Influencerin und Erotik-Star Hanna Secret aus Norddeutschland ist gerade frisch verlobt.
Influencerin und Erotik-Star Hanna Secret aus Norddeutschland ist gerade frisch verlobt. Bild: www.karlssonmedia.com / George Rohde
Interview

"Ein Danke muss schon sein": Webcam-Girl Hanna Secret über Manieren beim Onanieren

25.04.2022, 12:31

Hanna ist 26 Jahre alt und lebt in Buxtehude. Sie reitet gerne, ist gelernte Krankenschwester und seit neuestem frisch verlobt. So weit, so gutbürgerlich. Doch Hanna ist auch eine der bekanntesten deutschen Erotik-Influencerinnen. Seit 2017 ist sie als Pornodarstellerin und Webcam-Girl "Hanna Secret" unterwegs, spricht auf Youtube und Instagram über Sex-Lifehacks, toxische Beziehungen und widerliche Dick Pics.

Über ihren Weg in die Branche und die zum Teil skurrilen Erlebnisse mit Klienten hat sie das Buch "Ich bin Hanna" geschrieben, das auch als Ratgeber funktionieren soll. "Vielleicht hilft es ja ein paar Männern und Frauen, ihren sexuellen Horizont zu erweitern", sagt Hanna, "selbst meine Schwiegermama hat es ihren Freundinnen empfohlen. Und das, obwohl ich wirklich nicht über Bienchen und Blümchen spreche."

Auch mit watson sprach sie nicht über florale Befruchtung, sondern schweißnasse Latexanzüge, ihr erstes Mal vor der Webcam und Fallstricke für Frauen in der Erotikwelt.

"Jeder Typ und jedes Mädel auf Tinder hatte mehr Partner als ich."
Erotik-Influencerin Hanna Secret
Ich bin Hanna: Exklusive Einblicke in mein Leben als Webcam-Girl und Pornostar. Mit den besten Tipps für heißen Sex, riva Verlag, 18 Euro.
Ich bin Hanna: Exklusive Einblicke in mein Leben als Webcam-Girl und Pornostar. Mit den besten Tipps für heißen Sex, riva Verlag, 18 Euro.

watson: Du stehst auf einer Party und erzählst von deinem Beruf. Was kommt immer als erste Frage?

Hanna Secret: Zuerst sind die Leute meist überrascht, weil ich nicht dem Klischee einer Pornodarstellerin mit operierter Brust und Extensions entspreche. Ich wirke eher wie das Mädchen von nebenan, besonders wenn ich in meinen Alltagsklamotten daherkomme, am besten gerade vom Pferdestall. Dann kommt natürlich: "Was erlebst du da?" und direkt danach: "Wie kommt dein Freund damit klar?"

Und? Wie kommt dein Freund damit klar?

Von vornherein wurde bei uns mit offenen Karten gespielt und er hat weder ein Problem mit meinem Beruf, noch damit, selbst Teil dessen zu sein. Das wäre auch schlecht, weil ich nur mit ihm drehen will. In unserem Schlafzimmer passiert dasselbe, wie bei anderen auch, nur dass eben die Kamera ab und an läuft. Ich nenne das auch "gefilmte Liebe". Ich bin ein absolut monogamer Mensch und würde niemals mit fremden Männern Sex haben, weder beruflich noch privat. Das ist das Mädchen im Dorf, was noch in mir drinsteckt. Viele Partner, wechselnde Partner – das ist überhaupt nichts für mich!

Lustig, dass ausgerechnet du das sagst, während viele Gleichaltrige One-Night-Stands genießen oder polyamourös leben.

Deshalb sage ich immer: "Jeder Typ und jedes Mädel auf Tinder hatte mehr Partner als ich." Ich brauche eine echte emotionale Verbindung zu dem Menschen, mit dem ich Sex habe. Sonst macht es mich nicht glücklich, ich kann mich sonst nicht fallen lassen und die Orgasmen sind weniger schön. Sex mit Fremden wäre für mich unbefriedigend in jeglicher Hinsicht.

Und wie hat deine Mutter reagiert, als sie von deinem Beruf erfahren hat?

Ich komme aus einer kleinen Stadt, da wurde nicht viel über Sex gesprochen. Und schon gar nicht über die Arbeit von Pornodarstellerinnen oder Webcam-Girls. Als meine Mutter von Bekannten hörte, was ich da im Internet mache, war sie erst einmal geschockt. Sie dachte, ich wäre von meinem Ex dazu überredet worden oder hätte mit Drogen zu tun. Es hat lange gedauert, zu erklären, dass ich wirklich Lust darauf habe. Ihr machte die Nähe zum Rotlicht-Milieu Sorge, weil das mit Kriminalität assoziiert wird und noch dazu war ich am Anfang ja ein ganz kleines Licht. Da hatte sie schlicht Angst, ob ich davon leben kann und hat sich natürlich gefragt, warum ich meinen sicheren Job dafür aufs Spiel setze.

