Wer an den Feiertagen vegane Gäste empfängt, kann fleischfreie Alternativen zu Schweinebraten und Entenbrust servieren.
Wer an den Feiertagen vegane Gäste empfängt, kann fleischfreie Alternativen zu Schweinebraten und Entenbrust servieren.Bild: iStockphoto / SeventyFour
Nachhaltig

Braten, Rouladen, Ente und Raclette: So schmecken die veganen Alternativen zu den beliebten Weihnachtsklassikern

21.12.2021, 16:4921.12.2021, 17:41

Vegane Ernährung ist nicht nur ein Trend, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Macht man es richtig, ist die pflanzliche Ernährungsweise gesund, rettet tausenden Tieren das Leben und schützt das Klima. Doch gerade an den Feiertagen kann das Familienessen für Veganerinnen und Veganer zur Herausforderung werden. Denn das, was in Deutschland meistens an Weihnachten aufgetischt wird, ist alles andere als vegan.

Auch 2021 – ein Jahr, das von zahlreichen durch den Klimawandel ausgelösten Naturkatastrophen und Extremwetterlagen geprägt war – ist Fleisch und Geflügel im Hauptgang des Weihnachtsessens für viele Menschen unverzichtbar, wie eine Umfrage des Statistik-Portals Statista zeigt:

Dabei sind die Zeiten, in denen man diese Gerichte nicht mit pflanzlichen Alternativen ersetzen könnte, vorbei. Vegan zu essen bedeutet schon lange nicht mehr, ausschließlich bei den Beilagen zugreifen zu können. Ente, Festtagsbraten, Gulasch und Raclette – das geht alles auch fleischfrei!

Ich habe einige Weihnachtsklassiker in ihrer veganen Variante ausprobiert und zeige euch, welche dieser Produkte sich für das klimafreundliche und nachhaltige Feiertagsmenü 2021 wirklich lohnen.

Rosmarin-Rouladen von Wheaty

Rouladen aus Rindfleisch gehören nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Polen und Tschechien zu den Klassikern am Festtisch. Traditionell ist das aufgewickelte Fleisch gefüllt mit einer Mischung aus Zwiebeln, Gurken, Senf und Speck. Die vegane Variante von Wheaty besteht aus Seitan und hat eine leichte Rosmarin-Note.

Die Konsistenz der Rolle ist extrem gut nachgeahmt. Das Seitan-Filet ist eng aufgerollt und lässt sich in der Pfanne knusprig anbraten oder in einem Sud erwärmen. Auch geschmacklich überzeugt die Roulade – und der Rosmarin-Geschmack ist nicht zu dominant. Schade ist allerdings, dass die Roulade nicht gefüllt ist. Eine würzige Füllung hätte der Seitanrolle gutgetan, zumal es nicht schwer gewesen wäre, die klassische Füllung zu veganisieren – den Speck hätte man dafür lediglich mit Räuchertofu ersetzen müssen.

Die Roulade von Wheaty ist nicht nur vegan, sondern auch in Bio-Qualität erhältlich. Vielleicht erklärt sich dadurch auch der Preis: Eine Packung mit zwei Rouladen hat 175g und kostet ungefähr 4 Euro. Das ist nicht wenig – gerade zu den Festtagen wird gerne mehr geschlemmt und eine einzige Packung wird kaum jemanden satt machen. Daher bekommt die Rosmarin-Roulade 3,5 von 5 Punkten.

Ente von Veganz

Der Umfrage von Statista zufolge belegt der Entenbraten den zweiten Platz im Rennen um das beliebteste deutsche Weihnachtsessen. Vegane Alternativen zu Ente gibt es heute nicht mehr nur im Asia-Laden, sondern auch in den heimischen Supermärkten. Bei watson kamen die Festtagsstücke der Marke Veganz auf den Tisch – und sie wurden mit Begeisterung verspeist!

Kurz in der Pfanne angebraten entfaltet das Essen einen aromatischen Duft und Geschmack "wie Ente". Ein bisschen süß – was an der Zugabe von Ahornsirup liegen dürfte – und gleichzeitig würzig schmecken die faserigen Filetstücke. Ob klassisch zu Rotkohl und Klößen mit einer braunen Braten-Sauce (dazu später mehr), oder zu grünen Bohnen mit einer leckeren Himbeersauce – die Alternativ-Ente schmeckt wirklich top!

Anders als manche der anderen getesteten Produkte haben es die Festtagsstücke von Veganz schon in die Regale von Edeka, Rewe und Co. geschafft. Dort kosten sie üblicherweise knapp 6 Euro, die Packung erhält aber immerhin auch 350g. In Kombination mit Beilagen dürfte eine Packung zwei vegane Gäste glücklich machen. Wegen des leckeren Geschmacks, der gut imitierten Konsistenz und der schnellen Zubereitung bekommt die Ente von Veganz die volle Punktzahl.

Veganer Festtagsbraten von Wheaty

Neben der Rosmarin-Rouladen habe ich von Wheaty auch den "Vesttagsbraten" probiert. Das ist eine ziemlich schwere, dicke Seitanrolle, die sowohl in Scheiben angebraten als auch im Ganzen gegart werden kann. Darf man den Bewertungen des veganen Online-Shops Vekoop Glauben schenken, ist der Braten bei vielen Veganerinnen und Veganern beliebt und gehört sogar zum jährlichen Standardrepertoire des Weihnachtsmahls!

Besonders gelobt werden die vielen Variationsmöglichkeiten der Zubereitung. So beschreibt eine Kundin beispielsweise: "Auch in Scheiben gebraten mit Zucchinisalat, total lecker. Selbst kalt als Aufschnitt oder gebraten mit Rührei aus Seidentofu herrlich." Auf der Website von Wheaty präsentiert das Unternehmen auch andere Rezeptideen für seinen Braten.

Ich selbst habe den Braten in dicke Scheiben geschnitten und in einer Pilz-Rahmsauce mit Karotten und Rosmarin im Ofen zubereitet. Er war zwar lecker, hat mich im Geschmack aber zu sehr an Schinken – und nicht etwa an einen herzhaften Braten erinnert. Auch die Konsistenz war etwas fest und nicht faserig. Das Gefühl, dass einem das "Fleisch" im Mund zerläuft, hat man bei diesem Braten jedenfalls nicht.

Eine Alternative zum herkömmlichen Schweinebraten ist der "Vesttagsbraten" für mich persönlich nicht. Und das ist nicht nur Geschmack und Konsistenz, sondern auch dem Preis geschuldet: Der Braten kostet mit seinen 750g stolze 16 Euro. Er bekommt daher für mich nur 2 von 5 Punkten.

Seitan Gulasch von Tofu Nagel

Zugegeben, Gulasch ist nicht das traditionellste deutsche Weihnachtsessen. Doch durch seinen Eintopf-Charakter und die Schärfe, die einem ordentlich einheizen kann, eignet es sich ziemlich gut für den winterlichen Festschmaus. Ich habe von der Marke "Nagel" ein fertiges Seitan-Gulasch gekostet.

"Nagel" ist eine Tofu-Manufaktur, die bereits seit Mitte der 80er Jahre vegane Alternativen aus Soja verkauft. Auf ihrer Website verkündet die Familie Nagel, die hinter dem Unternehmen steht, stolz: "Wir waren schon vegan bevor es cool war." In ihrem Sortiment befinden sich 15 verschiedene Tofu-Varianten, dazu noch diverse andere Produkte mit Tempeh und Seitan.

So sieht das fertige vegane Gulasch aus.
So sieht das fertige vegane Gulasch aus.

Das vegane Gulasch hat eine würzige Soße mit Möhren, Zwiebeln, Gurke und saftigen Seitan-Stückchen. Kurz erwärmt ist es sofort genießbar, ich würde aber empfehlen, es noch mit frischer Paprika aufzupeppen! Die Packung mit 300g kostet 4 Euro, was relativ in Ordnung ist – das Gulasch bekommt 3 von 5 Punkten.

"Wildzauber" von Lord of Tofu

Auf den Orient-Tofu, der eine Alternative zu Wildfleisch darstellen soll, war ich extrem gespannt. Auf der Website des veganen Online-Shops Vantastic Foods wird der "Lord of Tofu" vom Hersteller folgendermaßen beworben: "Die traditionelle Würz-Mischung harmoniert perfekt mit der Marinade aus Karotten- und Zitronensaft, Rotwein, Sultaninen und Rotkraut. Ein deftiger, traditioneller veganer Bratling, der nicht nur Fest- und Feiertage zum Genuss macht."

Man muss seine Erwartungen schon entsprechend anpassen, wenn man den "Wildzauber" probiert, denn das, was auf dem Teller landet, ist nun mal ein Bratling aus Tofu – und kein Stück Wildfleisch. Anders als Seitan ahmt Tofu die fleischige Konsistenz nicht wirklich gut nach. Der Bratling schmeckt zwar lecker, hat mit Fleisch aber wirklich wenig zu tun.

170g von dem orientalisch gewürzten Tofu kosten knapp 3 Euro, damit ist er zwar relativ günstig, überzeugt geschmacklich aber eben leider nicht als Fleischersatz. Deswegen vergebe ich 2 von 5 Punkten.

