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Fragen der Liebe

Dating und Sex: Was tun, wenn der Partner kein Kondom benutzen will?

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Die Pause vor dem Sex, die wohl jede:r kennt: "Hast du ein Kondom dabei?"Bild: pexels / cottonbro
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Kondom oder Lecktuch: Wie spreche ich Verhütungsmittel an?

09.06.2024, 11:34
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Kaum etwas kühlt die heiße Stimmung im Bett so schnell ab, wie eine Debatte um die Notwendigkeit von Verhütungsmittel. Als wäre es nicht blöd genug, das Thema überhaupt ansprechen zu müssen (sollte es nicht selbstverständlich sein?!), gibt es nämlich immer noch Menschen da draußen, die dann ins Debattieren kommen.

"Muss das sein? Ich bin nicht krank." "Nimmst du nicht die Pille?" "Ich habe eine Latexallergie." "Ich hab mich letzte Woche erst gegen alles durchchecken lassen." Die Liste der Einwände gegen ein Kondom ist zuweilen länger als der Geduldsfaden eines One-Night-Stands.

Was tun, wenn das Gegenüber zwar wahnsinnig sexy, aber völlig uneinsichtig ist? Kann man da drüber hinwegsehen oder ist das nicht nur eine Red Flag, sondern ein ganzes Rotes Meer an Warnhinweisen?

Psychologin Mignon Kowollik , Portal Ashley Madison
Sexualcoach Mignon KowollikBild: PR / Anri Coza

Wir sprachen darüber mit Mignon Kowollik. Sie arbeitet als Sexual-Coach für Paare und Singles in Hamburg und sagt deutlich: "Die Gesundheit sollte an erster Stelle stehen".

Gespräche über Verhütung sind unangenehm, aber unerlässlich

"Wenn der Partner sich gegen die Verwendung von Kondomen ausspricht, ist es wichtig, einfühlsam und offen über die Gründe zu kommunizieren", sagt sie.

Das heißt: Was steckt hinter der Verweigerung? Sind die gekauften Kondome zu klein oder groß? Besteht eine echte Latex-Unverträglichkeit? Steckt in Wirklichkeit ein Kinderwunsch dahinter? Oder ist das Gegenüber beleidigt, dass eine Krankheit "unterstellt" würde?

Ein aufklärendes Gespräch oder ein gemeinsamer Kondom-Kauf kann unter Umständen helfen, das dahinterliegende Problem aus der Welt zu schaffen. Doch Mignon Kowollik bleibt dabei:

"Gleichzeitig ist es wichtig, deine eigenen Bedenken und die Notwendigkeit von Safer Sex zu betonen und darauf zu bestehen."

Sollte es gar keinen Kompromiss geben, müsse eben verzichtet werden. Zahlreiche Sexualpraktiken fallen dann weg. Vielleicht ist aber Oralverkehr mit einem Lecktuch wenigstens möglich. "Gemeinsam nach alternativen Methoden des Schutzes und der Verhütung zu suchen, könnte eine Lösung sein", sagt Kowollik.

Ganz darauf zu verzichten, nur um die Stimmung nicht zu schmälern, ist keine Option. Besonders, wenn mehrere Sexualpartner:innen involviert sind.

Schutz vor STI's: Besonders wichtig bei wechselnden Sexualkontakten

Selbst Seitensprung-Befürworter:innen wüssten das, wie die Sexualberaterin ausführt: "Für 85 Prozent der Ashley-Madison-Mitglieder ist Safer Sex laut einer Umfrage eine Priorität." Sie erklärt:

"Diese Art der Verhütung sollte für alle Beteiligten wichtig sein, gerade wenn man auch nicht-monogame Beziehungen führt und wechselnde Geschlechtspartner hat."

Sowohl natürlich für die beiden Sexualpartner:innen, "als auch für den nicht eingebundenen Primärpartner", sei Verhütung nicht nur eine Sache des guten Tons, sondern absolut entscheidend. Die Verantwortung dafür zu übernehmen, obliegt jedem und jeder einzelnen.

Dabei gehe es nicht nur um den "Schutz vor einer Schwangerschaft", sondern auch darum, den "Schutz vor übertragbaren Krankheiten" (STI) zu erhöhen, wie:

  • Chlamydia trachomatis
  • Gonorrhoe (Tripper)
  • Hepatitis B
  • Hepatitis C
  • Herpes
  • HIV/AIDS
  • Humane Papillomaviren (HPV)
  • Mpox
  • Syphilis (Lues)

Viele dieser sexuell übertragbaren Krankheiten haben in den vergangenen zwanzig Jahren wieder Zulauf bekommen, weil Menschen in Deutschland zunehmend auf Schutz verzichten. Eine rückläufige Entwicklung, die von zahlreichen Mediziner:innen kritisch gesehen wird.

Auch die Deutsche STI-Gesellschaft warnt: "Sexuell übertragbare Infektionen und Geschlechtskrankheiten sind seit Jahren wieder auf dem Vormarsch."

Allein die Anzahl an Syphilis-Erkrankungen habe sich seit dem Millenium "verzehnfacht", aber auch die Fallzahlen für HIV verdoppelten sich, zum Beispiel in Bayern zwischen 2001 und 2021. Tripper-Erkrankungen (Gonorrhoe) sind zwischen 2001 bis 2019 um das Vierfache gestiegen.

Kondome und Co. sind nicht verhandelbar

Daher: über das "welche" und "wer" kann in Sachen Kondom verhandelt werden, über das "ob" aber nicht. Dieses Thema ist zu wichtig, als dass es sich mit einem Schulterzucken abtun ließe – auch auf die Gefahr hinaus, dass man den oder die Andere:n damit nervt.

"Wichtig ist, dass ich mich nicht zu etwas überreden lasse, was ich nicht möchte, nur um meinem Gegenüber zu gefallen", sagt Kowollik deutlich. Wer das nicht akzeptieren oder verstehen kann, scheint als vetrauensvolle:r Sexualpartner:in eh keine gute Wahl.

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