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Zuckerfest: So läuft das große Fastenbrechen am Ende des Ramadan

Zum Zuckerfest gönnt man sich mit Freunden und Familie ein Festmahl (Symbolbild).
Zum Zuckerfest gönnt man sich mit Freunden und Familie ein Festmahl (Symbolbild).Bild: istockphoto/RODNAE Productions
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Zuckerfest: So läuft das große Fastenbrechen am Ende des Ramadan

21.04.2023, 12:33
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Muslimische Kinder fiebern diesem Tag genauso entgegen wie christliche dem Weihnachtsabend: Eid Mubarak oder auch Zuckerfest wird das große Fastenbrechen zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan genannt. Für Kinder gibt es sogar einen Kalender mit Süßigkeiten, ähnlich dem Adventskalender, der das Warten bis zum Ende des Ramadan verkürzt und Geschäfte locken mit Sonderrabatten zum Zuckerfest.

Nach fast einem Monat, in dem gläubige Muslime tagsüber nichts essen und trinken dürfen, gibt es ein üppiges Abschlussfest, das teilweise über mehrere Tage geht. Dieses Jahr beginnt das Zuckerfest am 21. April.

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Kübra, eine junge Muslimin aus Bayern, erzählt watson, was das Zuckerfest so besonders macht und wie es abläuft.

"Wir feiern das Zuckerfest mit der Familie. Meine Familie hier in Deutschland ist relativ klein, das heißt, unsere Cousins, unsere Tante und Onkel kommen und man sitzt zusammen und isst etwas. Von den Erzählungen meiner Eltern weiß ich, dass man früher in der Türkei teilweise von Tür zu Tür gegangen ist und sich ein schönes Zuckerfest gewünscht hat. Die Kinder haben auch Geld oder Süßigkeiten bekommen. Das ist bei uns nicht so, ich kenne es aber auch von Freunden, die große Familien haben, dass da viele zusammenkommen oder dass man von Familie zu Familie zu Besuch geht.

"Beim Zuckerfest-Kalender (...) dürfen Tag für Tag zum Fastenbrechen Türchen aufgemacht werden"

Wir machen das eher sehr selten. Aber es kam auch schon vor, dass wir zum Beispiel am ersten Tag mit der engeren Familie gefeiert haben und dann am zweiten und dritten Tag zu Bekannten gegangen sind und dort zusammen gegessen oder getrunken haben. Das muss auch nicht immer etwas Großes sein, sondern es kann auch einfach Kaffee und Kuchen und Süßspeisen sein.

Oft beginnt das Fastenbrechen mit Datteln und Milch.
Oft beginnt das Fastenbrechen mit Datteln und Milch.Bild: iStockphoto / Anna Tarazevich

Einen Zuckerfest-Kalender habe meine Geschwister oder ich aber nie gehabt. Ich glaube, das ist etwas relativ Neues oder ich habe es einfach nicht mitgekriegt. Ich habe es aber schon öfters gesehen bei Kindern, aber auch bei Leuten in meinem Alter, dass die aus Spaß einen Kalender haben, wo es auch Süßigkeiten gibt. Da dürfen Tag für Tag zum Fastenbrechen Türchen aufgemacht werden. Aber ich hatte sowas noch nie.

Zum Zuckerfest zeigt man sich von seiner besten Seite

Vorbereitungen an sich gibt es gar nicht so viele von meiner Familie aus. Man schaut, dass man vor dem Zuckerfest das ganze Haus auf Vordermann bringt, alles sauber und ordentlich macht und das Essen vorbereitet. Je nachdem, wie viele Leute zu Besuch kommen, muss das schon so viel Essen sein, dass – selbst wenn überraschender Besuch kommt – genug da ist. Und man schaut, dass man etwas Schönes zum Anziehen hat an dem Tag, dass man selber also auch ordentlich ist.

"Die Männer gehen schon rausgeputzt in die Moschee und wenn sie zurück sind, ist es offiziell Zuckerfest"

Traditionen und Rituale gibt es in dem Sinne, dass die Männer sehr früh aufstehen und in die Moschee fahren, zum Morgengebet gehen und die Frauen zu Hause schon mal die Vorbereitungen treffen: also den Tisch decken fürs Frühstück und sich rausputzen. Die Männer gehen schon rausgeputzt in die Moschee und wenn sie zurück sind, ist es offiziell Zuckerfest, dann ist Ramadan vorbei oder abgeschlossen.

Middle Eastern granddaughter holding grandmother's hand during family dinner at dining table.
Als Zeichen des Respekts küssen Kinder die Hände der Älteren.Bild: iStockphoto / Drazen Zigic

Bei uns küssen außerdem die Kinder oder die Jüngeren die Hände der Älteren, also von Oma, Opa und den Eltern. Als Kind hat man dafür zum Beispiel Geld bekommen oder so. Ich weiß nicht, ob das eine Tradition ist, aber so haben wir es zumindest gelernt und auch gemacht. Ich weiß aber von Freunden, dass sie das nicht kennen. Es ist bestimmt auch ein bisschen kulturell bedingt, da mischt sich ja manchmal auch Kultur mit Religion.

Zu Essen gibt es bei uns in der Familie eigentlich nichts Traditionelles. Es kommt eher darauf an, auf was wir am Ende Lust haben oder wenn man zu Besuch geht, was es da gibt. Da ist nichts festgelegt. Bei uns liegt der Fokus darauf, dass es einen Kuchen gibt oder irgendetwas Süßes.

Jede Familie feiert Zuckerfest auf ihre Art

Man darf das Festessen nicht so verstehen, wie zum Beispiel Weihnachten. Es ist nicht festgeschrieben, wie es abläuft. Das ist einfach ein schönes Zusammensein, je nachdem, wie viele Leute zu Besuch kommen und wer alles auftaucht. Klar, wenn es eine große Runde ist, dann geht es auch länger. Wenn man nur die kleinste Kernfamilie ist und die Leute nur später zu einem Tee kommen, dann dauert es auch nicht so lang. Es ist nicht so geplant – bei uns zumindest nicht. Das ist, glaube ich, von Familie zu Familie unterschiedlich.

Auch Jugendliche freuen sich noch über Süßigkeiten zu Eid Mubarak.
Auch Jugendliche freuen sich noch über Süßigkeiten zu Eid Mubarak.Bild: iStockphoto / Canberk Sezer

Überfressen tut man sich beim Zuckerfest eigentlich nicht, weil sich der Magen über die Fastenzeit auch ein bisschen verkleinert und man passt sich an. Es ist schon so, dass man darauf achtet, wie viel man isst, also dass man in Maßen isst und auf seinen Körper hört.

Das ist so eine Quintessenz während des Fastens, dass man beim Fastenbrechen irgendwann mal merkt: Mein Körper kann jetzt gerade einfach nichts mehr essen und dann ist auch Schluss. Man muss sich nichts reinquetschen. Das ist auch nach dem Fasten so. Wenn man Zuckerfest hat, isst man schon ordentlich. Aber dann spielt sich ja auch der Alltag wieder ein und man isst normal."

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