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Naturkatastrophen werden sich häufen, wenn die Politik nichts fürs Klima tut.Bild: www.imago-images.de / YAY Images
Gastbeitrag

Fridays for Future zum Bericht des Weltklimarats: "Das nächste Jahrzehnt wird alles entscheiden"

25.02.2022, 11:15
Charlotte Huth, gastautorin

2021 und 2022 müssen Jahre der Veränderung sein! Denn 2021 und 2022 sind die IPCC-Jahre.

Diese Abkürzung taucht oft auf, doch was wirklich darunter zu verstehen ist, wird oft verkannt. Der IPCC (kurz für Intergovermental Panel on Climate Change), oder auch einfacher der Weltklimarat, veröffentlicht alle sechs Jahre Sachstandsberichte zur Klimaentwicklung. Diese Veröffentlichung ist in vier Termine gegliedert. Die drei Veröffentlichungen der Arbeitsgruppen eins bis drei und ein abschließender Synthesebericht.

Nachdem im letzten Sommer der Bericht der Arbeitsgruppe WG I zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels uns mit einer überraschenden Wucht aus Hoffnung und Hoffnungslosigkeit getroffen hat, folgt nun am 28. Februar der Bericht der WG II.

Dieser wird sich mit den Folgen des Klimawandels, Anpassung und Verwundbarkeit beschäftigen. So viele Fakten so gut, doch wie genau wird der neue Teil des 6. IPCC Berichts unser Handeln und den Blick auf die Zukunft verändern?

Alle zwei Wochen melden sich Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future in einem Gastbeitrag bei watson zu Wort, um zu zeigen: Wir können noch etwas gegen den Klimawandel tun – wenn wir jetzt ...
Alle zwei Wochen melden sich Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future in einem Gastbeitrag bei watson zu Wort, um zu zeigen: Wir können noch etwas gegen den Klimawandel tun – wenn wir jetzt handeln.

Dass die Klimakrise da ist und die Welt fest in ihren Krallen hält, ist keine Überraschung. Jedoch trifft uns die Klimakrise ungleich.

Schon jetzt müssen Teile der Welt mit den verheerenden Folgen der Klimakatastrophe umgehen, während für die meisten Menschen in Deutschland das größte merkliche Problem die schneelosen Winter sind. Genau dieses Problem wird auch der neue IPCC Bericht aufzeigen, wahrscheinlich mehr als jeder andere zuvor. Doch nicht nur das.

Was vom IPCC zu erwarten ist

Während der Bericht der WG I mithilfe der pragmatischen Stützen der Naturwissenschaft aufgezeigt hat, was wie schnell sich erhitzen wird, wenn wir unser Handeln nicht konsequent verändern, ist der Bericht der WG II eine Ausschau nach allen potenziellen Konsequenzen, die wir durch unser Handeln verantworten müssen.

Zentrale Fragen wie "Was könnte passieren, wenn sich zu wenig ändert?", aber auch "Wie können wir uns an die schon jetzt unvermeidbaren Folgen anpassen?" werden den Bericht dominieren. Beim Lesen solcher Nachrichten bleibt einem nichts anderes übrig, als mit einem mulmigen Gefühl sich zu fragen, was nun zu tun ist.

"Ein Hoffnungsträger sollte bei solchen Dilemmas eigentlich die Politik sein. Eine Politik, die das Leid in der Welt erkennt und sich an den Menschen orientiert, oder?"

Ein Hoffnungsträger sollte bei solchen Dilemmas eigentlich die Politik sein. Eine Politik, die das Leid in der Welt erkennt und sich an den Menschen orientiert, oder?

Der IPCC Bericht zeigt, dass wenn wir nichts an unserem Handeln ändern, wir auf eine Erderwärmung von 2,4- 2,7 °C zusteuern, während das Maximum einer noch intakten Welt bei einer Erwärmung von unter 1,5 °C liegt. Bei dieser erschreckenden Aussicht ist anzumerken, dass auch die Ampel, welche doch zu Amtsantritt als so fortschrittlich deklariert wurde, mit ihrer Politik zu solch einer Entwicklung beiträgt.

"Wir brauchen ein konsequentes und schnelles Handeln. Das nächste Jahrzehnt wird alles entscheiden."

Klar ist: Wir brauchen eine radikale Reduktion der Emissionen, als oberstes Ziel der deutschen Politik. Das wissen wir auch ohne den nächsten Montag erscheinenden IPCC. Das wissen wir seit Jahren. Wir brauchen ein konsequentes und schnelles Handeln. Das nächste Jahrzehnt wird alles entscheiden.

Was sich gerade nur nach dramatischer Rhetorik anhört, ist die bittere Wahrheit und zeigt, dass wir nur noch diese eine Chance haben. Die Ampelkoalition hat mit ihren vier Jahren Amtszeit nicht nur eine große, sondern die größtmögliche Entscheidungskraft, die eine Gruppe in Deutschland, bezüglich unserer Zukunft je wieder haben wird.

Charlotte Huth, 19 Jahre, macht nach dem Abitur derzeit ein freiwilliges pädagogisches Jahr in Leipzig.
Charlotte Huth, 19 Jahre, macht nach dem Abitur derzeit ein freiwilliges pädagogisches Jahr in Leipzig.

Auch wenn das Verhalten der Deutschen darauf schließen mag, dass das Wohlergehen von Menschen in anderen Teil der Welt egal ist, ist anzumerken, dass auch Deutschland weit mehr droht, als schneelose Winter. Unsere Wälder sterben, die Sommer werden heißer und trockener, bringen viele Hitzetode und landwirtschaftliche Ausfälle mit sich. Hochwasser wie die Katastrophe im Ahrtal werden leider keine Seltenheit bleiben.

All dies wird uns am Montag wieder als große Neuigkeit verkauft werden. Überall wird über die Dramatik der Botschaften gesprochen werden, doch nach spätestens drei Tagen wird das Interesse abgeklungen sein. Und genau darin liegt das Problem.

Die Klimakrise und wie oft und intensiv wir uns mit ihr beschäftigen ist nichts, was man einen Tag lang hochhalten darf und danach wieder vergisst. Wir müssen also Wege finden, uns jeden Tag mit ihr auseinanderzusetzen. Die Bevölkerung muss bei jeder Regierungsentscheidung den Verantwortlichen auf die Finger gucken und ihre Taten dahingehend prüfen, ob sie Emissionen senken oder nicht.

"Das Thema muss, entgegen der medialen Logik, jeden Tag aufrechterhalten werden."

Das Thema muss, entgegen der medialen Logik, jeden Tag aufrechterhalten werden, doch das wird nicht passieren, wenn nicht immer wieder auf unterschiedliche Weise darauf aufmerksam gemacht wird. Nicht nur, wenn ein IPCC Bericht veröffentlicht wird.

Am Montag werden wir aufs Neue sehen, dass der Kampf für unsere Zukunft und vieler Menschen Gegenwart keinen Feierabend hat und das Bangen sich keine Pause nimmt. Dass wir weiter laut sein werden, ungemütlich bleiben und gemeinsam für das einstehen, was oberste Priorität haben muss, und zwar einen Planeten Erde, auf dem man hoffentlich noch viele Jahrhunderte leben kann.

Die Klimakrise mag einen zwar meist mit ihrer ganzen Frustration überwältigen, scheint uns mit ihrer Kraft umzuhauen. Doch auch wir haben Kraft und werden diese weiterhin einsetzen.

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