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Fragen der Liebe

Liebe und Dating: Jahrelang Single trotz Dating-App – ist das normal?

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Wenn erste Dates nie weiterführen, ist das Frust.Bild: pexels / Sadettin Dogan
Fragen der Liebe

Viele Singles daten seit Jahren und bleiben doch allein: warum?

03.03.2024, 08:54
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Manchmal kann Dating richtig erschöpfend sein. Zum Beispiel, wenn nach mehreren Tagen des Schreibens keine Antwort mehr kommt oder nach wochenlangem Techtelmechtel dennoch eine Beziehungsabsage erfolgt.

Warum daten wir über Monate einen Menschen, ohne jemals in den Beziehungszustand überzugehen? Und warum sind selbst Singles, die ganz aktiv auf Partnersuche sind, oft jahrelang allein? Sind wir alle unverbindlicher geworden?

Darüber sprachen wir mit Pia Kabitzsch. Die Psychologin begeistert sich für alle Dating-Themen und spricht darüber auch in ihrem Tinder-Podcast "Besser Daten".

Zuerst einmal entkräftet sie den Vorwurf, den sich so mancher Langzeitsingle sicher schon einmal anhören musste. Nämlich: Man wolle doch in Wirklichkeit gar keine echte Beziehung.

Die Mehrheit der Singles wünscht sich eine feste Bindung

"Ich bin der festen Überzeugung, dass die meisten von uns sich eine feste Bindung wünschen", sagt Pia. "Das ist evolutionär in unserem Gehirn so festgesetzt. Wir haben ein Bindungssystem, wollen mit anderen Menschen in Beziehung treten."

"Ob polygam oder monogam, am Ende haben wir alle den Wunsch nach Liebe."
Psychologin Pia Kabitzsch

Wie genau diese Liebe aussehen soll, das ist dabei zweitrangig. Die Sehnsucht nach Nähe trügen jedoch fast alle Menschen in sich, auch Langzeitsingles. "Ob polygam oder monogam, am Ende haben wir alle den Wunsch nach Liebe", ist sich die Psychologin sicher.

Nur warum geht es heutzutage dann oft so schleppend zwischen Singles voran? Wenn sich viele Menschen eine Partnerschaft wünschen, warum bleibt es dann oft so verflucht lange unverbindlich zwischen den Datenden?

Die Kennenlern-Dauer wird insgesamt länger

Das hat mit mehreren Faktoren zu tun, die aber nicht unbedingt besorgniserregend sind, wie die Dating-Expertin aufdröselt. Zum einen: Ebenjener Zwischenzustand, also das Daten ohne die verbindliche Zusage, sei heute nichts Ungewöhnliches mehr. "Das, was heute als Situationship bezeichnet wird, ist ein ganz normaler Teil des Kennenlernens", sagt Pia und führt aus:

"Man hat vielleicht schon Gefühle füreinander, datet sich schon seit Monaten, aber es gab noch kein Gespräch, kein Label für die Sache. Das ist heute tatsächlich oft mit einem längeren Zeitraum und einer bewussteren Entscheidung verbunden."

Das hat nicht unbedingt mit der Bindungsfähigkeit von Menschen zu tun, sondern sei im Kern normal. Es falle Datenden heute eben "schwerer, sich für jemanden und damit gleichzeitig gegen alle anderen zu entscheiden", sagt die Expertin. Das sei "noch bei den Großeltern" anders gewesen, die hätten den Nachbarsjungen schon mal "geheiratet, nur weil er eben im passenden Alter war."

"Die Messlatte liegt viel höher als das früher der Fall war."
Psychologin Pia Kabitzsch

Diese Zeiten sind vorbei. Schließlich ist "die Auswahl an potenziellen Partnern" durch Datingapps "viel größer", als es früher in Kneipen, Clubs und Sportvereinen war – den Orten, an denen man sich noch vor wenigen Jahrzehnten kennenlernte.

Die Ansprüche an das Date sind gestiegen

Zudem fühlen sich viele Singles heute nicht mehr so unter Druck gesetzt und gehetzt, eine Verbindung eingehen zu müssen, die vielleicht nur suboptimal zu ihnen passt. Auch das sei eine Entwicklung der Moderne, erklärt Psychologin Pia Kabitzsch dazu: "Besonders Frauen sind nicht mehr abhängig davon, eine Ehe einzugehen. Man braucht heute keine Beziehung mehr, um zu überleben." Dadurch würden viele die "Partnerwahl sehr viel bewusster und aufgrund von romantischeren Faktoren" auswählen.

Es zählt also nicht mehr nur, dass Alter, Wohnort, Beruf und vielleicht noch die politische Haltung passt. Das perfekte Date soll auf allen Ebenen klicken, der berühmte "Vibe" soll stimmen. Sonst wird weitergeguckt.

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"Die Messlatte liegt viel höher als das früher der Fall war", bestätigt Pia und erklärt, was das bedeutet:

"Der Partner soll einen nicht bei der Selbstverwirklichung einschränken, die eigenen Grenzen akzeptieren und so weiter. Das ist eine tolle Entwicklung, aber es führt eben zu längeren Kennenlernprozessen und langen Singlezeiten."

Kurzum: Es ist nicht ungewöhnlich und noch kein Grund zu verzweifeln, wenn die Suche nach einer Partnerschaft länger dauert, als es die Eltern sich vorstellen können.

Die Auswahl an Partner:innen, an Beziehungsmodellen und Lebenskonzepten ist eben größer und größer geworden – und damit dauert auch der Entscheidungsprozess länger. Man könnte auch sagen: Der moderne Single ist gar nicht unbedingt unverbindlich. Er ist nur sehr wohlüberlegt.

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