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Fragen der Liebe

Liebe und Beziehung: Wie Paare einen Seitensprung und Untreue überwinden

Interracial couple hugging each other while standing near window. African man embracing his caucasian girlfriend at home.
Neu zu vertrauen ist ein schwieriger Akt, doch mit viel Arbeit kann er gelingen. Bild: iStockphoto / jacoblund
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Zweite Chance nach Untreue: Wie Paare einen Seitensprung überwinden

17.06.2023, 12:55
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Enttäuscht, verletzt, angeekelt, verraten oder manipuliert: Das sind nur einige der Gefühle, die Menschen gegenüber ihren Partner:innen empfinden können, wenn sie oder er untreu war. Für viele ist ein Seitensprung das Ende.

Andere wiederum lieben sich noch, wollen sich nicht aufgeben und suchen den Weg zurück zueinander. Doch das ist oft leichter gedacht als getan, schließlich erschüttert eine Affäre das Vertrauensverhältnis bis ins Mark. Wie findet man heraus aus den Verletzungen und zurück in die Beziehung? Gibt es eine zweite Chance nach Untreue?

"Es ist wirklich harte Arbeit."
Therapeutin Julia Henchen

Wir sprachen darüber mit Julia Henchen. Sie ist Sexualtherapeutin in Baden-Württemberg und Autorin des Buches "Lustfaktor". Im Gespräch mit watson berichtet sie, was sie bei ihrer Arbeit mit zahlreichen Paaren beobachtet.

Julia Henchen Sextherapeutin
Therapeutin und Buchautorin Julia HenchenBild: privat / Kim Hoss

Aufarbeitung ist für beide Seiten anstrengend

"Die gute Nachricht ist: Es gibt auf jeden Fall Wege zurück in die Beziehung", sagt sie direkt zu Beginn. "Ich habe schon viele Paare begleitet, die nach einem Seitensprung wieder zusammenfanden. Aber es ist wirklich harte Arbeit."

"Ich beobachte, dass der Betrogene manchmal in einer Frageschleife feststeckt."

Eine schnelle Lösung gibt es nicht, denn Untreue aufzuarbeiten ist schon deshalb beschwerlich, weil mindestens eine:r der Beteiligten verunsichert ist. Julia Henchen: "Die Vertrauensbasis ist massiv erschüttert und das macht auch die Kommunikation danach sehr kompliziert."

So würden sich die Gespräche oft zu Beginn im Kreis drehen und von dem oder der Fremdgänger:in zahlreiche Details eingefordert werden. Ein typisches Muster, berichtet sie:

"Ich beobachte, dass der Betrogene manchmal in einer Frageschleife feststeckt: 'Warum hast du das getan? Was genau habt ihr gemacht? War es besser als mit mir?' Selbst wenn die Fragen hundertmal beantwortet wurden, werden sie wieder und wieder auf den Tisch geholt."

Das sei zwar "ein spannendes Phänomen aus therapeutischer Sicht", sagt Henchen, helfe dem Paar aber nicht weiter: "Wer derart feststeckt, für den wird es natürlich schwierig, in die Zukunft zu schauen."

Wer die Affäre war, ist oft unwichtiger als das Paar denkt

Noch eine zweite Sache ist ihr in der Arbeit aufgefallen. "Ich mache außerdem die Erfahrung in meiner Praxis, dass die dritte Person, also die Affäre, für die Fremdgeher:innen gar nicht so wichtig ist, wie für denjenigen, der betrogen wurde", erklärt die Sexualpädagogin weiter.

"Manchmal reichen die Defizite, die der Betrügende versucht hat, auszugleichen, bis zurück in die Kindheit."
Therapeutin Julia Henchen

War sie lustiger als ich? Er sportlicher? Brünett? Blond? Ein:e Kolleg:in oder eine Partybekanntschaft? Das Interesse an der dritten Person ist logisch, aber viel unwichtiger als der oder die Gehörnte meint, erklärt Henchen. Sie führt aus:

"Tatsächlich ist die Frage, mit wem es letztlich zum Seitensprung kam, gar nicht so entscheidend. Nicht immer, aber sehr oft geht es bei einem Seitensprung vor allem um die Suche nach sich selbst, der eigenen Identität. Diese Tatsache müssen beide Parteien erst einmal verstehen."

Ist der Fokus endlich wieder zurück auf das Paar und nicht mehr auf die Affäre gerichtet, beginnt erst die richtige Beziehungsarbeit. Die Auflösung zur Frage "Wie kam es dazu?" kann "sehr komplex werden", sagt Henchen, "Manchmal reichen die Defizite, die der Betrügende versucht hat, auszugleichen, bis zurück in die Kindheit."

Die Gründe für Untreue sind vielfältig und müssen individuell betrachtet werden. In den Fällen, die zu ihr in die Praxis kommen, ging es aber meist nicht darum, den oder die Partner:in mit dem Seitensprung böswillig zu verletzen.

"Zu mir kommen die Paare, die zusammenbleiben wollen und die hatten meist nicht die bewusste Absicht, ihren Liebsten wehzutun, haben es aber bereitwillig in Kauf genommen", sagt Julia Henchen. Der offenkundige Wille, an diesem Problem gemeinsam und mit professioneller Hilfe arbeiten zu wollen, ist erst einmal ein gutes Zeichen.

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Eine zweite Chance für die Liebe? Die gibt es durchaus, glaubt die Therapeutin, doch für beide Seiten wird es zwischendrin hart. "Diese Verletzung zu akzeptieren und an einer besseren Lösung für die Zukunft zu arbeiten ist anstrengend", sagt sie, "aber es ist absolut möglich."

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