Personen sitzen in einem Restaurant und essen. Am 15. Januar traten in Berlin verschärfte Corona-Regeln in Kraft. Neue Maßnahmen sind die 2GPlus-Regel in der Gastronomie und die FFP2-Maskenpflicht in  ...
Viele junge Menschen wollen sich nicht von den Restriktionen oder steigenden Inzidenzen von Gastronomie-Besuchen abhalten lassen.Bild: dpa / Annette Riedl
Analyse

2G-Plus-Chaos in den Bundesländern: Was Betroffene in Gastronomie, Kultur und Freizeit dazu sagen

22.01.2022, 12:3322.01.2022, 18:29

"Die Ansteckungsgefahr in voll besetzten Restaurants ohne Sicherheitsabstände muss als hoch eingeschätzt werden, da Masken nicht sinnvoll getragen werden können." So lautet die Warnung des Epidemiologen Markus Scholz, wie er watson sagte. Die 2G-Plus-Regelung sei hier als Mindeststandard notwendig, um Superspreading-Events zu vermeiden.

Dennoch wird genau dieser Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz von Anfang Januar vor allem in der Gastronomie, der Kultur und Freizeit kontrovers diskutiert. Bundesweit soll 2G-Plus gelten. Jedoch haben das letzte Wort immer noch die Bundesländer selbst, weshalb es zu einem zunehmend unübersichtlichen Flickenteppich an Regeln kommt. Während sich Bayern und Sachsen-Anhalt direkt gegen 2G-Plus in der Gastronomie gestellt haben, rückte in dieser Woche auch Thüringen nach.

Corona-Maßnahmen halten junge Menschen nicht vom Bar-Besuch ab

Dass junge Menschen jedoch trotzdem gerne Bars oder Restaurants besuchen, zeigt eine Civey Umfrage, die im Auftrag von watson durchgeführt wurde: 56 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren würden trotz der hohen Infektionszahlen eine Bar besuchen, wobei sich die Bedenken mit zunehmendem Alter erhöhen.

Eine Bartenderin mixt in der Bar Milano in Mitte einen Cocktail. Am 15. Januar traten in Berlin verschärfte Corona-Regeln in Kraft. Neue Maßnahmen sind die 2GPlus-Regel in der Gastronomie und die FFP2 ...
Der Barbetrieb unter 2G-Plus (seit 15. Januar) läuft in Berlin weiter. Bild: dpa / Annette Riedl

Die Corona-Vorkehrungen halten Feierwillige dabei auch nicht von einem Bar-Besuch ab, wie die Daten der Umfrage zeigen: 53 Prozent der jungen Erwachsenen besuchen trotz benötigtem Test- und Impfnachweis Kneipen. Eigentlich eine gute Nachricht.

Doch wie passt dieses Ergebnis mit dem Bild leerer Bars und geschlossener Restaurants zusammen, das sich vielerorts zeigt? Watson hat mit Betroffenen aus Gastronomie, Kultur und Freizeit gesprochen und wollte wissen, wie die 2G-Plus-Regeln sich auf ihren Betrieb auswirken.

Die Gastronomie hofft auf einen Gewöhnungseffekt

In Hamburg gelten seit vergangener Woche verschärfte Corona-Maßnahmen in Bars, Restaurants sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Gastronomen schlugen bereits im Vorfeld Alarm, sie befürchteten ein Ausbleiben der Gäste und Umsatzeinbußen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) bezeichnete die Einführung von 2G-Plus als "Desaster" für die Gastronomie-Branche.

Doch nicht alle sind dieser Meinung: Axel Strehlitz, Inhaber des Hamburger Restaurants "Das Dorf", sagte watson: "Wir befürworten sämtliche Maßnahmen, die uns vor einem vollständigen Lockdown bewahren." Er habe sein Restaurant im vergangenen Jahr "sieben schmerzliche Monate" lang nicht öffnen können und wolle nun deshalb "alles probieren, was das Geschäfts- und Kulturleben aufrechterhält."

