Sport
Bild

Marco Reus und Lukasz Piszczek sind seit Jahren beim BVB dabei. Bild: imago images / Kirchner-Media

Analyse

BVB-Doku auf Amazon zeigt Trauma des Anschlags – so nah waren wir noch nie dran

Ein halbes Jahr wurde Borussia Dortmund in der letzten Saison von einem Kamerateam begleitet. Ein halbes Jahr lang verrieten BVB-Spieler und Manager Persönliches und teilten Privates. Amazon machte daraus unter der Regie des Filmemachers Aljoscha Pause eine vierteilige Dokumentation. Der erste Teil startet am Freitag.

Die Dokumentation beginnt mit einer Beschreibung von BVB-Trainer Lucien Favre, er erklärt seine "Wir müssen das Spiel beherrschen"-Philosophie. Dann springt die Doku sofort ins Trainingslager nach Marbella. Zu einem Zeitpunkt, an dem der BVB die Bundesliga-Tabelle mit sechs Punkten Vorsprung anführte.

Die ersten Gänsehaut-Bilder folgen schnell: Untermalt von dramatischer Musik und emotionalen Aufnahmen von jubelnden Fans, Trainern und Spielern werden Spielausschnitte aus der Bundesliga aneinandergereiht. Einzelne Tore werden gezeigt und von Protagonisten und Journalisten kommentiert.

Die Doku blickt dann in die Vergangenheit zurück, die erhebliche Auswirkungen auf das Team und die derzeitige Gegenwart des BVB hat. "Am Ende war die Erkenntnis, dass wir zu sehr auf spielerische Elemente in der Zusammenstellung der Mannschaft geachtet haben und zu wenig auf den Rest", erklärt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Doku. "Und auch dieser Anschlag auf den Mannschaftsbus hat die Nachfolgesaison viel negativer geprägt hat, als wir uns das selbst in Albträumen hätten vorstellen können."

Der Anschlag als BVB-Trauma

Die Doku bietet einen tiefen Einblick in die Ereignisse des Anschlags auf den Mannschaftsbus am 11. April 2017. Torwart Roman Bürki und BVB-Busfahrer Christian Schulz erzählen von dem Tag. "Wir waren nicht mal hundert Meter gefahren und plötzlich gibt es einen großen Knall, kurz darauf den zweiten und ich sehe Marc Bartra schreien", erzählt Torwart Bürki. "Das waren die schrecklichsten Minuten meines Lebens."

Drei Splitterbomben waren damals von einem Attentäter in einer Hecke positioniert worden. Die Mannschaft saß gesammelt im Fahrzeug, um zum Champions-League-Viertelfinale gegen die AS Monaco zu fahren, als die Bomben hochgingen.

Bild

Die Doku gibt Einblicke in den Mannschaftsbus des BVB. Bild: amazon

Diese Erfahrung prägt einige Spieler bis heute, berichtet Marcel Schmelzer: "Wenn irgendwo etwas runterfällt oder es ein lautes Geräusch gibt, ist es leider immer noch so, dass man etwas mehr zusammenschreckt als früher." Während die Spieler die erschütternden Momente schildern, zeigt Filmemacher Pause immer wieder Schnittbilder aus dem Mannschaftsbus der Gegenwart. Die Doku schafft über zwei Jahre nach dem Anschlag etwas Besonderes: So nah war der Fan noch nie an den Ereignissen des 11. April 2017 dran.

BVB-Boss Watzke beschäftigt sich anschließend mit den Folgen der Ereignisse: "Es hatten uns schon einige vor posttraumatischen Problemen gewarnt, die sich sechs bis acht Monate später einstellen sollten. Und so war es auch". Weiter spricht er von personellen Wechseln, die wegen des Anschlags vorgenommen werden mussten.

BVB-Doku "Inside Borussia" zeigt Auswirkungen des Anschlags

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel musste trotz des DFB-Pokal-Sieges nur wenige Wochen nach dem Anschlag gehen. Die Presse spekulierte damals, dass der Streit der Vereinsführung mit dem damaligen Trainer eskalierte. Tuchel prangerte öffentlich die Entscheidung der Uefa an, schon am kommenden Tag das Viertelfinale gegen die AS Monaco nachholen zu müssen. "Unmenschlich", nannte er die Entscheidung, der die BVB-Bosse aus Mangel an Alternativen zugestimmt hatten.

Innenverteidiger Marc Bartra, der sich bei dem Anschlag am schlimmsten verletzt hatte und wegen eines Handgelenkbruchs ins Krankenhaus musste, konnte durch das Trauma nie wieder zu alter Form finden und wechselte fast ein Jahr später zurück in seine Heimat Spanien.

"Du hast dann gemerkt, bei welchen Spielern es ging und bei welchen es vielleicht auch besser war, das Umfeld zu tauschen", erklärt Watzke die Situation in der Doku und gesteht Fehler ein. "Deswegen haben wir dann auch einen sehr großen Schnitt gemacht. Vielleicht hätte man das auch ein Jahr früher machen können."

Der Trailer zur BVB-Doku:

abspielen

Video: YouTube/Prime Video DE

Am Ende gelingt den Doku-Machern noch ein besonderer Moment

Auf diesen emotionalen Höhepunkt der Dokumentation folgen ein geschichtlicher Exkurs in Dortmunds Fußballgeschichte – damit auch die weltweiten Amazon-Zuschauer nachvollziehen können, wie groß dieser BVB in der Region und in Europa tatsächlich ist.

