Women demonstrate during the women's match on International women's day in Cologne, Germany, on March 8, 2020. More than 600 people takes part in women day march. (Photo by Ying Tang/NurPhoto via Getty Images)

Beim Frauenmarsch protestierten im vergangenen Jahr unter anderem im Köln Frauen für mehr Rechte. Bild: NurPhoto / NurPhoto

21 Zahlen dazu, wie es um die Gleichstellung im Jahr 2021 steht

Frauen dürfen seit 1918 in Deutschland wählen. 1949 wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz verankert. 1961 gab es mit Elisabeth Schwarzhaupt die erste Bundesministerin. 1977 wurde die gesetzliche Verpflichtung der Frau zur Haushaltsführung abgeschafft. Und 2005 wurde Angela Merkel als erste Frau Bundeskanzlerin.

Doch auch im Jahr 2021 ist Gleichstellung in Deutschland noch work in progress. Das attestierte das Weltwirtschaftsforum (WEF) der Bundesrepublik im "Global Gender Gap Report 2020". Deutschland landete auf Platz 10, das WEF sah insbesondere im Bereich Wirtschaft Nachbesserungsbedarf.

Zeit also, sich nochmal die Zahlen anzuschauen und der Frage nachzugehen: Wie steht es eigentlich beim Thema Gleichstellung?

31 Prozent im Bundestag

31 Prozent, das ist der Anteil der Frauen im Bundestag. Nach der Bundestagswahl 2017 ist der Anteil von zuvor 36,3 Prozent noch einmal gesunken. Ein Spiegel der Gesellschaft ist der Bundestag damit überhaupt nicht, der Frauenanteil an der Gesamtbevölkerung beträgt nämlich 51 Prozent.

Die Fraktion mit dem niedrigsten Frauenanteil ist die AfD: Lediglich 10,2 Prozent der Abgeordneten sind weiblich. Am stärksten vertreten sind Frauen dagegen in der Grünen-Fraktion. Dort liegt der Frauenanteil bei 56,7 Prozent und damit über dem Anteil von Frauen in der Gesellschaft.

Gründe für den niedrigen Frauenanteil gibt es verschiedene. Parteien wie die CDU, AfD und FDP lehnen eine paritätische Besetzung ihrer Wahllisten ab. Das heißt, auf ihren Listen werden nicht abwechselnd männliche und weibliche Kandidaten aufgestellt, was häufig zu einem Männer-Überschuss führt. Zudem treten Männer häufiger als Direktkandidaten auf.

Fünf Ministerien

An der Spitze der deutschen Regierung stand in den vergangenen 16 Jahren eine Frau. Und auch viele Ministerien werden inzwischen selbstverständlich von Frauen geleitet. In fünf Fällen gilt das aber nicht: Es gab noch nie eine weibliche Außen- oder Innenministerin, noch nie eine Verkehrsministerin, eine Finanzministerin. Auch das Kanzleramt wurde noch nie von einer Frau geführt.

Dieses Problem setzt sich innerhalb der Ministerien und untergeordneten Behörden fort. Unter 697 Staatssekretären – das sind die obersten Beamten innerhalb der Ministerien – waren in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik bisher nur 26 Frauen. Laut Recherchen der "Zeit" gab es damit mehr Staatssekretäre, die Hans hießen, als Frauen in dieser Position.

Bei sonstigen Behörden sieht es nicht besser aus: Ungefähr zwei Drittel der Bundesbehörden wurden nie von Frauen geführt. Darunter fallen das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundeskartellamt und die Bundeszentrale für politische Bildung.

Weltfrauentag bei watson
Am 8. März ist der Internationale Weltfrauentag – und das wollen wir von watson feiern! Deswegen präsentieren wir euch zu diesem Anlass Beiträge rund um das Thema Frauen, Gleichstellung und Gerechtigkeit.

Hier findet ihr andere Beiträge zum Weltfrauentag:

Frauen, die ihr kennen solltet:

- "Du kannst das überhaupt nicht": Fußball-Kommentatorin Stephanie Baczyk spricht über ihre Arbeit
- Gründerinnen über weibliche Führungskräfte und Nachhaltigkeit: "Ich als Chefin werde nach dem Geschäftsführer gefragt"
- "Mit Arschlöchern wie Bausa oder GZUZ im selben Backstage zu stehen, kann ich einfach kaum ertragen": Sookee verrät, warum sie der Rap-Szene den Rücken kehrte

watson hat gefragt: Wer ist Ihr weibliches Vorbild?

