Richard David Precht in der "Lanz"-Runde.
Richard David Precht in der "Lanz"-Runde.
zdf-screenshot

Precht greift bei Lanz Bundesregierung an: "Was ist das für ein Quatsch?"

18.10.2019, 07:01

Vielleicht fehlt Markus Lanz ja die Orientierung. Dreimal in der Woche sitzen ihm vier bis fünf Gäste in seiner ZDF-Sendung gegenüber, die ihm erzählen, was da draußen, außerhalb der Grenzen seines Hamburger Studios so passiert.

Ganz schön viele verschiedene Informationen, ganz schön viele unterschiedliche Meinungen.

  • Um da mal ein wenig Ordnung in diesen Welt-Wust zu bringen, lud sich Lanz am Mittwochabend den vermutlich einzigen TV-tauglichen Philosophen und Welterklärer Richard David Precht ein.
  • Precht beklagte sich in der Sendung über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die deutsche Gesellschaft. Der Philosoph warnte vor einer "Entsolidarisierung der Gesellschaft", die im "Sterben der Städte" begründet sei.
  • Und der Grund dafür: die Expansion von Online-Händlern wie Amazon.

Precht warnt im ZDF bei Lanz vor "populistischen Schwachmaten"

Die Verödung der Innenstädte sei eine "unheilvolle Erfahrung" – und eine große Gefahr für die Demokratie: "Was hält eine Stadt noch im Innersten zusammen, wenn es keinen Grund mehr gibt, in die Stadt zu gehen?"

Precht warnte davor, dass immer mehr Menschen "die größten populistischen Schwachmaten" wählen würden, die ihnen "die gute, alte Zeit versprechen".

Da gab es Applaus im Studio, der Ökonom Daniel Stelter hörte sich Prechts Erläuterungen gelassen an – und erwiderte: "Die großen Anbieter im Online-Handel geben das nicht weiter. Die haben so hohe Margen, die werden die Preise nicht erhöhen."

Der Ökonom Daniel Stelter.
Der Ökonom Daniel Stelter.
zdf-screenshot

Wäre Precht in der Regierungsverantwortung – was er nicht ist und vermutlich auch nicht sein will –, würde er die Mehrwertsteuer im Online-Handel um 25 Prozent steigern, während die Steuer in anderen Handelssegmenten gesenkt werden soll. So will er den Einzelhandel in den Stadtzentren für Kunden attraktiver machen.

Stelter gab Precht eine schnelle Vorlesung in Wirtschaftsrecht: "Sie können ja nicht die Preise selbst erhöhen, sondern nur die Steuer." Stelter weiter: "Die kleinen Versandhändler gehen nicht mit, was Sie also als Erstes bewirken, ist eine Konzentration im Versandhandel."

Precht blickte verdutzt drein, während Stelter über "sekundäre Maßnahmen" weiter dozierte. Der Online-Riese Amazon sei das Paradebeispiel für einen Konzern, der auf Gewinn verzichtet, um Marktanteile zu gewinnen.

zdf-screenshot

Der TV-Philosoph Precht redete sich später in Rage: Die deutsche Politik sei zu richtigen Eingriffen in das Leben der Deutschen gar nicht bereit, um Besserungen zu bewirken. Über die Diskussion um die umstrittenen SUV-Wagen in Innenstadt mokierte sich Precht: "Man geht an die notorisch zahlungsschwache Klientel der SUV-Fahrer ran und droht ihnen an, dass es ein wenig teurer wird. Was ist das für ein Quatsch?"

Precht erwähnte dann auch noch von der Bundesregierung geplanten Verbilligung von Bahntickets, die er als "homöopathische Pillen" brandmarkte. Nun schlug sich auch Stelter auf Prechts Seite: "Die Politik drückt sich vor ihren Aufgaben und macht ganz viel Show. In Berlin sitzen nur Schauspieler meines Erachtens."

Im gehobenen Stammtisch-Modus ging es auf das Ende zu. Precht stellte ohne zu Zögern fest: "Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Eliten das untere Drittel aufgegeben haben – und die Zahl der Menschen, die Gefahr laufen, da weiter herunterzurutschen, ist enorm."

(pb)

Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten

1 / 19
Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

Deutsche schicken jede 6. Online-Bestellung zurück – heftige Folgen für die Umwelt

Einfach schnell zurück – und keine Probleme? Von wegen.Die Deutschen bestellen gerne im Internet – und schicken jedes sechste Paket wieder zurück, wie Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg ermittelt haben.

Die im Markt üblicherweise eingeräumte Widerrufsfrist von 28 Tagen liege weit über den gesetzlich vorgeschriebenen 14 Tagen, erklärte Asdecker. Aber die Retouren belasten auch das Klima – so viel wie "täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau" oder 238.000 …

Artikel lesen
Link zum Artikel