Kind oder Karriere: Für Frauen in Deutschland kann das eine schwerwiegende Entscheidung sein.
Kind oder Karriere: Für Frauen in Deutschland kann das eine schwerwiegende Entscheidung sein.
Bild: Getty / iStockphoto / Daisy-Daisy

Armutsrisiko Kinder: So stark büßen Frauen an Gehalt ein, wenn sie Kinder kriegen

22.06.2020, 14:0822.06.2020, 19:51

Für viele Frauen in Deutschland stellt sich ab einem gewissen Punkt im Leben immer noch die Frage: Kind oder Karriere? Was nach einem Klischee klingt, ist immer noch eine traurige Wahrheit. Dass Frauen, sobald sie Mütter werden, nicht nur einen Knick in ihrer beruflichen Laufbahn, sondern verheerende Einbußen in ihren Gehältern hinnehmen müssen, zeigt nun eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") in ihrer Montagsausgabe berichtet.

Dass Frauen in Deutschland, sobald sie eine Familie gründen, nach wie vor häufiger in Teilzeit gehen als Männer und sich somit größeren finanziellen Risiken aussetzen, ist bereits bekannt: Fast jede zweite erwerbstätige Frau in Deutschland arbeitet nicht in Vollzeit, fast die Hälfte davon aus familiären Gründen. Daraus ergeben sich laut der Bertelsmann-Studie erhebliche Gehaltsunterschiede. Nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern auch zwischen Müttern und kinderlosen Frauen. Wer ein Kind hat, verdient im Schnitt satte 40 Prozent weniger. Mütter von drei oder mehr Kindern müssen sogar bis zu 70 Prozent Gehalt einbüßen.

Frauen gelten nach wie vor als "Zuverdienerinnen", aber Vater sein lohnt sich finanziell

Als Hauptgrund für die eklatanten Unterschiede wird in der Studie genannt, dass in der Gesellschaft "faktisch nach wie vor das Modell des männlichen Ernährers" beziehungsweise der Frau als bloßer Zuverdienerin dominiere. Weil dies auch für die Jüngeren gelte, werde die Einkommenslücke zwischen kinderlosen Frauen und Müttern immer größer.

Dass es nicht das Kinderkriegen per se ist, das Eltern ihre Gehälter kostet, beweist auch ein Blick auf die Väter. Ihr Gehalt verringert sich nämlich nicht, sobald sie Kinder kriegen, im Gegenteil: Sie verdienen laut der Studie im Schnitt 20 Prozent mehr als kinderlose Männer. Vater sein lohnt sich also finanziell.

Frauen verdienen im gesamten Arbeitsleben nur halb so viel wie Männer

Eine frühere Bertelsmann-Studie mit identischer Methodik hatte im Frühjahr gezeigt, dass Männer über das Arbeitsleben hinweg beinah doppelt so viel Geld verdienen wie Frauen. Westdeutsche Männer kommen demnach auf ein durchschnittliches Gesamteinkommen von 1,5 Millionen Euro bis zu ihrem 60. Lebensjahr, westdeutsche Frauen hingegen nur auf 830.000 Euro. In der neuen Untersuchung wurde nun der Frage nachgegangen, wie stark diese Diskrepanz von der Entscheidung für Nachwuchs sowie der Kinderzahl abhängt.

Kinderlose Frauen, die 1982 in Westdeutschland zur Welt kamen, werden der Simulationsrechnung zufolge voraussichtlich 1,3 Millionen Euro verdienen und sich damit dem Einkommen gleichaltriger Männer annähern, wie die "FAZ" berichtet. Gleichaltrige Mütter mit einem Kind verlieren demnach jedoch 43 Prozent im Vergleich zu kinderlosen Frauen, ein zweites Kind vergrößere die Lücke auf 54 Prozent, ein drittes auf 68 Prozent, heißt es der Zeitung zufolge in der Studie, die am Montag offiziell veröffentlicht werden soll.

(ak/afp)

Meinung

Kinder im Dauerstress: Warum die Kindheit mit dem Kita-Besuch aufhört

Ilona Böhnke ist Erzieherin in Dortmund. In ihrer 40-jährigen Laufbahn hat sie eine wichtige Beobachtung gemacht: Kinder verbringen immer mehr Zeit in Kitas, deren Alltag ist durchgetaktet. Dass Spielen nach Stundenplan und das ständige Zusammensein in der Gruppe auch Arbeit für die Kinder bedeutet, wissen viele Erwachsene nicht. Böhnke warnt nun vor möglichen Folgen.

Morgens Mathe, dann Bildungsbereich Natur bis mittags. Nach der Mittagspause Entspannung, vielleicht noch eine Runde Malen oder Singkreis und dann noch Turnen, bis es wieder nach Hause geht.

Was auf den ersten Blick wie der Alltag von mindestens einem Grundschüler wirkt, ist tatsächlich ein ganz normaler Tag für ein Klein- oder Vorschulkind in der Kita. Zeit für freies Spielen? Bleibt da eigentlich gar nicht.

Viele der Probleme, die in deutschen Kitas vorherrschen, sind zwar immer noch nicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel