Leben
Job & Uni

Reise zum Mond: Wie wird man Astronautin, Nicola Winter?

12 April 1969, International day of human space flight, Cosmonautics Day concept with ISS astronaut in spacesuit against background of the Earth planet. Spaceman in outer space 3D science illustration
Viele träumen davon, mal in den Weltraum zu fliegen. Bild: iStockphoto / quantic69
Job & Uni

Wie wird man eigentlich Astronautin?

In unserer Serie "Jobs mit Zukunft" werfen wir einen Blick auf Berufe, die für junge Menschen besonders spannend sind. Weil sie neu, zukunftssicher oder einfach anders sind. Oder weil sie die Welt auf irgendeine Weise besser machen.
06.10.2023, 08:1206.10.2023, 11:56
Mehr «Leben»

Arbeitsplatz Weltall: Das erträumen sich wohl viele. Nicola Winter hat es geschafft. Die Deutsche ist nicht nur ausgebildete Tornado-Pilotin, sondern seit 2022 auch Astronautin in Reserve bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Nächster Stopp? Der Mond.

Doch kaum jemand zieht den Beruf der Luftfahrt, geschweige denn der Raumfahrt, ernsthaft in Betracht. Bedeutet das nicht im wahrsten Sinne, nach den Sternen zu greifen? Nicola Winter ruft zu Mut auf, diesen Job der Zukunft zu ergreifen. Einfach sei es nicht, aber: "Jeder einzelne Schweißtropfen und jede Träne war es wert!"

Das ist Nicola Winter
Nicola war über ein Jahrzehnt Kampfflugzeugpilotin bei der Bundeswehr (seit 2004), steuerte als eine von nur drei Frauen in der Luftwaffe den Eurofighter und bekleidete zuletzt den Dienstgrad Major.

Fliegen, Weltall und Abenteuer sind Nicolas Leidenschaften: "Ich möchte Pionierarbeit leisten, das Ziel könnte auch Mond oder Mars heißen", sagt Nicola. Dieser Traum könnte wahr werden, denn Nicola hat ein offenes Astronautenauswahlverfahren bestanden und arbeitet darauf hin, ins All zu fliegen.

2017 war sie Finalistin der Initiative "Die Astronautin". 2022 konnte sie sich im Auswahlverfahren der ESA gegen mehr als 22.500 Bewerber:innen durchsetzen und gehört nun zur Astronauten-Reserve.

Watson sprach mit der Deutschen über ihre beruflichen Stolpersteine, wie sie diese überwunden hat und was sie auch heute noch jeden Tag inspiriert. Anlass war die Berufsorientierungsmesse "Inspiration Days" der Lernplattform Teech (27. bis 29. September 2023), wo Nicola Winter als Speakerin auftrat.

Nicola Winter
Pilotin und Astronautin Nicola Winter spricht über ihrem Traumberuf.Bild: privat / Maren Richter

Watson: Waren Sie eines dieser Kinder, das Klebesterne über dem Bett hatte, oder war Ihre Leidenschaft für Raumfahrt und Luftfahrt damals noch nicht absehbar?

Nicola Winter: Meine Eltern und meine Großeltern waren Mathematiker und Wissenschaftler. Daher stammt eine große Liebe zur Technik – gepaart mit einer guten Portion Abenteuerlust wird daraus eine Pilotin. Schon als kleines Mädchen habe ich Bücher über die Pionierinnen der Luftfahrt verschlungen. Amelia Earhart, Hanna Reitsch, Jackie Cochran... wunderbar!

War für Sie immer klar, wo Sie beruflich am Ende hinwollen?

Jein. Ich wusste immer, dass ich gern Pilotin wäre. Da standen mir aber meine Körpergröße und ich selbst im Weg. Ich bin nur 1,60 Meter groß – zu klein für die unsinnigen Anforderungen der Lufthansa. So hatte ich das Thema erstmal abgeschrieben, bis ich über die Bundeswehr gestolpert bin.

Nicola Winter Bundeswehr
Nicola Winter sitzt im Cockpit. Für die Lufthansa war sie zu klein.Bild: privat

Wie sieht ein normaler Arbeitstag für Sie aus?

Heute mache ich viele verschiedene Dinge: Workshops zum Thema Krisenmanagement, Raumfahrtforschung – und jetzt gerade eine Ausbildung zur Rettungshubschrauber-Pilotin. Als Pilotin sitze ich zuerst am Computer, prüfe den Flugplan und das Wetter. Dann darf ich mal mit, mal ohne Fluglehrer fliegen und Notverfahren üben, Außenlasten transportieren oder einen neuen Flugplatz anfliegen. Das ist richtig klasse. Nach dem Flug folgt noch ein strukturiertes Debriefing und dann versuche ich, daraus zu lernen.

