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Mein schlimmstes Date

Single-Frau erzählt von Horror-Date: Urlaubs-Flirt endet auf der Polizei-Station

Urlaubs-Flirt, Kuss am Strand
Der Kuss am Strand gehört zu einer Urlaubs-Romanze natürlich dazu. Zumindest den gab es auch für mich. Bild: Pexels / Tim Mossholder
Mein schlimmstes Date

Mein schlimmstes Date: Es war nur ein Urlaubs-Flirt – dann saß ich bei der Polizei

Wer datet, erlebt oft schräge Dinge. Doch je peinlicher oder unerfreulicher die Situation live ist, umso besser ist die Geschichte oft im Nachhinein. Wir protokollieren in unserer Serie Horror-Dates aus Sicht der Betroffenen.
09.06.2023, 16:02
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Es begann am Ballermann. Ein Ort, an den Rike (30) eigentlich niemals wollte. Aber dann stand Patrick (34) vor ihr. Und Patrick fand sie irgendwie gut. Es kam zu einem Kuss – doch kurz danach endete der Abend mit dem wohl peinlichsten Moment ihres Lebens.

Ich hatte die Wahl: Entweder ich hörte für den Rest des Abends nicht mehr auf, "Scheiße" zu sagen. Oder ich vergaß meine Würde. Alles, was ich zu Hause war. Mich.

Es galt: ganz oder gar nicht. Und ich entschied mich für ganz.

Ich befand mich in meiner persönlichen Hölle. Palma de Mallorca. Schinkenstraße. Bierkönig. Und da waren sie. Die Fußballmannschaften. Die Abi-Klassen und Kegelclubs. Ich war mit meinen Freund:innen gerade durch den Eingang, als ich fast umgerissen wurde von einer Gruppe junger Männer, die sich wie beim Sirtaki in den Armen lagen und im Kreis zu Andreas Gabaliers "Hulapalu" sprangen. Natürlich nicht im Takt.

Pool, Party, Urlaub
Drinks, Swimmingpool, einfach eine gute Zeit mit Freunden: So hatte ich mir unseren Urlaub mit Freunden vorgestellt.Bild: Pexels / Helena Lopes

Als es bei der Urlaubsplanung hieß, wir würden nach Mallorca fliegen, dachte ich, wir würden den ganzen Tag am Pool unserer Ferienwohnung liegen, irgendwo im Hinterland. Ich dachte an Mandelbäume und ein paar entspannte Tage. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich hier landen würde.

Meine Freund:innen hatten offenbar anderes vor mit mir. Jetzt war ich da. Direkt am Ballermann. Und tatsächlich war es nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war schlimmer: "Zehn Bier vor vier", las ich auf dem T-Shirt eines Typen, der nur knapp an mir vorbeischwankte. Auf einem anderen: "Eimer für alle, alle für Malle". Die plumpsten Sprüche der Welt zum Anziehen. Aber eines musste man den Outfits lassen: Zur Musik passten sie perfekt. "Ein Mal nur, ein Mal nur", tönte es jetzt aus den Boxen. "Sex mit dir", antwortete die Menge. Die Songtexte waren so einfach, dass selbst Urlauber:innen, die schon lange nicht mehr gerade stehen, immer noch mitsingen konnten.

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Zwischendurch machten sie ein Selfie, um sich am nächsten Morgen auch mit Gedächtnislücke noch an diesen Moment erinnern zu können. Und immer wieder ein Schluck aus dem Liter-Krug. Der musste schließlich leer werden.

Ich suchte den Raum nach dem Ausgang ab. Doch plötzlich stand ein Typ vor mir. Er sah mich nur kurz an. "Du bist die schönste Frau hier", sagte er. Er trug ein Shirt, auf dem "Vagina" stand.

Ich drehte mich weg, nicht ohne in meinen Blick die größtmögliche Abscheu zu legen. Und stand direkt vor einem anderen Typen: in einem hellblauen, mit rosa Flamingos bedruckten Anzug, den auch die zehn Jungs um ihn herum trugen. Alles klar, dachte ich. Junggesellenabschied. Doch statt zu sprechen, streckte er mir nur ein selbst gebasteltes Pappschild entgegen. "9/10", stand darauf.

"Hast du keine 10/10?", wollte ich wissen.

Seine Antwort war ein weiteres Schild, auf dem ein Herz zu sehen war.

An dieser Stelle hätte ich mich erneut wegdrehen können. Ich hätte mir viel Ärger dadurch erspart. Doch es kam anders. Denn jetzt musste ich lachen. Und einer seiner Kumpels auch. Er hatte die Szene mit angesehen. Und schüttelte amüsiert den Kopf.

Ich weiß nicht mehr, wie genau ich mit ihm dann ins Gespräch gekommen bin. Aber ich weiß noch, dass er keiner der typischen Junggesellen war, für den ich ihn zuerst gehalten hatte. Auch er trug einen Flamingo-Anzug. Aber er war anders.

