Leben
Fragen der Liebe

Dating und Liebe: Wie Selbstzweifel die Partnersuche erschweren

Portrait of a young woman with freckles
Unsicherheit und Selbstzweifel können bei der Partnerwahl im Weg stehen.Bild: iStockphoto / Rawpixel
Fragen der Liebe

Warum finden alle tolle Partner – außer mir?

Ob Single auf dem Datingmarkt oder in Beziehung – die Suche nach einem glücklichen Liebesleben kann kompliziert sein und Fragen aufwerfen. Wir beantworten sie mithilfe von Paartherapeut:innen und Psycholog:innen, wie Michael Cöllen.
31.08.2025, 08:5731.08.2025, 08:57
Mehr «Leben»

Viele Singles kennen den berüchtigten Sonntagsblues, der sich zuweilen am Wochenende einstellt, wenn nichts Spannendes anliegt, man sich irgendwie geknickt fühlt. Plötzlich scheint alle Welt überglücklich verpaart zu sein, während bei einem selbst höchstens Sabber-Emojis idiotischer Matches eintrudeln.

Schnell steht da die Frage im Raum: Warum findet eigentlich jede:r eine Person, die passt – nur ich nicht? Wo bleibt mein Liebesglück? Warum treffe ich nur Red Flags, Narzisst:innen und Notgeile?

Wir sprachen mit dem Dipl.-Psychologen Michael Cöllen darüber. Der Paar- und Sexualtherapeut aus Hamburg ist auch Autor von "Lieben und Verzeihen – wie sich Paare wiederfinden".

Hinter dem Neid auf andere Paare steckt ein geringer Selbstwert

Er sagt: "Dass andere vermeintlich viel mehr Glück haben bei ihrer Partnersuche, hängt immer mit der Selbst-Wahrnehmung zusammen." Denn was man bei anderen begehrenswert findet, wie Ehrgeiz, Schönheit, Unbeschwertheit, sei oft genau das, "was ich bei mir selbst abwerte", erklärt der Experte.

"Die Angst (...) im Vergleich mit anderen nicht standhalten zu können, verleitet dazu, sich auf Partner:innen zweiter Wahl einzulassen."

Alle anderen wirken also gerade deshalb beneidenswert attraktiv, glücklich und beeindruckend, weil man sich selbst unattraktiv und erfolglos fühlt. "Das eigene Selbstwertgefühl ist dann von Minderwertigkeitsgefühlen oder Selbstzweifeln bestimmt", ordnet der Psychologe das Phänomen ein.

Das Problem führt aber noch weiter. Denn wenn man sich selbst abwertet und verunsichert, erklärt Cöllen, führt das dazu, dass: "bei der Partnerwahl Scheu, Scham und Ängstlichkeit vorherrschen."

Entsprechend misstrauisch und unsicher verhält man sich beim Dating. Der Kontakt zu wirklich liebenswerten Personen wird gar nicht zugelassen. "Die Angst, mit der eigenen Schönheit und Attraktivität im Vergleich mit anderen nicht standhalten zu können, verleitet dazu, sich auf Partner:innen zweiter Wahl einzulassen", sagt Cöllen:

"Scheinbar attraktivere Frauen und Männer werden dann gar nicht mehr aktiv umworben. Die Unsicherheit, nicht bestehen zu können, führt dazu, dass der 'tolle Typ' oder die 'verführerische Schöne' gar nicht angesprochen wird."

Es gibt diese Menschen also vermutlich durchaus im Umfeld, sie werden aber nicht in Betracht gezogen, weil das Unterbewusstsein davon ausgeht, dass es sowieso nichts bringt. Der Paartherapeut berichtet aus der Praxis: "Das eigene Potenzial an Kreativität, Herzlichkeit und Klugheit kommt gar nicht zur Geltung und wird nicht als Trumpf ausgespielt."

Vermeintlich "zu gute" Partner werden aus Angst zurückgewiesen

Stattdessen hält man sich an Singles, die gar nicht richtig passen, unter den eigenen Ansprüchen liegen, aber zumindest eine sichere Bank zu sein scheinen – nur um im Nachhinein enttäuscht zu werden.

Es fände in solchen Szenarios, "eine Überbewertung anderer statt" und eine "Unterbewertung des eigenen Werts", aber eben "von mir selbst!", sagt der Psychologe deutlich. Dass man nicht mehr wert sei, andere es viel besser hätten, einen nur Versager:innen ansprächen – all das ist demnach ein mit geringem Selbstwert betriebenes Kopfkino, das zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden kann.

Denn das Problem bei dieser Haltung ist oft, dass sie sich auch dann nicht auflöst, wenn sich die Gelegenheit dazu böte, weiß Cöllen: "Selbst wenn so ein 'Prinz' oder so eine 'Prinzessin' mir seine oder ihre Liebe erklären würde, könnte ich das infolge meiner Ängste und Komplexe nicht zulassen."

Und das für dann oft zu einer völlig widersprüchlichen Reaktion, die massiv kontraproduktiv ist:

"Ich kann gar nicht an die Bewunderung meiner Person durch den von mir Bewunderten glauben, und verhalte mich daher spröde oder gar zurückweisend."

Jede:r, der einen netten Flirt schon mal kaltschultrig und augenrollend hat stehen lassen, kennt dieses Gefühl. In dem Moment ist es vielleicht Panik und Unglauben, doch wenn die Reue einsetzt, ist die Gelegenheit verstrichen. Ärgerlich. Deshalb sagt der Experte, es sei für solche Singles auf Partnersuche ungemein wichtig, "zu lernen, an sich selbst zu glauben, statt auf 'Prinzen' zu hoffen."

Das bedeutet im psychologischen Sinn auch "Erwachsenwerden", mahnt er. Die Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen und "die eigene Autorität als Frau beziehungsweise als Mann offen und spürbar zu vertreten." Grenzen ziehen, aber genauso deutlich auch Interesse zeigen.

Es gehe nicht darum, sich perfekt darzustellen, um einen perfekten Partner oder eine perfekte Partnerin zu finden, ganz im Gegenteil. "Der wichtigste Schritt auf diesem Weg ist, sich und besonders auch anderen eigene Fehler und Schwächen einzugestehen", schließt Cöllen das Thema ab. Denn "das macht wirklich stark. Das ist wahre Souveränität." Und von solcher Größe fühlen sich tolle Menschen automatisch angezogen.

Welches Urlaubsland passt zu meinem Charakter?
Die Frage, wer wir wirklich sind, treibt uns zu Liebesaffären und Ayahuasca-Retreats – und manchmal auch in absonderliche Persönlichkeitstests. Wir verstehen das. Hier kommt einer, der sich perfekt in die Ferienzeit einfügt und dir verraten soll, welches Urlaubsland zu dir passt.
Wenn die Sommersehnsucht uns zu fremden Ort verschlägt, ist die Auswahl groß. Lieber ein Strandurlaub mit blauem Meer und Cocktails? Eine abenteuerliche Wandertour durchs Gebirge? Oder ein Städteurlaub mit Straßenfesten und Kultur?
Zur Story