"Wir befürworten sämtliche Maßnahmen, die uns vor einem vollständigen Lockdown bewahren."
Axel Strehlitz, Inhaber des Hamburger Restaurants "Das Dorf"

Auch vor einem Ausbleiben der Gäste hat der Hamburger Gastronom keine Angst: Er sei sich sicher, dass "alles nur eine Frage der Gewohnheit" sei. "Schon nach einigen Tagen werden die Gäste es akzeptieren, um weiterhin am Leben teilnehmen zu können." Die Gäste würden sich mit 2G-Plus zudem sicherer fühlen, glaubt er.

Die Kontrolle der verschärften Regeln sei dennoch "ein beträchtlicher Mehraufwand", betont Strehlitz, "da es sich um eine dreifache Kontrolle handelt". Deshalb fordert er auch bundesweit eine Verständigung "auf eine einzige digitale Lösung, die all die Prüfmechanismen auf einen einzigen Scan reduziert". Dies würde Zeit und Personalkosten sparen.

Stuttgarter Restaurants sind trotz strenger Maßnahmen "gut besucht"

Dass sich Gäste tatsächlich an die neuen Regeln gewöhnen können, scheint das Bundesland Baden-Württemberg zu beweisen. Hanna W. (29), Gast eines Stuttgarter Cafés, beobachtet in letzter Zeit gut besuchte Restaurants in der Stadt und bestätigt damit die These des Hamburger Restaurant-Besitzers Axel Strehlitz.

Ein Aufsteller weist Gäste am Eingang eines Restaurants auf die neue 2G Plus Regel hin. Seit diesem Samstag gelten in Baden-Württemberg verschärfte Corona-Regeln - Dazu zählt zum Beispiel die 2G Plus  ...
Baden-Württemberg hat seit dem 4. Dezember seine Corona-Regeln für die Gastronomie verschärft. Bild: dpa / Christoph Schmidt

In Baden-Württemberg gilt bereits seit einigen Wochen die 2G-Plus-Regelung. Am 11. Januar wurde beschlossen, dass die aktuell geltende Alarmstufe 2 bis zum 1. Februar verlängert wird und in diesem Zuge auch 2G-Plus für die Gastronomie und die Schließung von Diskotheken umgesetzt wird. Außerdem wird eine Sperrstunde ab 22.30 Uhr bis 6 Uhr für die Gastronomie verhängt, die zusätzlich seit dem 12. Januar nicht mehr mit einer medizinischen Maske, sondern lediglich mit einer FFP2-Maske betreten werden darf.

Ausbleibende Gästezahlen beobachtet die Verwaltungsangestellte Hanna in Stuttgart nicht: "Die meisten Läden waren in den vergangenen Tagen gut besucht", berichtet sie watson. Zudem werde man ausnahmslos in jedem Laden kontrolliert, was ihr Sicherheit gebe. Dennoch gibt es "viele, die ängstlich sind", erzählt sie. Die Menschen scheinen sich in Stuttgart bereits an die schon länger geltenden 2G-Plus-Regeln gewöhnt zu haben.

In Köln "herrscht umfangreiche Verwirrung" über neue Regeln

Anders sieht es der Gastronom und Geschäftsführer des Kölner Restaurants "Rich'N Greens", Thomas Kranzfelder: Er habe sowohl mit Umsatzeinbußen als auch mit weniger Gästen zu kämpfen.

In Nordrhein-Westfalen gelten seit vergangenem Donnerstag neue Corona-Regeln. Die überarbeitete Corona-Schutzverordnung beinhaltet neben einer verschärften Maskenpflicht auch 2G-Plus überall dort, wo keine Masken getragen werden können, wie beim Sport, in der Gastronomie und im Freizeitbereich.

ROME, ITALY, DECEMBER 06: Carabinieri officers check customers’ Covid-19 super green passes and documents inside a restaurant in Rome, Italy, on December 06, 2021. Starting from December 6 customers ...
Die 2G-Plus-Kontrollen sorgen für einen erheblichen Mehraufwand für das Personal.Bild: AA / Riccardo De Luca

Kranzfelder berichtet gegenüber watson von einer "umfangreichen Verwirrung" über die neuen Regeln, die "unklar definiert" seien. Als Beispiel nennt er: "Dürfen die Mitarbeiter nun auch nur mit Booster bei uns arbeiten?"