- Spitzen-Politikerinnen, Sportlerinnen, Moderatorinnen und Rapperinnen erklären zum Weltfrauentag, welche Frauen sie bewundern
- Spitzen-Politiker, Sportler, Moderatoren und Gründer zum Weltfrauentag: Diese Frauen sind für uns echte Vorbilder

Wie steht es eigentlich um die Gleichberechtigung? Expertinnen ziehen Bilanz:

- "Es gibt einen weiblichen Führungsstil": Wie der aussieht, erklärt eine Chefin und Mutter
- "Intelligenz wird häufig mit dem männlichen Geschlecht verknüpft": Psychologin erklärt, wie wir mehr Gleichberechtigung in der Bildung erreichen
- "Sechs von zehn Millennial-Frauen überlassen die Finanzplanung ihrem Mann": Finanzexpertin über die Altersvorsorge von Frauen


Außerdem:

- "Wir zeigen, wie entschlossen Frauen sind, für ihre Rechte zu kämpfen": Wofür Frauen sich weltweit gerade einsetzen
- 21 Zahlen dazu, wie es um die Gleichstellung im Jahr 2021 steht

- "Ich hatte noch nie so viele Paaranfragen wie im letzten Jahr": Paartherapeutin zur Corona-Krise
- "Müssen uns mehr trauen, biologische Unterschiede zu benennen": Wie Männer und Frauen von geschlechtersensibler Medizin profitieren

19 Prozent weniger Gehalt

Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen im Jahr 2019 rund 19 Prozent weniger als Männer. Dazu muss man wissen: Es handelt sich um den sogenannten unbereinigten Gender Pay Gap. Diese Zahl zeigt also an, wie sich die Gehälter insgesamt unterscheiden und ist zum Beispiel auch davon beeinflusst, dass Frauen häufiger in Teilzeit oder auch in sozialen Berufen arbeiten – die meist allgemein schlechter bezahlt sind.

Will man dagegen wissen, ob Frauen auch für denselben Job schlechter bezahlt werden, muss man sich den bereinigten Gender Pay Gap anschauen. Das statistische Bundesamt berechnet diesen alle vier Jahre, zuletzt 2018. Der bereinigte Unterschied liegt bei sechs Prozent. Frauen verdienen in denselben Positionen demnach durchschnittlich sechs Prozent weniger als ihre männliche Kollegen. Dieser Unterschied zeigt sich seit 2014 unverändert.

792 Euro Rente

Wer weniger verdient, kriegt am Ende seines Arbeitslebens natürlich auch weniger Rente. 792 Euro Rente bekamen Frauen im Jahr 2019 durchschnittlich – kaum genug zum Überleben.

Hier zeigt sich auch der Unterschied zu Männern noch einmal deutlich: Die bekamen 1266 Euro Rente und hatten damit durchschnittlich rund 470 Euro mehr im Monat zur Verfügung.

30 Prozent höheres Risiko bei Autounfällen

30 Prozent höher ist das Risiko für Frauen laut ADAC, bei einem Verkehrsunfall eine schwere oder lebensbedrohliche Brustverletzung zu erleiden, wie die "Zeit" berichtet. Ein Grund dafür: Der Dummy bei Crashtests repräsentiert mit 1,75 Meter Körperlänge und rund 78 Kilogramm Gewicht den Durchschnittsmann in Mitteleuropa. Aber nicht die Durchschnittsfrau.

Aber: Insgesamt sind Frauen statistisch gesehen seltener in Verkehrsunfälle verwickelt als Männer. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes verunglückten 2017 419 Frauen, aber 536 Männer je 100.000 Einwohner.

Eine einzige beste Regisseurin

Die Oscars sind der bekannteste Filmpreis der Welt. In manchen Kategorien werden die Preise geschlechtsspezifisch vergeben, zum Beispiel wenn es um die Ehrung des besten Hauptdarstellers und der besten Hauptdarstellerin geht.

In den Kategorien, in denen der Preis nicht geschlechtsspezifisch vergeben wird, haben jedoch Frauen das Nachsehen. Besonders frappierend ist der Unterschied beim Oscar für die "Beste Regie". 92 mal wurde der Preis in dieser Kategorie vergeben – aber nur ein Mal an eine Frau.

Kathryn Bigelow gewann den Preis 2010 für das Kriegsdrama "The Hurt Locker" und ist damit bis dato die einzige Frau, die sich einen Oscar mit der Aufschrift "Best Director" auf den Kaminsims stellen kann.