Dazu gibt es spannende Einblicke in eine Spielanalyse der Elefantenrunde mit Watzke, dem externen Berater Matthias Sammer, Sportdirektor Michael Zorc und dem Leiter der Lizenzspielerabteilung Sebastian Kehl. Obendrauf gibt es noch die Transferanalyse des Neuzugangs Leonardo Balerdi, der aus Argentinien zum BVB wechselte. Für Nicht-Fans des BVB könnten die Szenen ziemlich langatmig wirken.

Dortmund, Germany 27.10.2018, 1. Bundesiga, 9. Spieltag, BV Borussia Dortmund - Hertha BSC Berlin , Marco Reus (BVB) verletzt am boden ( DeFodi001 *** Dortmund Germany 27 10 2018 1 Bundesiga 9 Matchday BV Borussia Dortmund Hertha BSC Berlin Marco Reus BVB injured on the ground DeFodi001

Auch Reus Verletzungspech spielt eine große Rolle in der Doku. Bild: imago sportfotodienst / DeFodi

Neben ausgiebigen Lobgesängen auf Spieler wie Axel Witsel und Jadon Sancho nimmt die Folge zum Ende hin noch mal Fahrt auf. Reus tritt vor die Kamera, erzählt von seinen Verletzungsrückschlägen und dem Weg zurück an die Spitze. "Die Verletzungen waren ein schwieriges Unterfangen für mich, auch vom Kopf her", sagt Reus, während er zur intensiven Knie-Massage beim Physiotherapeuten des BVB auf der Liege sitzt. "Trotzdem sind es nur Verletzungen, manchen geht es noch schlechter." Und Reus betont, dass die Blessuren sehr lehrreich für ihn waren: "Ich bin fest im Leben angekommen." Er meint damit seine private Situation: Reus wurde Ende März Vater.

Der erste Teil der Dokumentation endet mit der spielerischen und emotionalen Aufarbeitung der Niederlage im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen. Aufnahmen, die bei Fans zu einem erhöhten Puls führen. Die richtig großen Überraschungen und beeindruckenden Bilder bleiben allerdings aus. Dafür dürften jedoch die kommenden Folgen sorgen.

Wer den ersten Teil der vierteiligen Doku "Inside Borussia Dortmund" mit allen Details schauen will, kann dies ab Freitag, dem 16. August, bei Amazon Prime tun. Jeden Freitag wird eine Folge veröffentlicht.

Torwarte, die fliegen können

Was im Sport gerade noch alles wichtig ist:

Hilft jetzt nur noch ein Preis? Neuer und ter Stegen für neue Trophäe nominiert

Link zum Artikel

"Andy Möller Hurensohn" – was hinter dem Frankfurt-Banner gegen den Ex-Star steckt

Link zum Artikel

Torwart-Zoff: Hoeneß hat mit einer Sache recht – doch er wird dem FC Bayern schaden

Link zum Artikel

In der 67. Minute gegen Barca: Stadiondurchsage des BVB ist ein cleverer Trick

Link zum Artikel

Regisseur der BVB-Doku verrät, was in der Kabine passierte und warum Reus ihn beeindruckte

Link zum Artikel

2 Handelfmeter? Darum gab es für die DFB-Elf gegen Nordirland keinen Videobeweis

Link zum Artikel

Löw nominiert Kader – und der beste deutsche Stürmer ist wieder nicht dabei

Link zum Artikel

Nur 5 Bayern-Tore, aber 6 Scorer-Punkte: Lewandowski führt "unmögliche" Statistik

Link zum Artikel

FC Bayern verzockt sich bei Timo Werner – dabei soll alles schon klar gewesen sein

Link zum Artikel

Ibrahimovic zerstörte van der Vaart und wurde mit einem Tor zum Weltstar

Link zum Artikel

Lachnummer Salihamidzic? So schneidet er im Vergleich zu seinen Vorgängern ab

Link zum Artikel

Diese deutschen Stadien gibt es bei FIFA 20 – vier aus der 2. Liga sind auch mit dabei

Link zum Artikel

Unions Neven Subotic fährt nach dem Spiel mit der S-Bahn nach Hause – nicht zum ersten Mal

Link zum Artikel

HSV hat heute seinen letzten Spitzenplatz verloren – ausgerechnet an Werder

Link zum Artikel

Eintracht hip, Gladbach raucht, FCB ganz schlicht: Die neuen Bundesliga-Trikots im Ranking

Link zum Artikel

"Hunderte Dinge haben mich genervt" – Dieser Fan boykottiert seit einem Jahr Fußball

Link zum Artikel

Weniger Zeitspiel bis neue Handregel: Das sind die neuen Fußball-Regeln

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Darum feiern die BVB-Fans Schmelzer als "Man of the Match" – obwohl er nicht spielte

"Wer wird deutscher Meister? BVB Borussia!", sangen die tausenden BVB-Fans im Berliner Olympiastadion am Samstagabend. Beinah das halbe Rund hatten sie in Schwarz-Gelb getaucht. Sie alle träumten nach dem 3:2-Last-Minute-Sieg gegen Hertha weiter von der Meisterschaft – und erklärten einen Ersatzspieler zum "Man of the Match". Was sich abstrus anhört, ist eine sehr feinfühlige Analyse.

Während im Stadion die BVB-Anhänger das ganze Team bejubelten, feierten die BVB-Fans in den sozialen …

Artikel lesen
Link zum Artikel