Toilettenpapier war in Lockdown-Zeiten häufig fast oder komplett ausverkauft.
Toilettenpapier war in Lockdown-Zeiten häufig fast oder komplett ausverkauft.Bild: IMAGO / Sabine Gudath

Supermarkt: Bekannter Klopapier-Hersteller ist plötzlich pleite – Branchenverband äußert sich

06.09.2022, 16:4406.09.2022, 17:09

Unter stark gestiegenen Energiekosten leiden sowohl Verbraucher:innen als auch Unternehmen. Für einen bekannten Toilettenpapier-Hersteller hat dieser Umstand nun das Aus bedeutet.

Zu Beginn der Corona-Pandemie war Toilettenpapier noch ein heiß begehrtes Produkt, das zeitweise vielerorts sogar ganz ausverkauft war. Doch die hohen Energie- und auch Materialpreise jetzt einen traurigen Schritt bedeutet: Der Düsseldorfer Toilettenpapier-Hersteller Hakle ist pleite. Das Unternehmen habe ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, sagte eine Sprecherin des Düsseldorfer Landgerichts am Montag.

Gestiegene Kosten konnten nicht ausreichend weitergegeben werden

Das Unternehmen beklagte, dass die "massiv gestiegenen Kosten für Material- und Energiebeschaffung sowie der Transporte" bislang nicht in hinreichendem Umfang an die Kunden im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriesektor hätten weitergegeben werden können. Zunächst berichtete die "Lebensmittel Zeitung (LZ)" darüber.

Hakle ist hat ebenfalls mit den steigenden Energiekosten zu kämpfen.
Hakle ist hat ebenfalls mit den steigenden Energiekosten zu kämpfen.Bild: www.imago-images.de / imago images

Dass nach den Hamsterkäufen zu Lockdown-Zeiten ausgerechnet ein Toilettenpapier-Hersteller pleite ist, kommt überraschend. Durch Hamsterkäufe standen Kund:innen im Supermarkt regelmäßig vor spärlich gefüllten bis komplett leeren Regalen. Zeitweise wurde der Verkauf von Toilettenpapier und weiteren Produkten sogar rationiert. Pro Person durfte dann nur eine bestimmte Menge über die Ladentheke gehen.

Hakle wird zum Sanierungsfall

Hakle hatte im Geschäftsjahr 2020 nach dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss bei einem Umsatz von knapp 80 Millionen Euro noch einen Jahresüberschuss von rund 650.000 Euro ausgewiesen. Gereicht hat es für Hakle jedoch jetzt offenbar nicht mehr. Der Toilettenpapier-Hersteller wird zum Sanierungsfall.

Die Zentrale von Hakle in Düsseldorf: Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet.
Die Zentrale von Hakle in Düsseldorf: Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet.Bild: dpa / Wolf von Dewitz

Der Geschäftsbetrieb des mittelständischen Unternehmens soll im Insolvenzverfahren in vollem Umfang fortgeführt werden. "Die Eigenverwaltung bietet uns die notwendige Flexibilität und Geschwindigkeit, um unseren Betrieb nachhaltig zu sanieren", sagt Geschäftsführer Volker Jung.

Sie seien zuversichtlich, dass die Neuaufstellung in der herausfordernden Lage der Energiekrise gelinge. Es gehe um den Erhalt des Standortes und seiner Arbeitsplätze. Die Geschäftsführung um ihn herum bleibt weiter für das operative Geschäft zuständig.

Nicht die erste schockierende Nachricht aus der Klopapier-Branche

Es ist nicht die erste Nachricht seit der Energiekrise, dass die Industrie um die Herstellung von Toilettenpapier in Bedrängnis gerät. Erst vor Kurzem hat der Verband "Die Papierindustrie" vor einem möglichen Engpass gewarnt.

Denn für die Herstellung von Toilettenpapier werde das aktuell knappe Gas benötigt. Bei einem Wegfall könnten sie die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleisten, hieß es dazu.

Papierindustrie will hohe Kosten abwälzen

Nach der Pleite von Hakle warnt der Verband "Die Papierindustrie" nun vor den Folgen der dramatisch gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise für die Branche. Gregor Geier, der Geschäftsführer des Branchenverbandes, teilt mit: "Die gesamte Papierindustrie steht unter enormem Kostendruck." Es sei wichtig, dass die Papierhersteller die gestiegenen Kosten an den Handel weitergeben könnten.

(and / lc / mit Material von dpa)

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Rückschlag für Edeka: Supermarkt verliert in Limonaden-Zoff

Durch die gestiegenen Energiekosten waren in den vergangenen Monaten etliche Unternehmen gezwungen, ihre Preise zu erhöhen. So nach eigenen Angaben auch Coca-Cola, das den Händlern daher eine Erhöhung im unteren einstelligen Prozentbereich ankündigte. Die Supermarkt-Kette Edeka verweigerte sich dem jedoch, weshalb Coca-Cola einen Lieferstopp verkündete.

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