In der Universitätsbibliothek sitzen Studenten an mit Computern bestückten Tischen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen werden von den Studenten auch die Bibliotheken und andere Einrichtungen der Un ...
Von allein lebenden Studierenden leben vier von fünf unter der Armutsgrenze.Bild: dpa-Zentralbild / Waltraud Grubitzsch
Deutschland

Chilliges Studentenleben? Fast ein Drittel aller Studierenden lebt laut Studie in Armut

17.05.2022, 15:52

Fast ein Drittel aller Studierenden lebt einer Untersuchung zufolge in Armut. Laut der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sind 30 Prozent aller Studierenden in Deutschland davon betroffen. Von den allein lebenden Studierenden leben demnach sogar vier von fünf unter der Armutsgrenze.

Aufräumen mit "altbackenen Klischees" des schönen Studenten-Lebens

So liegt das mittlere Einkommen armer Studierender bei 802 Euro. Damit liegen sie 463 Euro unterhalb der Armutsschwelle. Überproportional von Armut betroffen seien dabei nicht nur zu 80 Prozent Einpersonenhaushalte, sondern auch zu 45 Prozent Studierende mit Bafög.

Nötig sei eine weitreichende Bafög-Reform, sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Er findet, dass endlich mit Klischees aufgeräumt werden müsse:

"Die altbackenen Klischees des fröhlichen Studentenlebens bei wenig Geld, aber viel Freizeit, sind absolut überholt und haben mit der Lebenswirklichkeit und dem Studiendruck heutzutage nichts mehr zu tun"

Es benötige eine Ausweitung der Reichweite des Bafögs

Die bisher vorliegenden Reformvorschläge der Bundesregierung, die am Mittwoch im Bundestagsausschuss für Bildung beraten werden, hält der Verband nicht für ausreichend. Gerade angesichts der aktuellen Preissteigerungen drohten weitere harte Belastungen, Verschuldung und Studienabbrüche für viele arme Studierende.

Nötig seien neben der Ausweitung der Reichweite des Bafögs und der Flexibilisierung der Altersgrenzen auch eine Anhebung Bafög-Sätze sowie eine automatische und regelmäßige Erhöhung der Studienbeihilfe. Die bisher geplante Anhebung der Bafög-Sätze um fünf Prozent auf künftig 449 Euro gleiche nicht einmal die realen Kaufkraftverluste durch die aktuelle Inflation aus, kritisierte der Verband.

Die Analyse stützt sich auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels aus dem Jahr 2020 sowie Erhebungen des Deutschen Studentenwerks zur wirtschaftlichen und sozialen Lage Studierender in Deutschland.

Die Linke im Bundestag forderte eine Anhebung der Bafög-Sätze an "die Lebensrealitäten der Studierenden" und eine umfassende Reform der staatlichen Unterstützungsleistungen. Die geplante Erhöhung der Bafög-Bedarfssätze um fünf Prozent werde bereits von der hohen Inflation "komplett aufgefressen", erklärte deren Bildungsexpertin Nicole Gohlke am Dienstag in Berlin. Generell sei "endlich" eine Rückkehr zu einem "rückzahlungsfreien Vollzuschuss" erforderlich.

(ast/afp)

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