Leben

Weißt du noch, wann du das erste Mal belästigt wurdest? Menschen erzählen ihre Erlebnisse

Es passiert im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Schule oder in der Freizeit: Viele Menschen begegnen sexualisierter Gewalt bereits in ihrer Kindheit. Das zeigt einmal mehr der Hashtag #wheniwas (was übersetzt etwa bedeutet: "als ich ... war"), unter dem seit dieser Woche Menschen, hauptsächlich Frauen, von ihren ersten Erinnerungen an sexualisierte Gewalt erzählen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Hashtag viral geht. 

Bereits im Jahr 2016 initiierte ihn die britische Seite "Everyday Sexism" im Rahmen eines Projekts. Gedacht war er als eine Plattform zur Dokumentation von Erfahrungen mit sexualisierter Belästigung und Gewalt. ("The Pool")

Warum nun die Wiederbelebung? 

Man wolle mit #wheniwas darauf aufmerksam machen, wie verbreitet das Problem sexualisierter Belästigung und Gewalt sei, und wie früh es beginnen würde. 

Sexualisierte Gewalt in Deutschland: 

Über die Hälfte der Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren hat bereits einmal sexualisierte Belästigung oder Gewalt erfahren. (SPEAK! Die Studie)

Im Jahr 2016 gab es über 12.000 Einleitungen von Ermittlungs- und Strafverfahren wegen sexualisierten Kindesmissbrauchs (das heißt: die Opfer waren unter 14 Jahre alt) in Deutschland. Die Dunkelziffer müsste weitaus höher sein. (Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs)

Das erzählen die Menschen: 

"Als ich 13 war, hielt ein Mann mit seinem Auto, um nach dem Weg zu fragen. Als ich mich vorbeugte, um ihm zu helfen, holte er seinen schlaffen Penis hervor. Meine Schwester, die bei mir war, zerrte mich weg, da ich starr vor Schock war."

"Als ich 12 war, besuchte ich zusammen mit meiner Oma meine Nachbarn, um deren Katzen zu sehen. Ein Arbeiter, der Kinder in meinem Alter hatte, berührte meine Brüste und bat mich, in den Schuppen zu gehen, um 'Spaß zu haben'. Ich sagte meiner Oma, dass ich gehen müsse, weil ich sonst zu spät zum Unterricht kommen würde."

"Als ich 12 war, stellte der Busfahrer sicher, dass er meinen Hintern oder meine Brüste berührte, wenn ich in den Bus ein- oder ausstieg. Dann fing er an, zum Schwimmtraining zu kommen und beobachtete mich jeden Nachmittag vom Rand aus."

"Als ich 9 war, hat ein älterer Junge seine Hand in meine Unterwäsche gesteckt und wollte nicht hören, als ich ihm sagte, er solle aufhören. Er war größer und stärker als ich und ich hatte Angst. Ich habe immer noch Angst vor Männern."

"Als ich 10 war, kommentierte ein Freund der Familie, dass 'meine kleinen Brüste anfangen, ganz nett zu wachsen' und dass er es mag sie durch mein Top zu sehen."

Ich sage: Männer sind Abfall. Ja, auch die Guten

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Video: watson/Lia Haubner, Marius Notter

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