Er hieß Patrick. War vier Jahre älter als ich. Und Notarzt, irgendwo in Bayern. Und er konnte sich noch unterhalten, ohne zu lallen. (Mehr konnte man nicht erwarten.)

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Um bei der Wahrheit zu bleiben: Nicht alle haben aus Liter-Krügen getrunken. Für manche gab es auch Kurze. Bild: Pexels / Isabella Mendes

Wir quatschten. Lachten. Stießen an. Und ich dachte kurz, ganz kurz, wären da nicht die Motto-Shirts und die Liter-Krüge – das könnte jetzt gerade überall sein, in irgendeiner Bar. Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Wirkung des Wodka-Red-Bull einsetzte. Ich war wohl einfach komplett betrunken. Und so tanzte ich sogar zu Musik, die mir normalerweise schlechte Laune machte.

Als Patrick vorschlug, rauszugehen, sagte ich trotzdem sofort "ja". Alles, was nicht Bierkönig war, war gut.

Wir mussten von der Seitenstraße nur noch einmal links abbiegen, um an einen ruhigeren Ort zu kommen. Aber als wir gerade anfangen wollten zu knutschen, huschten Ratten an uns vorbei. Ich frage mich, wie ich irgendjemandem auf der Welt erklären könnte, dass wir uns ausgerechnet zwischen überlaufenen Mülltonnen direkt neben dem Bierkönig angefangen hatten zu küssen. Und merkte: Das konnte ich nicht mal mir selbst erklären.

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So sah ein Urlaubs-Flirt in meiner Vorstellung aus. Der Realität hat dieses Bild leider nicht standgehalten.Bild: Pexels / Asad Photo Maledives

"Komm, lass' hier weg."

Und jetzt hatte ich auf seine Frage "Aber wohin?" auch eine Antwort: "Wir sind auf Mallorca. An den Strand natürlich."

War es nicht irgendwie sogar romantisch, nachts ans Meer zu gehen? Sterne, wir beide. Und natürlich hörte sich das Rauschen der Wellen schon besser an als Mickie Krause.

Damit war er schnell überzeugt. Tatsächlich war der Strand von Palma netter als ich befürchtet hatte. Wir fanden ein Plätzchen hinter ein paar aufgestapelten Sonnenliegen. Und dann ging es eigentlich direkt los. Er schmeckte nach Jim Beam und küsste wild, aber nicht schlecht. Zumindest für die Promenade von Palma. Ich habe keine Ahnung, wie viel Zeit wirklich vergangen war, bis wir das erste Mal voneinander abließen, um uns anzulächeln. Aber das war der Moment, in dem die Stimmung kippte.

Meine Tasche. Wo war meine verdammte Tasche?

Ich war mir sicher, zu 100 Prozent, dass ich sie neben mir liegen hatte. Aber jetzt war sie weg. War hier jemand? Ich sprang auf und war mir selbst im Klaren darüber, dass es dafür jetzt zu spät war. Wer sollte hier noch sein? Gut, dass an der Playa nicht ständig vor Taschendieben gewarnt wird. Vermutlich hatte sich der Dieb die Tasche, während wir uns küssten, einfach geschnappt. Aber er hätte auch ganz lässig einfach davon schlendern und uns zwischendurch noch zuwinken können. Nichts hätte ich gemerkt.

Und jetzt saß ich ohne Geld, ohne Ausweis, ohne Handy, mit einem Fremden in einem Flamingo-Anzug am Strand von Palma.

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Symbolfoto für das Gefühl der maximalen Scham: Nach nur einem Kuss ging es von der Playa weiter zur Polizei.Bild: imago images / localpic

"Das ist nicht wirklich passiert", sagte ich. Um mich selbst zu beruhigen. Aber ganz sicher mit einer gewissen Hysterie in der Stimme. Und damit auch, um Patrick zu signalisieren, dass es das jetzt war, mit der Knutscherei. Ich war entsetzt. Ich war wirklich eine von diesen peinlichen Palma-Tourist:innen, die sich nachts am Strand beklauen ließen. Nie habe ich mich gedemütigter gefühlt als in diesem Moment.

Auch Patrick schaute sich ein paar mal ratlos um und war immerhin Gentleman genug, mich jammernd zu meinen Freund:innen zurückzubegleiten. Die natürlich nicht aufhören konnten, mich auszulachen. Und zwar völlig zu Recht. Dass mein bester Freund es tatsächlich schaffte, sich so weit zusammenzureißen, dass er mich ohne einen einzigen blöden Spruch zur Polizeistation von Palma begleiteten konnte, werde ich ihm nie vergessen.

Aldi schafft kostenlosen Service ab – zumindest testweise

Wer sich vor dem Einkauf im Supermarkt darüber informiert, welche Lebensmittel es gerade im Angebot gibt, kennt die Prospekte, die regelmäßig zu Hause im Briefkasten landen. Verbraucher:innen legen aber heute Wert auf Nachhaltigkeit. Wenn man die Masse an Handzetteln aus Papier betrachtet, die nach kurzer Zeit wieder im Papiermüll landen, sind sie eines sicher nicht: nachhaltig.

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