"Als meine Mutter von Bekannten hörte, was ich da im Internet mache, war sie erst einmal geschockt."

Inzwischen bist du als Pornostar, Webcam-Girl und Pornfluencerin ziemlich erfolgreich. Macht es das besser?

Definitiv. Meine Arbeit finanziert mir gerade zwei Häuser in meinem Heimatort, die mir als Altersversicherung dienen sollen und wenn meine Mutter jetzt auf der Baustelle steht, ist sie immer stolz wie Bolle, zu erzählen, dass ihre Tochter sich das mit ihren gerade mal 26 Jahren alles ganz alleine erarbeitet hat. Mir ist klar, dass ich nur ein paar goldene Jahre in der Branche habe und deshalb arbeite ich hart. Meine Mama sieht jetzt, dass ich mit meinem Leben glücklich bin. Und das macht sie auch glücklich.

Du bist eigentlich gelernte Krankenschwester.

Ja, dadurch habe ich vieles gelernt, was mir heute nützt: Zum Beispiel, fremden Menschen nahe zu kommen, ohne dabei völlig die professionelle Distanz zu verlieren. Ich habe auch keine Scheu vor Körperflüssigkeiten oder intimen Körperteilen. Das erschreckt mich kein bisschen.

Hanna aus der Zeit, in der sie noch als Krankenschwester arbeitete.
Hanna aus der Zeit, in der sie noch als Krankenschwester arbeitete. Bild: privat / Hanna Secret

Mit Anfang Zwanzig hast du als Webcam-Girl angefangen. Erinnerst du dich an das allererste Mal?

Ich hatte ultra Lampenfieber! Man weiß ja nicht, was einen erwartet. Ich hatte mir vorher extra noch einen Laptop mit Kamera gekauft und saß mit Hotpants und labberigem T-Shirt in meinem Zimmer, als ich mich im Stream einloggte. Kurz darauf ging die Kamera auf der anderen Seite an und ich sah einfach nur einen erigierten Penis, an dem jemand herum masturbierte. Kein Gesicht dazu und keine Einleitung. Das war dann schon ein kurzer Überforderungsmoment. Ich dachte: "OK?! Was erwartet der jetzt? Was sollte ich sagen oder muss ich selber was machen?" Aber ich habe mich schnell gefangen und ihn angechattet, dass ich ganz neu bin und mich so Stück für Stück voran getastet.

Kann man sich einen typischen Webcam-Kontakt so vorstellen?

Normalerweise wird vorher geplaudert. Viele berichten sogar ziemlich ausführlich aus ihrem Leben und fragen mich auch, wie es mir geht. Ich erziehe mir meine User allerdings auch ein bisschen in die Richtung. Unhöfliche Leute schmeiße ich einfach aus der Leitung, da bin ich rigoros. Manieren sind mir wichtig. Und dazu gehört auch, dass man wenigstens "Hallo" sagt. Klar bin ich in dem Moment ein Dienstleister, aber ich bin auch ein Mensch und ein Danke muss schon sein. Gerade die jüngeren Kunden vergessen das ab und an.

"Dieses junge Klientel, die sind eben mit Pornos aufgewachsen, das hat zur Folge, dass sie unrealistische Vorstellungen von Sex haben."

Hast du denn viele jüngere Kunden? Sind die anders als die älteren Semester?

Ja. Das liegt sicher auch daran, dass ich auf sozialen Netzwerken so aktiv bin. Und dieses junge Klientel, das ist eben mit Pornos aufgewachsen, das hat zur Folge, dass sie unrealistische Vorstellungen von Sex haben und einige sind – muss man so sagen – auch echt unanständig und frech. Das ist ein krasser Unterschied. Ältere Männer loggen sich ein und sagen: "Hallo Hanna, gut siehst du aus. Wie war dein Wochenende? Wäre es in Ordnung, wenn du ein bisschen mehr ausziehst?" Bei einigen jungen Usern geht die Cam an und es heißt direkt: "Zeig mir deinen Schlitz und dann steck dir den größten Dildo rein, den du hast." Da leiste ich dann auch Aufklärungsarbeit und sage: "Erstmal 'Guten Tag' und zweitens: Eine Frau muss feucht werden, damit da unten was reingeht."

Übrigens: Auch Pornostars wollen keine Dic Pics erhalten.Video: YouTube/Hanna Secret

Du sagst, Pornos wecken diese unrealistischen Vorstellungen in den Köpfen. Wie meinst du das?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Pornos zu schauen. Ich wäre ja eine komische Pornodarstellerin, wenn ich das anders sehen würde. Aber wie bei Süßigkeiten und Alkohol kommt es darauf an, dass man den Konsum auf ein gesundes Maß einschränkt und nicht zur Sucht werden lässt. Zudem vergessen viele, dass es sich da immer noch um Filme handelt, die gestellt und zusammengeschnitten wurden. Natürlich wird zwischendrin Gleitgel benutzt, es dauert, die Position zu wechseln und übrigens kam der Orgasmus der Frau in Wirklichkeit auch erst nach zwanzig, nicht nach zwei Minuten, wie es dann im Film aussieht.

