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Die Schlafkapseln wurden auch dieses Jahr wieder in Ulm aufgestellt. bild: ulm.de

Hightech-"Nester" schützen Obdachlose vor dem Kältetod

Vor wenigen Tagen brach Schneesturm "Tristan" über Deutschland herein und brachte Temperaturen von bis zu Minus 20 Grad. Da freut man sich, wenn man im Warmen sitzt. Für mindestens 41.000 Menschen in Deutschland aber ist die Kälte ein Kampf buchstäblich auf Leben und Tod – denn sie leben auf der Straße. In diesem Winter starben laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe bereits 17 Menschen den Kältetod.

In Ulm finden obdachlose Menschen seit wenigen Jahren im Winter eine ganz besondere Art von Hilfe: Hier werden eigens entwickelte Schlafkästen als Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose aufgestellt, die sogenannten Ulmer Nester. Das Projekt, das schon seit dem Winter 2019/20 läuft, wurde dieses Jahr wieder aktiviert.

Die beiden aus Holz und Stahl gefertigten Kapseln können von Innen verriegelt werden und bieten sowohl eine gewisse Isolation und gleichzeitig Frischluftzufuhr.

Die "Ulmer Nester" ähnelten Särgen, so die Anwohner

Legt sich eine Person in den Kasten, wird automatisch ein Mitarbeiter des örtlichen Caritasverbands benachrichtigt. Dieser Mitarbeiter besucht den Schlafkasten am Morgen und versucht, der Person weiterführende Angebote zu vermitteln.

Die Nester werden am Ende des Winters abgebaut und im Herbst wieder aufgebaut. Die Kosten belaufen sich auf rund 5700 Euro. Kritik von Menschen in Ulm gab es allerdings am Design der Kästen: Sie sollen wie Särgen anmuten. Eine der Kapseln wurde an einem Friedhof aufgestellt, was sicher nicht geholfen hat. Die Form wurde aber absichtlich so gewählt, um Menschen jeder Statur eine Unterkunft bieten zu können.

Notunterkünfte sind für viele Menschen nicht, oder nur schwer zugänglich

Die Idee stammt von sechs Ulmer Designern, Hardware- und Softwareentwicklern, die sich 2018 der Frage widmeten, wie man Obdachlose besser vor dem Kältetod schützen könne. In nur 48 Stunden entwickelten sie die Idee der Hightech-Nester.

Den Menschen, die auf der Straße leben, stehen grundsätzlich Notunterkünfte zur Verfügung, aber viele nutzen die Angebote nicht. In den Schlafstätten gibt es oft strenge Vorschriften und wenig Privatsphäre. Haustiere sind vielerorts auch nicht erlaubt, oder man wird abgewiesen, wenn man zu viel getrunken hat. Die Bürokratie steht auch oft im Weg, denn viele Obdachlose sind nicht beim Arbeits- oder Sozialamt registriert und ohne Sozialnummer können die Kosten der Schlafstätte nicht abgerechnet werden.

(lfr)

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