"Im Zweifel hängt der Gastronom in der Verantwortung und tut gut daran, die Grenzfälle auf Verdacht lieber wegzuschicken."
Thomas Kranzfelder, Geschäftsführer des Kölner Restaurants "Rich'N Greens"

Doch auch bei Gästen sei die Auslegung der Regeln oft ein Problem. Der Gastronom erzählt: "Wir hatten heute einen Fall mit einem minderjährigen Gast, bei dem unklar war, ob dieser nun ins Restaurant darf oder nicht. Die Zeit, mehrere Absätze auf den hiesigen Portalen durchzuwühlen, nur um entscheiden zu können, ob dieser nun bei uns sitzen darf oder nicht, hat man im Betrieb nicht", betont Kranzfelder. Er schicke solche "Grenzfälle auf Verdacht lieber weg", da der Gastronom im Zweifel in der Verantwortung stehe. Auch, wenn dies "abermals zum Schaden des Betriebs" beitrage.

Erst vor wenigen Tagen musste das "Rich'N Greens" mehrere Gäste wieder nach Hause schicken, weil diese noch nicht über die neuen Bedingungen Bescheid wussten. "Die müssen dann wieder gehen", erzählt Kranzfelder.

Berliner Kneipenwirt reagiert mit geänderten Öffnungszeiten auf 2G-Plus

Ein Barkeeper der Berliner Kneipe "Kaffeehaus Chagall" kann sich Thomas Kranzfelder vom "Rich'N Greens" anschließen – er beobachtet bereits jetzt zurückgehende Gästezahlen.

Eine Mitarbeiterin führt an einer Teststation, die sich in einem Café befindet und in der sich Passanten durch ein Fenster testen lassen können, einen Corona-Schnelltest an einer Frau durch. Beim Rest ...
Manche Restaurants haben Glück und können auf nahegelegene Teststellen hinweisen.Bild: dpa / Marijan Murat

Der Berliner Senat hatte sich am 11. Januar auf eine entsprechende Umsetzung der bundesweit beschlossenen 2G-Plus-Regelung verständigt, die seit einer Woche in Berlin gilt. Diese betreffe sowohl die Gastronomie, als auch Kultur- und Sportveranstaltungen.

"Wir haben es jetzt so gehandhabt, dass wir mittags früher aufgemacht haben und abends nur bis 23 Uhr."
Barkeeper der Berliner Kneipe "Kaffeehaus Chagall"

Zwar rechne der Barkeeper nicht mit einer Schließung der Kneipe im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, aber weniger Gäste zeichneten sich bereits nach der Verkündung des Senats ab.

"Wir haben es jetzt so gehandhabt, dass wir mittags früher aufgemacht haben und abends nur bis 23 Uhr", erzählt der Mitarbeiter des "Chagall" im Gespräch mit watson. Normalerweise hat die Bar bis 4 Uhr morgens geöffnet, auch an Wochentagen. Zu dieser Uhrzeit bekommen Gäste des "Chagall" aktuell allerdings nur noch am Wochenende ein Getränk in der Bar.

Damit reagiert das "Chagall" auf die sinkenden Gästezahlen. "Doch es kommen schon noch Leute, manchmal haben wir auch unter der Woche noch bis 24 Uhr oder 0.30 Uhr auf", erzählt der Barkeeper. Er fügt hinzu: "Außerdem haben wir es ganz gut hier, weil wir direkt vor der Türe eine Teststelle haben, auf die wir hinweisen können, falls Gäste noch einen Test machen wollen."

Schlecht gelaunte Gäste in Dresden

In Sachsen gilt für Restaurants, Gaststätten und Kneipen 2G-Plus. Zusätzlich darf die Gastronomie nur bis 22 Uhr öffnen, noch bis vor einer Woche galt die Sperrstunde in Sachsen ab 20 Uhr.

Gastronomie in der Corona-Pandemie Um auch im Winter draussen bewirten zu können hat diese Gaststätte eine "Blase" im Aussenbereich aufgebaut.
Geänderte Öffnungszeiten aufgrund von Corona oder mal ganz kreativ werden, wie dieses Restaurant in Frankfurt.Bild: Daniel Kubirski / Daniel Kubirski

Emre Karakaya arbeitet in einer Pizzeria in der Dresdner Neustadt und rechnet "durch die neuen Regeln mit weniger Arbeit", wie er watson gegenüber sagt. Außerdem befürchtet er schlecht gelaunte Gäste, "weil sie sich verarscht vorkommen".