Die Filme und Sexfantasien werden aber auch immer extremer. Setzt das die Darstellerinnen nicht massiv unter Druck, so etwas zu bedienen?

Also eine Freundin von mir, die schon lange in der Industrie ist, sagte letztens: "Du Hanna, früher war man die krasseste, wenn man sich eine Zucchini reingeschoben hat. Heute wäre das Kinderkram." Es ist inzwischen normal, dass Darstellerinnen mit drei Männern gleichzeitig Sex haben, natürlich auch anal. Das ist eigentlich voll krank, wenn man mal drüber nachdenkt. Und es gehört ganz schön was dazu, zu sagen: "Mag sein, dass ihr das wollt. Aber das mache ich nicht." Ich lehne viele Sachen ab, weil es einfach nicht meins ist und habe dennoch meinen Markt gefunden, so als Girl Next Door. Ich verkaufe doch nicht meine Seele, damit andere Befriedigung haben. Wo würde das enden? Was wäre die Steigerung? Aber natürlich gibt es Frauen, die das machen, weil sie unsicher sind oder das Geld brauchen. Das ist ein Problem.

Das heißt, du würdest anderen Frauen nicht empfehlen, zum Beispiel als Webcam-Girl zu arbeiten?

Ich arbeite unter anderem als Coach für Anfängerinnen, die ich an die Hand nehme und dafür einen passiven Anteil an ihrem Einkommen erhalte. Gerade weil ich die Branche kenne, ist es mir aber schon wichtig, den Frauen vorher klar zu machen, auf was sie sich da einlassen, das wird zu selten klar kommuniziert. Klar, ein schneller Nebenverdienst zu flexiblen Arbeitszeiten klingt erstmal reizvoll, aber man muss sich schon ehrlich die Fragen stellen: Was sagt deine Familie, was sagen deine Freunde dazu, wenn deine Tätigkeit rauskommt? Könntest du mit ihrer Reaktion leben? Wie würde dein Arbeitgeber reagieren? Und auch: Kennst du dich mit Steuerrecht aus? Weißt du, wie du dich als Selbstständige krankenversicherst? Macht es dir überhaupt Spaß, dich so freizügig zu zeigen oder machst du es ausschließlich des Geldes wegen? Das sind wichtige Fragen. Es ist nicht jedermanns Sache.

"Es ist inzwischen normal, dass Darstellerinnen mit drei Männern gleichzeitig Sex haben, natürlich auch anal. Das ist eigentlich voll krank, wenn man mal drüber nachdenkt."

Krankenversicherung und Steuerrecht. Das klingt ja schon gar nicht mehr so sexy.

Tja, aber wer nicht will, dass am Ende vor allem irgendwelche fremden Männer an deinem Körper verdienen, muss sich damit befassen. Meine Mutter war alleinerziehend und hat uns Kindern früh beigebracht, dass man hart arbeiten muss, um unabhängig zu sein. Ich habe also sehr schnell gelernt, wie man Videos schneidet, wie Photoshop funktioniert, wie eine ordentliche Buchhaltung geht, um nicht von Portalen oder Managern abhängig zu sein. Heute bin ich ein "Girlboss" und stolz darauf. Gerade in einer Branche, in der ich meinen Körper und mein Gesicht zeige, will ich volle Entscheidungsgewalt über mein Image haben. Nur so kann ich immer genau das machen, womit ich mich wohlfühle und bleibe authentisch. Genau das honorieren die User dann auch wieder. Man merkt einfach, wenn ein Creator nur versucht, einem Trend hinterherzulaufen. Das geht nie gut. Das gilt für Beauty-Vlogger genauso wie für Porno-Sternchen.

Gibt es denn Erlebnisse aus deiner beruflichen Vergangenheit, wo du sagst: Würde ich heute nicht mehr machen?

Ich habe mal einen Latex-Anzug angezogen für einen Mann, bei dem ich davon ausging, dass er richtig lange im Stream bleiben will. Das macht keinen Spaß, so etwas anzuziehen. Es klebt, man schwitzt und selbst das Ausziehen dauert ewig. Ich stand da also klatschnass und als ich auf den Rechner schaute, hatte der sich schon lange ausgeloggt. Das war wirklich uncool.

Sonst noch ein Tabu?

Grundsätzlich versuche ich, niemanden für seine Vorlieben zu verurteilen. Aber es gibt natürlich Sachen, die indiskutabel sind: Ich habe zum Beispiel mal einen Mann angezeigt, der pädophile Fantasien hatte und mir auch von einem Missbrauch berichtete. Was ich auch nicht unterstütze, sind SM-Praktiken mit Selbstverstümmelungen und Schmerzen. Wenn jemand sich zum Beispiel Nadeln durch die Brustwarzen sticht, das kann ich nicht akzeptieren. Da muss der Kunde sich jemand anderen suchen. Da kommt wohl doch noch die Krankenschwester in mir durch.

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