Beim deutschen Filmpreis sieht es ein bisschen besser aus. Auch hierzulande wurden bisher deutlich weniger Regisseurinnen mit einer "Lola" ausgezeichnet. Aber von den 26 Preisen, die in der Kategorie "Regie" seit den 1990er-Jahren vergeben wurden, gingen immerhin fünf an Frauen.

Vier Stunden Kümmern pro Tag

Über vier Stunden unbezahlte Care-Arbeit leisten Frauen am Tag. In dieser Zeit kümmern sie sich zum Beispiel um den Haushalt, betreuen Kinder oder pflegen Angehörige, ohne dafür finanziell entlohnt zu werden. Das errechnete das Familienministerium im Jahr 2019.

Auch Männer leisten solche unbezahlten Care-Arbeiten, ihr täglicher Durchschnitt liegt allerdings bei zwei Stunden und 46 Minuten. 87 Minuten weniger als bei den Frauen also.

Zwölf Monate Elternzeit für die Frau, zwei für den Mann

37 Prozent der Väter gehen in Elternzeit. Zum Vergleich: Bei den Müttern sind es laut dem Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW Berlin) mehr als 90 Prozent.

Hinzu kommt, dass Männer deutlich weniger lange zu Hause bleiben: Knapp 72 Prozent der Väter, die im Jahr 2018 Elterngeld bezogen, nahmen nur zwei Monate Elternzeit. Elterngeld wird grundsätzlich zwölf Monate lang gezahlt, wenn ein Elternteil sich nach der Geburt eine Auszeit nimmt. Zusätzlich gibt es zwei Monate, wenn auch der Partner in Elternzeit geht. Den Zahlen des DIW zufolge nehmen Männer also häufig das Mindestmaß an Elternzeit, für das es länger Elterngeld gibt. Frauen bleiben dann dafür die restlichen zwölf Monate zu Hause.

66,2 Prozent der Mütter arbeiten in Teilzeit

Natürlich ist das Thema Kinderbetreuung nicht nach den ersten 14 Monaten beendet. Auch danach treten viele Eltern beruflich kürzer, um sich um die Kinder kümmern zu können. Und auch das machen vor allem Mütter: Im Jahr 2019 arbeiteten 66,2 Prozent der berufstätigen Frauen, die mindestens ein minderjähriges Kind hatten, in Teilzeit. 33,8 Prozent der Mütter arbeiteten hingegen in Vollzeit.

Der Unterschied zu berufstätigen Vätern zeigt sich deutlich: Von denen arbeiteten nämlich nur 6,4 Prozent in Teilzeit, während 93,6 Prozent vollzeitbeschäftigt waren.

Hier schließt sich zumindest teilweise auch der Kreis zum geringeren Verdienst von Frauen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass Frauen mit Kindern bis zu 70 Prozent weniger in ihrem Leben verdienen als ihre kinderlosen Geschlechtsgenossinnen – gerade, weil sie nach der Geburt ihrer Kinder oft nicht mehr in Vollzeit arbeiten.

Auf eine Corona-Expertin kommen vier Experten

Die Corona-Krise wurde immer wieder als eine Krise der Männer bezeichnet. Denn: In der Berichterstattung über das Thema kamen überwiegend Männer vor.

Die Malisa-Stiftung hat in einer Studie untersucht, wie viele der zum Coronavirus befragten Experten männlich und wie viele weiblich waren. Das Ergebnis: Am seltensten tauchten Frauen in Nachrichtensendungen auf. Dort kamen auf eine Expertin vier männliche Experten. Auch zu den Bereichen Medizin und Pflege, in denen viele Frauen arbeiten, wurden sie dennoch deutlich weniger befragt: Nur 17 Prozent weibliche Gesprächspartner konnten sich in Fernsehsendungen zu diesen Themen äußern, der Rest waren Männer.

Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich für die Online-Berichterstattung: Insgesamt kamen in den untersuchten Online-Medien rund 30 Prozent Frauen und 70 Prozent Männer in der Corona-Berichterstattung vor. Als Expertin wurden Frauen zu rund 7 Prozent in den Online-Berichten erwähnt. Als Forscherin kamen sie sogar nur zu rund 5 Prozent vor, als Virologin zu 4 Prozent.

Ein Fünftel Musikerinnen

Von Madonna über Beyoncé bis Billie Eilish. Erfolgreiche Frauen gibt es im Musik-Business viele. Und trotzdem: Auch dort sind Künstlerinnen immer noch unterrepräsentiert.

