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Gen Z: Experten warnen vor perfidem Trend am Arbeitsplatz

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Andere auszulachen ist ganz schön uncool.Bild: imago images / xefurorstudiox
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Trend in der Gen Z: Schadenfreude am Arbeitsplatz offenbart Selbstzweifel

Wenn Schadenfreude jemals out war, erlebt sie gerade ein Comeback. Und das in Form eines Trends der Gen Z am Arbeitsplatz. Doch dahinter steckt mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.
30.11.2025, 10:1530.11.2025, 10:15

Die Gen Z hat es aktuell besonders schwer, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Nicht aus mangelndem Willen, sondern weil die Bedingungen härter sind als je zuvor.

Dabei neigen die jungen Menschen oft zum "Fail Watching". Gemeint ist damit, dass Gen-Z-Mitarbeiter:innen Genugtuung empfinden, wenn Kolleg:innen Fehler machen. Eine Form der Schadenfreude also.

Eine Studie von EduBirdie zeigt, dass mehr als ein Drittel der Generation dieses Verhalten kennt. Auch wenn das Thema in den Augen von Gen-Z-Kritiker:innen als Bestätigung ihrer Vorurteile dienen mag, betonen Fachleute, dass hinter dem Phänomen eine tiefergehende, psychologische Erklärung steckt.

Gen Z leidet laut Expertin unter Leistungsdruck

So erklärt die Produktivitätsexpertin Avery Morgan, die auch Chief Human Resources Officer bei EduBirdie ist, dass die Gen Z zu 74 Prozent ein moderates bis hohes Stresslevel angibt. Für sie ein klarer Hinweis auf Burn-out: "Die Gen Z steckt in einer 24/7-Leistungsschleife: Noten, Karriere, sogar Hobbys sind öffentlich."

In diesem System neigt die Gen Z also dazu, sich zu vergleichen. "Wenn man an sich selbst unmögliche Maßstäbe anlegt, wird das Beobachten, wie andere ins Stolpern geraten, unbewusst zu einem Selbstschutzmechanismus", erklärt Morgan laut "Forbes".

"Das ist keine Grausamkeit, das ist Selbstverteidigung."
Avery Morgan laut "Forbes".

Schadenfreude muss keine böse Absicht haben

Der Psychologe Dr. George Sik erklärt, dass generelle Schadenfreude in der Regel mehr als Böswilligkeit ist. Gegenüber der britischen "Metro" nennt er das psychologische Prinzip des "sozialen Abwärtsvergleichs".

Demnach könne es kurzfristig dem eigenen Selbstwertgefühl helfen, zu sehen, dass es anderen Personen schlechter geht. Das sei besonders der Fall, wenn man sich in Bezug auf Leistung oder Status unsicher fühle und eine schwierige Phase durchmache.

"Diese Denkweise ist charakterlich besonders häufig bei Menschen mit hoher Angstbelastung", führt Dr. Sik aus. "Oder bei Personen, die Arbeit als Nullsummenspiel begreifen."

"Fail Watching"-Trend kann süchtig machen

Doch der kurze Boost des eigenen Selbstbewusstseins kann in einen "süchtig-machenden" Kreislauf ausarten, warnt Dr. Sik. Denn das Gehirn schüttet einen "schnellen Dopamin-Kick der Überlegenheit" aus, welcher das Imposter-Syndrom oder auch andere Gefühle des Nicht-genug-Seins unterdrückt. Er führt aus:

"Im Kern ist es ein Mechanismus, um sich in einem wettbewerbsorientierten Umfeld innerhalb der Gruppe sicher zu fühlen, indem man bestätigt, dass jemand anderes das 'schwächste Glied' ist – und nicht man selbst."

Der Haken: Der eigene Selbstwert und die eigene Arbeitsqualität verbessern sich dadurch nicht.

Zusätzlich ist die Wirkung langfristig sogar "selbstzerstörerisch". Denn: "Man fixiert sich immer stärker auf äußere Bestätigung und darauf, wie andere abschneiden, anstatt auf die eigene innere Entwicklung."

Gen Z: Auch Unternehmen tragen Verantwortung für Schadenfreude

Doch nicht nur die eigene Unsicherheit muss die Ursache für das "Fail Watching" sein. Auch eine toxische Unternehmenskultur kann die Schadenfreude auslösen, erklärt der Leadership-Berater Drew Povey gegenüber "Metro". Besonders gestärkt wird es in misstrauischen Arbeitsumfeldern, "wo Fehler bestraft werden, Transparenz unerwünscht ist und Konkurrenz wichtiger ist als Zusammenarbeit".

Das hat laut Povey auch langfristige Folgen: "Mitarbeitende verstecken Probleme, statt sie zu lösen, die Zusammenarbeit leidet und Verbitterung wächst". So verschiebt sich der Blickwechsel weg von der eigenen Arbeitsmoral und hin zur Schuldzuweisung. "Auf Dauer entsteht das Risiko eines toxischen Kreislaufs, in dem Menschen eher Misserfolge erwarten, als gemeinsam Erfolge zu erzielen", warnt er.

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