"Ich rechne damit, dass die Gäste nicht mehr so gut gelaunt sind, weil sie sich verarscht vorkommen."
Emre Karakaya, Mitarbeiter einer Pizzeria in der Dresdner Neustadt

Doch er sieht auch die positiven Seiten: "Klar ist es gut, dass wir bis 22 Uhr offen haben dürfen", erzählt Karakaya im Gespräch mit watson. "Und speziell unser Laden hat ja Glück, dass direkt daneben ein Testzentrum ist. Viele Gastronomen haben dieses Glück aber nicht." Karakaya ist sich aber nicht sicher, "ob die Leute dann bereit sind, sich jetzt nach der Impfung noch testen zu lassen, bevor sie irgendwo essen gehen."

Der Mitarbeiter des Dresdner Restaurants blickt verhalten, aber dennoch positiv in die Zukunft: "Im November war bei uns wenig los, als die 2G-Regel in Kraft gesetzt wurde. Dann wurde es langsam mehr, also man hat gemerkt, die Menschen haben sich impfen lassen."

Die Kulturbetriebe fühlen sich benachteiligt

Bayern hatte sich, ebenso wie das Bundesland Sachsen-Anhalt und Thüringen, vergangene Woche bereits klar gegen eine Einführung von 2G-Plus in der Gastronomie gestellt. Doch das Land ging in dieser Woche sogar noch einen Schritt weiter: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die 2G-Regel vorläufig außer Vollzug gesetzt. Dieses Vorgehen des Bundeslandes sorgt allerdings für Unverständnis und Verärgerung in anderen Branchen, in denen die verschärften Corona-Maßnahmen hingegen weiterhin gelten. Sie fragen sich: Warum wird das Infektionsrisiko im Theater höher eingeschätzt als im Café?

So gelten in Bayern für Kino und Kultur im Vergleich zu den anderen deutschen Bundesländern die schärfsten Regeln – abgesehen von einigen Ländern, in denen Kulturstätten komplett schließen mussten, wie beispielsweise in Sachsen.

Christine Berg, Vorstand des HDF KINO, der zentralen Interessensgemeinschaft der Kinobetreiber in Deutschland, betont:

"Wir und die Kinobetreiber/innen in Bayern sind angesichts dieser massiven Benachteiligung der Kinos empört und sprachlos und fragen uns, wieso unsere Interessen im Vergleich zu anderen Branchen derartig mit Füßen getreten werden. Hier wurde offensichtlich ganze Lobbyarbeit geleistet! Die Ungleichbehandlung gegenüber den Kinos ist umso haltloser, da bereits in Studien nachgewiesen wurde, wie vergleichsweise gering das Infektionsrisiko in den Filmtheatern ist."

Neben Kinos gelten auch in bayerischen Theatern die strengeren 2G-Plus-Regeln. Der Wirtschaftsminister des Bundeslandes, Hubert Aiwanger, begründet dieses Vorgehen damit: "Wir schließen nicht, wir schauen uns die Dinge an".

Auch in Theatern gilt in vielen Bundesländern die 2G-Plus-Regel.
Auch in Theatern gilt in vielen Bundesländern die 2G-Plus-Regel.Bild: www.imago-images.de / Rolf Walter

Joachim Rader, Sprecher des Nürnberger "Gostner Hoftheaters" befürwortet "infektionshemmende Maßnahmen" in Innenräumen grundsätzlich. "Allerdings ist 2G-Plus, vor allem in der bayerischen Variante für Kulturbetriebe, deutlich übertrieben: FFP2-Maskenpflicht am Sitzplatz bei maximal 25-prozentiger Auslastung kommt einem faktischen Lockdown gleich", betont Rader gegenüber watson. Dazu kämen Bestimmungen, die "alle drei bis vier Wochen geändert werden".