Das Journalismus-Department der University of Southern California hat die US-Charts unter die Lupe genommen und untersucht, wie oft zwischen 2012 und 2019 in den Billboard Hot 100 Künstlerinnen vertreten waren. Das Ergebnis: Rund ein Fünftel, nämlich 21,7 Prozent der Songs, stammte von Künstlerinnen.

Noch weniger Lieder wurden von Frauen geschrieben, nur 87 der rund 700 untersuchten Songs. Am schlechtesten sieht es auf Ebene der Produzentinnen aus: Nur rund zwei Prozent waren weiblich. Damit kommen auf eine Produzentin 47 männliche Kollegen.

78 Chefinnen in DAX-Unternehmen

Diese Erkenntnis dürfte den meisten nicht neu sein: Auch in den oberen Etagen großer Unternehmen ist es um den Frauenanteil eher mittelmäßig bestellt. Dieser nimmt zwar zu, allerdings bisher sehr langsam.

Von 681 Vorstandsmitgliedern in den größten DAX-Unternehmen sind 78 Frauen. Nur 11,5 Prozent der Vorstände sind also weiblich. Und: Wenn es im selben Schneckentempo weiter gehen sollte, würde es noch 30 Jahre dauern, bis die Vorstände der größten deutschen Unternehmen mit gleich vielen Männern und Frauen besetzt sind.

Eine Trainerin in der Frauen-Bundesliga

Dass Frauen im Männerfußball eine untergeordnete Rolle spielen, dürfte nicht überraschen. In Deutschland wird in der ersten, zweiten und dritten Liga momentan kein einziges Team von einer Frau trainiert.

Aber auch im Frauen-Fußball sieht es da nicht viel besser aus. Von den zwölf Teams der Frauen-Bundesliga wird genau eines von einer Frau trainiert: Nora Häuptle ist Trainerin beim Frauenteam des bayerischen FC Sand – und damit die einzige Frau in dieser Position.

Keine Universität mit Namensgeberin

In Deutschland gibt es 121 Universitäten: Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz gehört dazu, die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Was allen gemeinsam ist: Keine von ihnen ist nach einer Frau benannt. Auch bei den Fachhochschulen sieht es nicht viel besser aus. Von 216 deutschen Hochschulen trägt genau eine den Namen einer Frau: Die Alice Salomon Hochschule in Berlin.

Vielleicht könnte sich das aber bald ändern. An der Universität Passau wurde eine Namensänderung im vergangenen Jahr zumindest diskutiert – und schon nach einer geeigneten Namenspatronin gesucht.

Ein Viertel Professorinnen

Wenn wir schon bei den Unis sind: 2019 waren laut Statistischem Bundesamt 51,8 der Studienanfänger und 51,7 Prozent der Absolventen Frauen. Im Studium gibt es also einen leichten Frauenüberschuss.

Je höher es danach aber in der akademischen Laufbahn geht, desto mehr verkehrt sich das Bild ins Gegenteil: 45,4 Prozent der Dissertationen werden von Frauen geschrieben. Von den über 40.000 hauptberuflichen Professuren in Deutschland wird nur rund ein Viertel von Frauen besetzt, nämlich 25,6 Prozent.

Viereinhalb Stunden bis ins Krankenhaus

Rund 220.000 Frauen werden jedes Jahr mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht – und rund doppelt so viele Männer. Ab 60 Jahren ist der Anteil von Frauen, die an den Folgen eines Infarkts sterben, allerdings höher: 43 Prozent der Patientinnen überleben nicht – im Vergleich zu 37 Prozent der Patienten.

Die "MEDEA-Studie" des Deutschen Zentrums Herz-Kreislauf-Forschung zeigt mögliche Gründe für diesen Unterschied auf: Demnach vergehen bei über 65-jährigen Frauen nach einem Herzinfarkt bis zu viereinhalb Stunden, bis sie in der Notaufnahme sind. Bei Männern im selben Alter ist es eine Stunde weniger. Ein Grund ist, dass ältere Frauen oft alleine leben und im Notfall niemanden haben, der ihnen Hilfe holt.

Ein anderer Grund aber ist auch, dass Frauen den Herzinfarkt oftmals nicht als solchen erkennen. Denn die Symptome, die bei einem Herzinfarkt häufig beschrieben werden, treten vor allem bei Männern auf. Frauen hingegen fühlen deutlich seltener einen starken Schmerz im Brustkorb und spüren stattdessen häufiger ein Druckgefühl in der Brust – weshalb sie nicht an einen Infarkt denken.

