Bei der Produktion von Autos rückt der Umwelt-Aspekt immer weiter in den Vordergrund.
Bei der Produktion von Autos rückt der Umwelt-Aspekt immer weiter in den Vordergrund.Bild: iStockphoto / Dejan_Dundjerski
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Hanf und Fischernetze: Wie die Autoproduktion nachhaltiger wird

10.09.2022, 11:34

Ananasfasern für die Sitze, Kapok-Nüsse im Stoff und Fußmatten mit alten Fischernetzen: Inzwischen kommen Autohersteller auf immer neue Ideen, um die Produktion von Autos nicht nur unter wirtschaftlichen, sondern auch unter Aspekten des Umweltschutzes nachhaltiger zu machen.

Zum Beispiel mit Fischernetzen: Nach Angaben von Healthy Seas, einer Non-Profit-Organisation, die die Meere von Müll befreien will, landen jährlich schätzungsweise 640.000 Tonnen Fischernetze im Meer, wo sie für Tiere zur tödlichen Gefahr werden können.

640.000 Tonnen Fischernetze landen jährlich im Meer

Bis diese in Fußmatten verarbeitet im Auto liegen, durchlaufen sie einen langen Prozess: Berufstaucher Derk Remmers geht dafür mit Gleichgesinnten mehrmals im Jahr ehrenamtlich für die Non-Profit-Organisation Ghost Diving auf die Suche nach Geisternetzen, verloren gegangenen Fischernetzen.

Nach den Tauchgängen werden die Netze an Land gereinigt, getrocknet und schließlich geschreddert. Das Granulat geht dann an Aquafil, ein Unternehmen, das sich auf die Verarbeitung von sogenannten Rezyklaten spezialisiert hat.

Als Rohstoffe dienen Netze ebenso wie Teppichreste. Am Ende der Produktionskette entsteht ein Nylon-Stoff, der später zum Beispiel zu Fußmatten verarbeitet wird. Die CO₂-Emissionen bei Aquafil fallen um rund 80 Prozent geringer aus als bei der herkömmlichen Produktion von Nylon auf Erdölbasis.

Die Vorteile von "Rezyklaten" im Fahrzeugbau

Im Fahrzeugbau bieten nachhaltige Werkstoffe und Recyclate mehrere Vorteile, wie Roberto Rossetti, Verantwortlicher für CO₂-Kalkulation und Sekundärrohstoffquote bei BMW, erklärt: Neben der CO₂-Einsparung zählten dazu Festigkeit, Gewichtsreduzierung und Nachhaltigkeit. Derzeit setze BMW pro Fahrzeug eigenen Angaben zufolge etwa 30 Prozent recycelte Materialien ein, das Ziel sind 50 Prozent.

BMW entwickelt neue Recyclingmöglichkeiten und neue Materialien – zum Beispiel das Material Deserttex, das unter anderem auf Kaktusfasern basiert und künftig als Lederersatz dienen könnte.

Geschredderte T-Shirts und PET-Flaschen

"Natürliche Materialien sind interessant, weil sie in der Wachstumsphase CO2 aufnehmen und Sauerstoff emittieren. Nachwachsende Rohstoffe können dabei außerdem das Gewicht um 30 Prozent gegenüber herkömmlichen Materialien reduzieren", sagt BMW-Experte Rossetti.

Auch bei Volkswagen werden neben CO2-ärmerem Stahl neue Materialien verwendet, darunter Flachs, Hanf, Kenaf, Zellulose, Baumwolle und Hölzer. Für die Sitzoberflächen und Türverkleidungen verwendet VW einen Mix aus recycelten PET-Flaschen und geschredderten T-Shirts.

Mazda setzt indes beim MX-30 im Innenraum Kork ein. Auch Mercedes will innerhalb der nächsten zehn Jahre den Anteil von Recyclaten in den Fahrzeugen auf durchschnittlich 40 Prozent erhöhen.

(sb/dpa-tmn)

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