"Der Mars ist wirklich weit weg, das unterschätzen wir oft. Vielleicht werden wir in 30 Jahren die ersten Menschen dort landen sehen."

Ohne welche Charakter-Eigenschaften kann man diesen Job nicht machen?

Mit genug Durchhaltevermögen kann eigentlich jeder Pilotin werden. Zur Astronautin braucht es dann noch eine gute Portion Glück. Außerdem sind Freude am Lernen, Professionalität und Bescheidenheit sehr hilfreich.

Was glauben Sie, wo sich Ihr Beruf in 20, 30 Jahren hinentwickelt – werden Menschen auf dem Mars gewesen sein? Oder Astronaut:innen durch KI ersetzt?

Der Mars ist wirklich weit weg, das unterschätzen wir oft. Vielleicht werden wir in 30 Jahren die ersten Menschen dort landen sehen. Natürlich unterstützt von intelligenten Systemen – aber KI wird den Menschen niemals ersetzen. Sie wird uns nur unliebsame oder ersetzbare Tätigkeiten abnehmen. Am Ende ist es lustig, wenn ein Roboter auf dem Mars landet – wirklich interessant wird es erst, wenn ein Mensch dort steht.

"Hürden begegnen mir im Moment viele bei dem Versuch, endlich den ersten Flug einer deutschen Frau ins All zu realisieren."

Was ist der spaßigste Teil Ihres Jobs?

Mir machen ganz viele verschiedene Dinge Spaß daran: Dass sich wirklich etwas bewegt, die Geschwindigkeit, dass man wirklich etwas tut und im Moment voll dabei ist, die Herausforderung und der Teamgeist.

Nicola Winter Astronautin ESA
ESA-Astronautin Nicola Winter hat ehrgeizige Ziele. Bild: ESA / P. Sebirot

Und was ist das Nervigste?

Wie in jedem Beruf habe ich oft mit Bürokratie zu tun. Mit "dafür bin ich nicht zuständig" und unnötigen Irrungen und Wirrungen.

Was hätten Sie gern gewusst, bevor Sie ihren Berufsweg eingeschlagen haben?

Dass es sich noch viel mehr lohnt, als ich es mir je erhofft hätte. Und dass es sich wirklich lohnt, sich da richtig anzustrengen. Jeder einzelne Schweißtropfen und jede Träne war es wert!

Was war bislang Ihre größte Hürde, der schwierigste Moment im Job?

Hürden sind nicht immer die schwierigen Momente. Schwierig wird es, wenn das Risiko eintritt und Menschen ums Leben kommen. Das kann auch bei der besten Vorbereitung und größter Sorgfalt passieren – und der Tod lässt nicht mit sich verhandeln. Daraus erwächst die Motivation, alles immer richtig und gut vorbereitet anzugehen. Hürden hingegen begegnen mir im Moment viele bei dem Versuch, endlich den ersten Flug einer deutschen Frau ins All zu realisieren. Da sind die Widerstände enorm groß. Aber das empfinde ich nicht als "schwierig", das ist eher ein Rätsel oder ein Puzzle mit der Frage: "Wie kann die Lösung aussehen? Bin ich schlau genug, um die Lösung zu finden?" Super spannend!

Neu: dein Watson-Update
Jetzt nur auf Instagram: dein watson-Update! Hier findest du unseren Broadcast-Channel, in dem wir dich mit den watson-Highlights versorgen. Und zwar nur einmal pro Tag – kein Spam und kein Blabla, versprochen! Probiert es jetzt aus. Und folgt uns natürlich gerne hier auch auf Instagram.

Und ein persönliches Highlight?

Highlights habe ich viele, aber hier vielleicht zwei: Als ich nach über einem Jahr sehr intensiver Ausbildung meine "Schwingen", meine Lizenz als Kampfjetpilotin, bekommen habe. Das ist ein richtiges Highlight und ich bin immer noch sehr stolz darauf. Das zweite war der gleiche Moment – aber für meinen ersten Flugschüler. Der erste Schüler, den ich von Anfang an unterrichtet habe und der jetzt ein richtiger guter Pilot ist. Ein absolutes Highlight!

Warum ist Sonnenschutz im Flugzeug unabdingbar?

Reisen mit dem Flugzeug gehört für viele Menschen längst zum Alltag. Ob beruflich oder privat, ob Lang- oder Kurzstrecke, viele Gedanken darüber, dass man sich beim Fliegen 10.000 Meter über dem Boden und damit 10.000 Meter näher an der Sonne befindet, machen sich wohl die Wenigsten. Zu verlockend ist das Angebot aus Bordunterhaltung, Snacks und Nackenkissen, das die Zeit in der Luft buchstäblich wie im Flug vergehen lässt.

Zur Story