Ein Drittel erlebt Gewalt

Laut dem Bundesfamilienministerium erlebt jede dritte Frau einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt. Etwa jede vierte Frau erlebt Gewalt durch ihren früheren oder aktuellen Partner.

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 141.792 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Knapp 115.000 Opfer waren weiblich und circa 25.000 männlich. Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind die Opfer zu 98,1 Prozent weiblich, bei Stalking, Bedrohung und Nötigung sind es 89 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung waren 79,5 Prozent der Opfer Frauen und bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen waren es 76,4 Prozent.

Die Gewaltschutzambulanz der Berliner Charité berichtet zudem, dass ein Anstieg von häuslicher Gewalt während der Corona-Lockdowns zu beobachten ist. Demnach haben sich 1.661 Gewaltopfer im Jahr 2020 in der Ambulanz gemeldet. Davon waren 900 Frauen und 352 Männer, das ist ein Anstieg von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bei all diesen Zahlen ist zu beachten: Es handelt sich um das sogenannte Hellfeld. Die Dunkelziffer, also die Anzahl der Vorfälle, die keiner Behörde gemeldet und nicht angezeigt werden, liegt vermutlich noch deutlich höher.

75 Prozent Frauenanteil in systemrelevanten Berufen

Die Corona-Krise hat gezeigt: Ohne Frauen würde hierzulande ziemlich wenig laufen. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung liegt der Frauenanteil in systemrelevanten Berufen bei 75 Prozent. Im Lebensmittelhandel ist 73 Prozent des Personals weiblich, im Gesundheitswesen 76 Prozent und in der Kinderbetreuung sogar 92 Prozent.

Was Pflegerinnen, Erzieherinnen und Kassiererinnen gemeinsam haben: Obwohl die Corona-Krise gezeigt hat, wie dringend sie gebraucht werden, um die Gesellschaft am Laufen zu halten, verdienen sie vergleichsweise wenig. Der Mindestlohn für eine gelernte Pflegekraft liegt laut Verdi beispielsweise bei 13,20 Euro die Stunde.

Ein Viertel Heldinnen im Kinderfernsehen

Frauen sind unserer Gesellschaft immer noch oft weniger sichtbar. Sie sind unterrepräsentiert in Führungsebenen, über sie wird weniger in Medien berichtet, sie sind weniger präsent in der Film- und Musikindustrie und im Wissenschaftsbetrieb. Und diese fehlende Repräsentation beginnt schon ziemlich früh: nämlich beim Kinderfernsehen.

Die Universität Rostock hat sich im Jahr 2016 mit der Frage beschäftigt, wie Frauen eigentlich in Film und Fernsehen repräsentiert werden. Dafür schauten sich die Forscher und Forscherinnen unter anderem 2694 Kindersendungen an.

Das Ergebnis: Nur eine von vier Figuren im Kinderfernsehen ist weiblich. Und wenn eine weibliche Figur vorkommt, ist sie fast immer unter 30 Jahre alt, während bei männlichen Figuren eine größere Altersspanne dargestellt wird. Die Studie deckt zudem auf, dass Kindern vor allem von Männern die Welt erklärt wird: Sie treten deutlich öfter als Gameshow-Hosts, Moderatoren oder Experten auf.

68 Prozent Gleichstellung auf globaler Ebene

In Sachen Gleichstellung gibt es also noch ein paar Schrauben, an denen gedreht werden muss. Deswegen ist folgende Zahl vielleicht auch nicht allzu verwunderlich: Laut dem Weltwirtschaftsforum hat die Frau global bisher 68,6 Prozent der Stellung des Mannes erreicht. Das ist das Ergebnis des WEF-Berichts zum Stand der Gleichberechtigung, der schon eingangs zitiert wurde.

Der Report untersucht dabei die vier Bereiche Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Politik. Zur Berechnung der Lücke greift der Report auf Indikatoren wie Einkommensunterschiede bei gleicher Tätigkeit oder Anzahl der Ministerinnen in einem Kabinett zurück.

99,5 Jahre noch bis zur globalen Gleichberechtigung

So lange dauert es laut dem WEF-Report noch, bis Frauen die Lücke von 31,4 Prozent aufgeholt haben – wenn die Geschwindigkeit der Fortschritte beim Thema Gleichstellung so bleibt wie bisher. Eine Welt, in der Männer und Frauen völlig gleichgestellt sind, würde unsere Generation demnach gar nicht mehr erleben.

Weltfrauentag bei watson
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Frauen, die ihr kennen solltet:

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