Dunkle Bratensoße

So gut die Fleischalternativen auch schmecken, das richtige Weihnachtsgefühl entsteht meistens, wenn man sie in Kombination mit Klößen, Rotkohl und einer dunklen Soße verspeist. Bei "echten" Fleischgerichten wird die Soße oft in der gleichen Pfanne gekocht, in der auch das Fleisch gebraten wurde. Bei meiner Oma gibt es an Weihnachten deshalb für mich immer eine kleine Extra-Soße, die nicht mit dem Braten oder den Schweinefilets in Berührung gekommen ist.

Wie leicht es ist, eine dunkle Bratensoße auch vegan zu machen, ist vielen vielleicht gar nicht bewusst. Denn viele der Fix-Produkte, die man verwendet, wenn es mal schnell gehen soll, sind 100 Prozent pflanzlich. Das vegane Online-Portal Vegpool hat praktischerweise eine Übersicht der veganen dunklen Fertigsoßen veröffentlicht.

20g Fertigmischung von Cenovis kosten 1,40 Euro.
20g Fertigmischung von Cenovis kosten 1,40 Euro.
Die 15g Fertigmischung von Vitam kosten 1 Euro.
Die 15g Fertigmischung von Vitam kosten 1 Euro.

Dort sind nicht nur Soßen von Bio-Marken aufgelistet, sondern auch die "Sauce zu Braten" von Maggi. Dem klassischen Festtagsessen steht mit diesem Soßen-Guide nichts mehr im Weg! Ich habe sowohl die "Dunkle Sauce" von Cenovis als auch die "Vegane Bratensauce" von Vitam getestet. Beide schmecken exakt so wie man es von einer klassischen braunen Soße erwartet und lassen sich deswegen uneingeschränkt empfehlen.

Raclette-Käse aus der Schweiz

Als moderner Klassiker ist Raclette auf Platz Nummer 4 der beliebtesten Weihnachtsessen der Deutschen aufgelistet. Kein Wunder – es ist gesellig, das Essen wird nicht kalt, egal wie lange man beisammen sitzt und sich unterhält und jeder Gast kann sich individuell zusammenstellen, was sie oder er am liebsten mag.

Vegan ist es allerdings in der Regel nicht – denn das, was in keinem Pfännchen fehlen darf, ist eine dicke Scheibe Raclettekäse. Der kommt meistens aus der Schweiz, hat einen hohen Fettgehalt und einen würzigen Geschmack. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal einen rein pflanzlichen Raclettekäse im Supermarkt-Regal gefunden – und musste ihn natürlich direkt probieren.

Der womöglich erste vegane Raclettekäse in Deutschland.
Der womöglich erste vegane Raclettekäse in Deutschland.

Die vegane Käse-Alternative namens "Veglette" kommt von dem Schweizer Käsehersteller Strähl Käse AG nach Deutschland und gerade rechtzeitig zu Weihnachten kann sie jetzt bei uns in den Raclette-Pfännchen landen. Ich habe sie allerdings zusammen mit veganen Spätzle von Lidl (große Empfehlung!) zu Käsespätzle verarbeitet. Es war ein veganer Käse-Traum!

Obwohl ich die veganen Scheiben noch nicht im Raclette ausprobiert habe, kann ich sie schon jeder Veganerin und jedem Veganer ans Herz legen, denn sie schmecken herrlich würzig und schmelzen einfach perfekt – und das ist bei veganem Käse eine echte Seltenheit! Das einzige Manko: Eine Packung à 200g kostet 4 Euro.

Fazit: Was kommt auf den Weihnachtstisch?

Wer über die Feiertage zu Familie oder Freundinnen und Freunden fährt und eine vegane Köstlichkeit mitbringen will, sollte zu den Enten-Stücken von Veganz greifen. Dazu eine der zahlreichen veganen braunen Soßen, eine Gemüsebeilage und Spätzle, Klöße oder Kroketten (Peta Zwei hat eine sehr hilfreiche Liste mit veganen Kroketten-Sorten veröffentlicht) und das Weihnachtsessen ist gerettet. Und wer zum Raclette-Essen eingeladen ist, kann mit dem Veglette nichts falsch machen. Guten Appetit!

Ampel-Koalition will Werbung für Fastfood in Kindersendungen verbieten

Süßigkeiten oder Fastfood sollen in Zukunft kein Teil mehr von Werbung in Kindersendungen sein. Auf diesen Beschluss, welcher Teil des Koalitionsvertrags ist, drängt die SPD nun hin. Die Ernährungsexpertin der SPD-Bundestagsfraktion, Rita Hagl-Kehl, äußerte sich gegenüber der Rheinischen Post mit deutlichen Worten: "Kinder sind verletzliche Verbraucher und brauchen deshalb besonderen Schutz."

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