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Reality-Show-Star Matthias Fella, wie Mangiapane bürgerlich heißt, ist Teilnehmer der RTL-2-Sendung "Promis auf Hartz IV". Bild: RTL 2

Promi erfährt, wie viel Hartz-IV-Empfänger bekommen: "Aggression ist hochgekommen"

Tomatensuppe mit Mozzarella, Lasagne und Wein: Heute gönnen sich Hubert und Matthias Fella mal etwas. Die beiden Promis nehmen teil an der RTL2-Show "Promis auf Hartz IV" und haben die vergangenen drei Wochen ordentlich gespart, um das Sozialexperiment mit einem kleinen Festessen für die Nachbarn abzuschließen.

Getrübt wird die Feier allerdings mal wieder vom leidigen Thema Geld. Diesmal ist allerdings nicht das dürftige Hartz-IV-Budget, das den Fellas während des Experiments zur Verfügung steht, Grund für schlechte Stimmung. Sondern die Finanzen der geladenen Gäste, Rentnerin Frau Engelskirchen und Ehepaar Kathrin und André, die ebenfalls von Hartz IV leben.

"Promis auf Hartz IV"

Bei dem Sozialexperiment von RTL2 probieren Adlige wie Heinz von Seyn-Wittgenstein, Prinz Mario zu Schaumburg-Lippe oder C-Promis wie Hubert Fella die Existenz in Armut aus: Drei Wochen lang leben sie wie Hartz-IV-Empfänger. Sie leben in Sozialwohnungen oder Wohnmobilen und mit wenigen hundert Euro zum Leben – entsprechend dem Hartz-IV-Satz.

Das Leben auf Hartz IV führte bei Hubert und Matthias immer wieder zu Streit

Normalerweise pflegen Hubert und Matthias einen recht üppigen Lebensstil. Für "Promis auf Hartz IV" haben die beiden Reality-TV-Stars Champagner aus goldenen Gläsern und die Villa mit traumhaftem Ausblick gegen Toastbrot mit Ketchup und den Plattenbau in Berlin-Marzahn getauscht. Für das dreiwöchige Experiment hatte das Paar, entsprechend dem Hartz-IV-Satz, 450 Euro zur Verfügung.

Obwohl das knappe Budget immer wieder zu Streit zwischen den beiden geführt hat – Hubert wollte zum Beispiel unbedingt einen Fernseher kaufen, während Matthias lieber gespart hat –, haben die Fellas gut gewirtschaftet.

"Wir haben uns aber auch wirklich ganz extrem zusammengerissen."

Matthias über seine Zeit im Hartz-IV-Experiment

Für die Unterstützung ihrer Nachbarn wollen sich Hubert und Matthias bedanken

Für die letzte Woche des Experiments haben sie noch 200 Euro übrig und laden nun ihre Nachbarn zu Wein und Abendessen ein. Vorbei kommt Frau Engelskirchen, die den Fellas schon öfter zum Beispiel mit Werkzeug ausgeholfen hat. Auch Kathrin und André, die den Reality-Show-Stars beim Erstellen ihrer Lebensläufe für das Jobcenter geholfen haben, nehmen an der kleinen Feier teil.

Selbstverständlich kommt beim Essen die Sprache auf Hartz IV – denn auch Kathrin und André beziehen Leistungen vom Jobcenter. 800 Euro stehen ihnen beiden monatlich zur Verfügung, zusätzlich übernimmt der Staat Kosten für Wohnen und Heizung. Matthias fragt, ob das wenige Geld denn zum Leben reicht.

"Man kriegt das schon hin", antwortet Kathrin. Auch Matthias schlussfolgert, eigentlich sei das "schon relativ viel Geld". Nur Frau Engelskirchen wirkt während des Gesprächs etwas angespannt. Der Grund dafür wird bald deutlich: Obwohl die 80-Jährige als Lehrerin gearbeitet hat, muss sie mit nur 800 Euro Rente monatlich über die Runden kommen. Damit steht ihr kaum mehr Geld zur Verfügung als einer Hartz-IV-Empfängerin.

Die Rentnerin bekommt ähnlich viel Geld wie die Hartz-IV-Empfänger

Matthias zeigt sich empört – und unangenehm berührt, dass die ältere Dame und das arbeitslose Paar Kathrin und André finanziell etwa gleichauf liegen: "Sie kriegt bisschen mehr wie 800 Euro Rente und dann sitzen halt zwei junge Personen da und kriegen mehr Stütze, also mehr Hartz IV wie eine Frau, die ihr Leben lang gearbeitet hat."

"Und da ist bei mir auch schon so bisschen die Aggression so leicht hochgekommen, muss ich ganz klar sagen."

Auch Frau Engelskirchen findet es nicht ganz fair, dass ihr im Vergleich mit Langzeitarbeitslosen ähnlich wenig Geld zur Verfügung steht. Sie kommentiert:

"Ich bin ein bisschen sauer darüber, dass es Leute gibt in unserer Gesellschaft, die regelmäßig und wirklich jahrelang arbeiten gehen und die dann zu guter Letzt genauso viel haben wie die Leute, die nicht arbeiten gehen."

Für Hubert und Matthias ist das Hartz-IV-Experiment bald vorbei

Kathrin und André scheinen die harschen Worte mit Fassung hinzunehmen – zumindest wird durch das ernsthafte Gespräch die Stimmung beim Abendessen nur zeitweise getrübt.

Hubert und Matthias haben schließlich auch wenig Grund zum Trübsalblasen: Ihre Zeit als Hartz-IV-Empfänger ist schon bald vorbei. Ihre Nachbarn Frau Engelskirchen, Kathrin und André werden jedoch weiterhin schauen müssen, wie sie mit ihren knappen finanziellen Mitteln über die Runden kommen.

(ak)

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