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Von wegen perspektivlos: Viele Putzkräfte sind Studierende oder in Ausbildung.Bild: pexels / cottonbro studio
Analyse

Putzhilfen-Klischees: Fünf falsche Vorurteile über Reinigungskräfte

08.11.2022, 15:58

"Putzen gehen" gilt immernoch als Synonym für eine Tätigkeit, die als letzte Option übrig bleibt, wenn man nichts gelernt hat und keinen anderen Job findet, kurz: Als Demütigung auf dem Arbeitsmarkt. Dass diese Haltung massiv respektlos gegenüber den Menschen ist, die diesen Beruf ausüben, stellt beim Darüber-Nachdenken wohl keiner mehr in Frage.

Doch wie oft denkt man darüber nach? Mindestens einmal im Jahr sollte das schon sein, fand zumindest die Essener Autorin Gesine Schulz und rief daher 2004 den "Internationalen Tag der Putzfrau" ins Leben, der seither am 8. November gefeiert wird. Das Ziel: Die Arbeit von Reinigungskräften zu würdigen, ihren Arbeitsbedingungen Aufmerksamkeit zu schenken und ihren Beitrag am täglichen Leben wertzuschätzen.

Das ist bitter nötig, denn laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des Reinigungskräfte-Vermittlungsportals Helpling, sind 73 Prozent aller Deutschen der Meinung, dass Putzhilfen ein "eher geringes" oder "sehr geringes" Ansehen in der Gesellschaft genießen.

Die Gründe für das negative Bild: Zwei Drittel der Deutschen sehen Putzen als eine einfache Tätigkeit an, die jeder ausüben kann. Darüber hinaus spielen das vermeintlich geringe Bildungsniveau von Reinigungskräften (54 Prozent), die verbreitete Schwarzarbeit (46 Prozent) sowie der Migrationshintergrund vieler Reinigungskräfte (39 Prozent) eine Rolle.

Doch vieles, was in der Gesellschaft über Reinigungskräfte angenommen wird, entspricht nicht der Wahrheit. Passend zum Thema betreiben wir Großputz und räumen dabei fünf der größten Klischees über den Beruf beiseite.

"Wer putzen geht, ist ungebildet"

Eine weit verbreitete, wenn auch stark verstaubte Ansicht, lautet: Wer Putzen geht, hat meist keine andere Wahl, weil er bildungsfern lebt. Ein absoluter Irrtum, wie eine Dienstleister:innen-Umfrage von Helping zeigt.

Ganz im Gegenteil: 44 Prozent der teilnehmenden Reinigungskräfte gaben sogar an, dass sie sich derzeit im Studium oder in einer Ausbildung befänden. Die zeitliche Flexibilität bei Putzen macht den Job besonders für Berufsschüler:innen und Studierende attraktiv.

"Putzen ist ein Frauenjob"

Nur weil es in den meisten deutschen Privathaushalten immernoch zumeist die Frau ist, die häusliche Arbeit erledigt (die Zahlen dazu findest du hier), bedeutet das nicht, dass sich Männer fürs Putzen nicht bezahlen lassen.

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Rund die Hälfte aller Reinigungskräfte sind Männer. Bild: pexels / Nathan Cowley

49 Prozent der Reinigungskräfte seien männlich, 50 Prozent weiblich und ein Prozent divers, gibt Helping zur Geschlechterverteilung der bei ihnen registrierten Menschen an. Das Verhältnis ist also ziemlich ausgeglichen. Unterschiede finden sich aber in den "Einsatzorten": Während es tatsächlich eher Frauen sind, die in Privathaushalten putzen, befinden sich unter den Gebäude- und Fensterreinigern besonders häufig Männer.

"Putzkräfte klauen"

Eine wildfremde Person in die eigene zu Wohnung lassen, ist für viele erstmal abschreckend. Denn hin und wieder hört man schließlich von Putzhilfen, die Bargeld oder Wertgegenstände mitgehen lassen. Das sind jedoch Einzelfälle, die besonders in illegalen Arbeitsverhältnissen problematisch sind.

Denn: Bei professionellen Vermittlungen wird diesbezüglich vorgebeugt. Reinigungskräfte müssen bei der Registrierung Gewerbeschein und Ausweis vorlegen und die Nutzer:innen sind zudem bei Diebstahl versichert. Übrigens: Die meisten Anbieter versprechen auch eine Haftpflichtversicherung – schließlich kann auch ganz ohne böse Absicht beim Putzen mal etwas beschädigt werden.

"Jemand für sich putzen zu lassen ist dekadent"

Es ist ein merkwürdiges Phänomen: Die meisten haben kein Problem damit, fremde Leute ihre Pizza backen und bringen zu lassen (Pizzalieferant), einen Chauffeur zu bezahlen (Taxi) und sich seine Einkäufe nach Hause tragen zu lassen (Paketbote), doch beim Thema Reinigungskraft fühlt sich das Auslagern der privaten Aufgaben plötzlich nach Snobismus an.

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Für viele hingegen in Ordnung: Wenn Eltern im Hotel Mama ihren Dreck kostenfrei beseitigen.Bild: pexels / Andrea Piacquadio

Allerdings gibt es zu dem Thema eine interessante Studie aus den USA, die ein Denkanstoß sein könnte: Dort zeigte sich, dass von allen Haushaltsausgaben die Kosten für eine Reinigungskraft von den Befragten am wenigsten bereut wurde und sie auch noch am glücklichsten machte. Der Zuwachs an Freizeit und die Reduzierung von Stress durch die unliebsame Aufgabe Putzen (und die dazugehörigen Streitereien in WGs oder mit Partnern) führte zu einer signifikant höheren Lebensqualität.

"Putzkräfte verdienen nichts"

Tatsächlich ist die Arbeitssituation vieler Reinigungskräfte oft prekär, vor allem dann, wenn diese schwarz arbeiten, also nicht offiziell angestellt und damit auch im Notfall (Unfall, Krankheit etc.) kaum abgesichert sind. Etwa 88 Prozent aller Putzhilfen in Deutschland arbeiten illegal, zeigen Erhebungen (Institut der Deutschen Wirtschaft, 2020).

Zudem drückt ausgerechnet die mangelnde Wertschätzung des Berufes auch die Preise und die Zahlungsbereitschaft der Kund:innen ist nicht besonders ausgeprägt bei einer Tätigkeit, die vermeintlich kein Expertenwissen benötigt. Auch deshalb ist Aufklärung so wichtig.

Allerdings: Reinigungskräfte, die über offizielle Vermittlungen registriert und angemeldet sind, verdienen gar nicht schlecht. Aktuell beträgt der durchschnittliche Stundenlohn einer Reinigungskraft in München 22 Euro, in Berlin 17 Euro sowie in Frankfurt am Main und Hamburg je 16 Euro (Helpling-Daten vom Oktober 2022).

Wie eine Kunden-Umfrage des Portals ergab, hakt es wie immer auch hier beim Konsumenten. 77 Prozent aller Deutschen ist es "eher" bis "sehr" wichtig, dass ihre Reinigungskraft legal tätig ist. Doch nur zwei Drittel wären auch bereit, für die legal tätige Reinigungskraft mehr zu zahlen, so das Ergebnis.

Wie bei allem gilt auch hier: Wer auf ein faires Arbeitsverhältnis Wert legt, muss dafür auch fair bezahlen.

Black Friday: Wie du betrügerische Fake-Shops erkennst

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