"2G-Plus ist, vor allem in der bayerischen Variante, für Kulturbetriebe deutlich übertrieben."
Joachim Rader, Sprecher des Nürnberger "Gostner Hoftheater"

Dennoch kann das "Gostner Hoftheater" aufatmen: "Wir hatten bis jetzt nur wenige Ticketrückgaben wegen 2G-Plus", erzählt Rader. Die Gäste seien froh, "dass überhaupt gespielt werden darf". Zwar nähmen sie auch diese Bedingungen auf sich, aber dennoch würde das Nürnberger Theater es begrüßen, "wenn es medizinisch vertretbar ist, auch auf die FFP2-Maske am Sitzplatz zu verzichten". Denn: "2G bei 50-prozentiger Auslastung" im Schachbrettmuster, würde Raders Ansicht nach in Theatern ausreichen.

Umsetzung von 2G-Plus in Rheinland-Pfalz "den Umständen entsprechend" gut

Für Sport- und Kulturveranstaltungen sowie Freizeiteinrichtungen gelten in Rheinland-Pfalz bereits seit dem 4. Dezember 2G-Plus-Regeln.

Jochen Seehuber, Inhaber des "CAPITOL&PALATIN Filmtheaters" in Mainz, meint, die Umsetzung der 2G-Plus-Regelung funktioniere "den Umständen entsprechend" gut. Auch, wenn es "ein ziemliches Durcheinander bei der Frage, wer nun weswegen keinen zusätzlichen Test vorlegen muss" gebe, erzählt Seehuber gegenüber watson.

"Sobald es die Lage erlaubt, sollte der zusätzliche Test aber ganz abgeschafft werden."
Jochen Seehuber, Inhaber des "CAPITOL&PALATIN Filmtheaters" in Mainz

Dennoch beobachtet auch er – ähnlich wie in der Gastronomie – eine sinkende Anzahl an Gästen: "Die aktuelle Besucherzahl ist natürlich stark unterhalb der Norm, aber das liegt wahrscheinlich nicht per se an der 2G-Plus-Regel, sondern der allgemeinen Lage."

Im Hinblick auf die Zutrittserlaubnis für Nicht-Geboosterte ist Seehuber jedoch der Meinung: "Sobald es die Lage erlaubt, sollte der zusätzliche Test aber ganz abgeschafft werden." Dies würde bedeuten, dass nur noch geboosterte Menschen einen Zugang zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen haben.

Im Freizeitbereich ist 2G-Plus mit viel Frust verbunden

In vielen Bundesländern gelten auch im Freizeitbereich verschärfte Corona-Regeln. So auch in Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Watson hat bei Sporteinrichtungen nachgefragt, wie sie mit den 2G-Plus-Regeln umgehen und welche Auswirkungen diese auf die Betriebe haben.

An zusätzliche Maskenpflicht halten sich im Fitnessstudio nur wenige

"Es sind weniger Leute hier wegen 2G-Plus. Das habe ich auch von Freunden so gehört", erzählt Annika B., ein Mitglied des "SportsClub" in Ahrensburg bei Hamburg, im Gespräch mit watson. Bis vergangenen Mittwoch galt noch keine Maskenpflicht im Studio, doch auch diese Regel wurde am Donnerstag verschärft.

Das Fitnessstudio "SportsClub Ahrensburg" in der Nähe von Hamburg weist auf Instagram auf die neu eingeführte Maskenpflicht hin.
Das Fitnessstudio "SportsClub Ahrensburg" in der Nähe von Hamburg weist auf Instagram auf die neu eingeführte Maskenpflicht hin.bild: screenshot instagram @sportsclub_ahrensburg

Fortan müssen die Mitglieder des Ahrensburger Fitnessstudios auf der Trainingsfläche, neben dem Vorweisen einer Boosterimpfung oder einem zusätzlichen negativen Corona-Test, auch eine medizinische Maske tragen.

Doch daran hielten sich bisher nur wenige, berichtet Annika. "Bis auf meine Freundin und mich hat sich da heute keiner dran gehalten." Auch Trennwände oder gesperrte Geräte gibt es hier nicht, wie Annika erzählt. "Theoretisch müssten die Leute auch ihre Geräte abwischen nach dem Training, aber das hat keiner gemacht."

