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Mit dem Kurznachrichten-Dienst hat Elon Musk einiges vor.Bild: ZUMA Press Wire / Adrien Fillon
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"Der Vogel ist befreit": Was wir über die Twitter-Pläne von Elon Musk wissen

28.10.2022, 11:4328.10.2022, 15:34

Jetzt ist es offiziell: Elon Musk hat den rund 44 Milliarden Dollar (44,2 Mrd Euro) teuren Kauf des Kurznachrichtendienstes Twitter abgeschlossen. Twitter informierte die US-Wertpapieraufsicht SEC am Freitag über den Rückzug von der Börse und bestätigte damit den Vollzug der Übernahme.

Damit endet ein monatelanges Hin und Her, das zwischenzeitlich auf einen brisanten Gerichtsprozess zusteuerte. Musk nimmt das Online-Netzwerk nun in Privatbesitz - die New York Stock Exchange hat die Aktien bereits aus dem Handel genommen.

Musk hat große Pläne für Twitter

Zuvor hatte der Tesla-Milliardär laut Medienberichten mit Entlassungen in der Chefetage begonnen. Mit dem Kurznachrichten-Dienst hat Musk einiges vor: So hatte er schon angekündigt, Twitter in Sachen Meinungsfreiheit umkrempeln zu wollen. Während zahlreiche Menschen die Übernahme feiern, stoßen seine Vorhaben bei anderen auf viel Kritik.

Erst am Donnerstag hatte Elon Musk bei seinem Auftritt im Twitter-Hauptquartier für Furore gesorgt. Er kam mit einem Waschbecken dort an. Was genau es mit der Aktion auf sich hatte, darüber kann die Öffentlichkeit nur mutmaßen. Eines aber dürfte sicher sein: Wo Musk mitmischt, läuft nichts ohne große öffentliche Aufmerksamkeit ab. Doch was hat er nun mit Twitter vor?

Elon Musk will selbst den Chef-Posten bei Twitter besetzen

Wie "Bloomberg" berichtet, möchte der Milliardär fürs erste selbst den Chefposten beim beliebten Kurznachrichten-Dienst übernehmen. In seinem Twitter-Profil bezeichnet er sich nun als "Chief Twit".

In Sachen Chefsein hat der Milliardär bereits Erfahrung: unter anderem bei seinem Konzern, dem Elektroauto-Hersteller Tesla und seiner Weltraumfirma SpaceX. Er führt auch kleinere Projekte wie das Tunnelbau-Unternehmen Boring Company und die Forschungsfirma Neuralink, die Technologien zur direkten Vernetzung von Menschen und Computern entwickelt.

Seine erste große Aktion bei Twitter: Er hat Firmenchef Parag Agrawal und Finanzchef Ned Segal gefeuert. Dies berichteten unter anderem der Sender CNBC und das "Wall Street Journal". Demnach werde er aber im Laufe der Zeit den Chefposten an jemand anderen übergeben. Musk hatte Agrawal und die Twitter-Führung in den vergangenen Monaten immer wieder kritisiert. Mindestens einer der Manager sei aus der Firmenzentrale herausbegleitet worden, schrieb die "New York Times" unter Berufung auf informierte Personen. Bloomberg zufolge war es der Chefjurist Sean Edgett.

Musk nennt sich jetzt "Chief Twit" und postet kryptische Tweets

Der "New York Times" zufolge war zunächst unklar, ob der Deal zum Zeitpunkt der Entlassungen bereits vollzogen gewesen sei. Laut "Washington Post" und "Wall Street Journal" ist der Tech-Milliardär aber seit Donnerstag der Eigentümer von Twitter.

Am Freitagmorgen deutete Elon Musk den Abschluss der Twitter-Übernahme bereits mit einem etwas kryptischen Tweet an, ganz typisch Musk eben. Er schrieb: "The bird is freed", also "der Vogel ist befreit". Mit dem Vogel meint er Twitter, dessen Logo ein blauer Vogel ist. Der Tweet deutet an, was er vorhat: Musk hatte schließlich stets betont, den Kurznachrichten-Dienst von aus seiner Sicht zu starken Einschränkungen der Meinungsfreiheit befreien zu wollen.

Vorhaben Musks treffen auf Kritik

Mit Twitter hat Elon Musk Großes vor. So kündigte der Tech-Milliardär bereits an, lebenslange Sperren für Nutzer:innen abschaffen zu wollen. Dafür geriet Musk mehrfach in die Kritik. Ihm wurde etwa unterstellt, dass er damit den Ex-US-Präsidenten Donald Trump unterstützen wolle. Der ist nämlich von einer solchen Verbannung betroffen.

Allerdings ist noch unklar, ob Donald Trump diese Änderung tatsächlich betreffen würde.

Trumps Verbannung von Twitter bezeichnete Musk im Mai als "moralisch falsch und einfach nur dumm". Eine Rückkehr zu dem einflussreichen Netzwerk würde für Trump für eine mögliche Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2024 in den USA gerade rechtzeitig kommen.

Das Vorhaben stößt weltweit auf Kritik. Zahlreiche User:innen kündigen etwa an, ihr Profil löschen zu wollen, falls Trump auf Twitter zurückkehrt. Andere schreiben, dass Trump eine Gefahr für die US-amerikanische Demokratie und damit für die Weltordnung sei, und damit seine Sperrung begründet wäre. Andere argumentieren hingegen, dass die Verbannung des Ex-Präsidenten die Meinungsfreiheit einschränke.

Meinungsfreiheit als großes Ziel: "Kein Ort des Grauens"

In Sachen Meinungsfreiheit soll Twitter offener werden. Wie genau, ist bisher allerdings noch unklar. Kritiker:innen befürchten, dass Musk damit Hetze und Hassrede unterstütze. Ein Problem, gegen das die Twitter-Teams seit Jahren ankämpfen.

FILE - Tesla and SpaceX CEO Elon Musk arrives on the red carpet for the Axel Springer media award in Berlin on Dec. 1, 2020. For months, the Tesla and SpaceX CEO has expressed interest in creating his ...
Elon Musk hat bei Twitter Großes vor.Bild: Reuters / Hannibal Hanschke

Ein weiterer Punkt stößt auf Unmut. Schließlich gab es Berichte über einen großen Stellenabbau beim Kurznachrichten-Dienst. Informationen, wonach er drei Viertel der Beschäftigten rauswerfen wolle, soll er diese Woche in der Zentrale zurückgewiesen haben. Dennoch dürfte sein Auftritt am Freitag vor Mitarbeiter:innen der Zentrale alles andere als einfach für Musk werden.

Auch bei Werbekunden führten Musks Pläne zu Verunsicherung. Schon am Donnerstag versuchte er, diese zu beruhigen. Sie befürchten durch den neuen angekündigten Umgang mit der Meinungsfreiheit eine Verrohung des Tons bei Twitter. Musk hielt dagegen: Der Online-Dienst dürfe kein "Ort des Grauens" werden. Weiterhin gelte, dass nicht alles ohne Konsequenzen gesagt werden könne. Dies schrieb er in einem offenen Brief an alle Anzeigenkund:innen. Stattdessen solle die Plattform "warm und einladend für alle sein". Trotzdem solle ein offener Dialog möglich sein.

In dem auf Twitter veröffentlichten Statement schrieb er, dass er mit der Übernahme der Menschheit helfen wolle, die er liebe. Er habe Twitter nicht gekauft, weil es einfach sein würde, oder um mehr Geld zu machen. Er gehe seine neue Aufgabe mit Demut an – und im Bewusstsein, dass er dabei auch scheitern könne.

(MIt Material von dpa)

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