eingeloggt habe. Hier darf ich bis zu 10 Personen angeben, die kontaktiert werden, sobald ich für Google nicht mehr erreichbar bin.

Man kann es natürlich auch anders machen...

Im Google-Inaktivitätsmanager kann ich sehr genau auswählen, ob meine hierfür ausgewählten Kontakte Zugriff auf meine E-Mails bekommen, ob sie meine Kontakte und Kalendereinträgen einsehen dürfen und wissen dürfen, was ich so auf Google+ getrieben habe.

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Bild: Screenshot/gk

Sogar eine automatische Antwort kann ich jetzt noch einstellen, die dann alle Menschen bekommen, die mir versuchen, eine Mail trotz "Inaktivität" zu schicken.

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Bild: Screenshot/gk

Schritt 2: Facebook und Instagram

Bei Facebook und Instagram sieht die Sache schon anders aus. Damit ich hier vom Netzwerk als verstorben akzeptiert werde, muss ich zunächst einen Antrag auf "Versetzung des Profil in den Gedenkzustand" stellen.

Erst wenn Facebook diesen Antrag genehmigt (den meine Angehörigen dann im Zweifel durch eine beigelegte Todesurkunde beweisen werden müssen), erhält mein auserwählter "Nachlasskontakt" die Möglichkeit, einen "letzten" Post in meinem Namen abzusetzen (und diesen oben fixieren), mein Profilbild aktualisieren, auf Freundschaftsanfragen zu antworten und mein "Datenarchiv" herunterladen – also Tonnen an Gigabytes: sämtlichen Daten, die ich je gepostet und geteilt habe.

Sobald mein Account in den "Gedenkzustand" versetzt worden ist, kann man mir auch keine Nachrichten schicken, sondern nur noch auf meine Pinnwand posten. Ich habe mit Gästebüchern im Internet angefangen und ich werde auch mit Gästebüchern im Internet aufhören.

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Facebook wüsste gerne, worauf ich nach meinem Tod Wert lege. Bild: Screenshot/gk

Was mein Nachlasskontakt nicht kann: Meine Nachrichten lesen. Gut zu wissen also, dass ich all die Memes und den Quatsch, den ich den ganzen Tag so verschicke, auf meine letzte Reise mitnehmen werde.

Und damit ich nicht allzu oft an den Tod erinnert werde, schickt Facebook mir einmal im Jahr eine Erinnerung, wer mein Nachlasskontakt ist. Halleluja!

Schritt 3: Twitter (?)

Twitter allerdings muss nach jetziger Aussicht noch damit auskommen, wortwörtliche Karteileichen im System zu haben – und bietet mir bislang nicht an, mich um meinen Nachlass zu kümmern. Andererseits ist ja auch gar nicht absehbar, ob Twitter tatsächlich länger überlebt als ich.

Ein echtes Testament habe ich übrigens bislang nicht geschrieben.

Erben meine Angehörigen mein Facebook-Profil?

Facebook muss den Eltern eines toten Mädchens als Erben Zugang zu dem seit fünfeinhalb Jahren gesperrten Nutzerkonto der Tochter gewähren, entschieden die Richter und hoben am Donnerstag ein Urteil des Berliner Kammergerichts auf, das die Sperre unter Verweis auf das Fernmeldegeheimnis bestätigt hatte. Die Eltern einer 15-Jährigen hatten geklagt, um aus privaten Inhalten nachzuvollziehen, ob sich das Mädchen selbst umgebracht hat. Derzeit ist die Facebook-Seite gesperrt.

Herzlichen Glückwunsch, ihr lebt noch:

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