"Es sind weniger Leute hier wegen 2G-Plus. Das habe ich auch von Freunden so gehört."
Annika B., 22, Mitglied des "SportsClub" in Ahrensburg bei Hamburg

Dennoch scheinen die Nachweis-Kontrollen immerhin akribisch durchgeführt zu werden. "Wenn man keinen Booster hat, muss man sich am Eingang testen lassen, 15 Minuten auf sein Ergebnis warten und bekommt dann für das Training ein Zertifikat ausgestellt", beschreibt die 22-Jährige den Vorgang. Am Eingang werde zudem an einem kleinen Bildschirm die Temperatur gemessen. Erst danach darf man mit seinem Zutrittsbändchen einchecken, auf dem zudem die Informationen über die Impfung gespeichert sind.

Auch teure Lüftungsanlagen bringen Betreibern in Nordrhein-Westfalen keine Vorteile

Seit vergangenem Donnerstag gelten auch in Nordrhein-Westfalen überall dort, wo keine Maske getragen werden kann, verschärfte Corona-Regeln. Davon betroffen sind neben der Gastronomie auch der Freizeit- und Kulturbereich.

2G-Plus gilt bereits seit dem 28. Dezember in Nordrhein-Westfalen für Fitnessstudios. Neu ist nun, dass die Booster-Impfung den negativen Testnachweis ersetzt. Dies zieht allerdings einen erheblichen Mehraufwand in den Kontrollen mit sich. Fabian Becker, Geschäftsführer des Sport-Studio Aggertal nahe Köln, erklärt: "Wir müssen jeden Gast einzeln einlassen und kontrollieren."

"Unter den aktuellen 2G-Plus Bestimmungen kippt langsam die Stimmung und die Akzeptanz für die von der Regierung festgelegten Maßnahmen."
Fabian Becker, Geschäftsführer des Sport-Studio Aggertal nahe Köln

"Diese neuen Maßnahmen sind extrem personalintensiv und halten uns von unserer eigentlichen Aufgabe – der Trainingsbetreuung unserer Gäste – ab", betont Becker gegenüber watson.

Der Geschäftsführer weist darauf hin, dass die Branche "enorm viel in Hygiene-, Lüftungs- und Schutzkonzepte investiert, die leider wenig Beachtung in der Politik finden." Als Beispiel nennt er "eine Aerosol-/ und CO2-gesteuerte Frischluftanlage mit Live-Präsentation auf der Homepage", die das Studio für einen "mittleren fünfstelligen Betrag aus privaten Mitteln" gekauft habe. Deshalb verstehe Becker auch nicht, "dass in einem solchen Fall dann überhaupt noch Einschränkungen in unserem Geschäftsbetrieb gemacht werden".

Zwar würden sich die Gäste dem Fitnessstudio-Betreiber gegenüber "größtenteils" verständnisvoll zeigen, allerdings kippe die Stimmung unter den 2G-Plus-Regeln langsam, beschreibt Becker.

Gäste im Freizeitheim in Niedersachsen fühlen sich mit 2G-Plus sicherer

Für Kultureinrichtungen gelten im Bundesland Niedersachsen strenge Corona-Regeln. So auch für das Freizeitheim Linden in Hannover. Die Landeshauptstadt teilt auf Anfrage von watson mit, dass sie die 2G-Plus-Maßnahmen für Kultureinrichtungen befürwortet.

Dennoch: "Für niemanden sind die Einschränkungen leicht, aber zurzeit braucht es Regeln und Solidarität mit z.B. Immungeschwächten, akut Erkrankten, mit dem Gesundheitspersonal und mit Kindern, die sich selbst nicht schützen können", erklärt die Sprecherin der Stadt Hannover, Anja Menge, gegenüber watson. Die Begründung dieser Ansicht: "Unsere Gäste und Nutzerinnen und Nutzer fühlen sich mit der 2G-Plus-Regel sicherer."

Da sich die Corona-Maßnahmen jedoch je nach Infektionsgeschehen immer wieder ändern, hilft es aktuell vermutlich nur, sich sowohl als Besucher als auch als Betreiber eines Gastronomiebetriebs oder einer Kultur- sowie Freizeiteinrichtung, tagesaktuell über die geltenden Regeln zu informieren.

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Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. In der kommenden Woche ist bereits der erste Advent, einige Tage später folgt der Nikolaustag. Bis Weihnachten ist es also nicht mehr lange hin. Schon jetzt sind die Supermarkt-Regale zur Vorweihnachtszeit voll mit Schoko-Nikoläusen von den unterschiedlichsten Marken.

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