Noch nicht ganz scharf: Der 16-jährige BVB-Stürmer Youssoufa Moukoko (l.) schoss im Jugendbereich alles kurz und klein, muss sich aber noch an den Seniorenbereich gewöhnen. Erling Haaland (r.) ist aktuell verletzt. Kann Moukoko ihn schon würdig vertreten?
Noch nicht ganz scharf: Der 16-jährige BVB-Stürmer Youssoufa Moukoko (l.) schoss im Jugendbereich alles kurz und klein, muss sich aber noch an den Seniorenbereich gewöhnen. Erling Haaland (r.) ist aktuell verletzt. Kann Moukoko ihn schon würdig vertreten?
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Analyse

Sturm-Zwickmühle: Das hausgemachte BVB-Problem mit Youssoufa Moukoko

12.12.2020, 11:52

Nach zwei Spielen ohne Sieg will Vizemeister Borussia Dortmund am Samstagnachmittag (15.30 Uhr/Sky) gegen Aufsteiger VfB Stuttgart in der Liga wieder in die Erfolgsspur zurückkehren.

BVB-Trainer Lucien Favre warnte vor dem bisher frech aufspielenden Aufsteiger, der nach zehn Spieltagen einen respektablen achten Tabellenrang belegt: "Sie haben viel Power und Durchschlagskraft vorne. Sie sind extrem gefährlich", sagte Favre und fügte an: "Wenn man gegen sie gewinnen will, muss man eine Top-Leistung bringen."

BVB: Viele Verletzungen vor dem Bundesliga-Spiel gegen VfB Stuttgart

Das wird gar nicht so einfach. Für das Stuttgart-Spiel und die anvisierte "Top-Leistung" fehlen der Borussia einige Top-Akteure. Wie so viele Klubs hat der BVB in der terminlich fordernden Corona-Saison Personalsorgen. Die wurden auch nach dem Champions-League-Spiel am Dienstag in St. Petersburg nicht besser.

Was war denn da los? Axel Witsel liegt hier zwar am Boden, ist aber fit.
Was war denn da los? Axel Witsel liegt hier zwar am Boden, ist aber fit.
Bild: imago images / Maksim Konstantinov

Beim 2:1-Erfolg gegen den russischen Meister Zenit musste Trainer Favre Abwehrchef Mats Hummels und Offensivallrounder Thorgan Hazard in der Schlussphase angeschlagen auswechseln. Was Hummels betrifft, besteht immerhin die Hoffnung, "dass Mats rechtzeitig rausgegangen ist und am Samstag gegen Stuttgart spielen kann", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc den "Ruhr Nachrichten". Auch bei Raphael Guerreiro, der gegen Zenit passen musste, stehen die Chancen gut, dass er rechtzeitig fit wird.

Bei Hazard hingegen sieht es nicht so aus, als könnte er gegen die Schwaben mitwirken. Ebenso wird Innenverteidiger Manuel Akanji laut Informationen der Zeitung definitiv fehlen. Angeschlagen sind außerdem die Defensivspieler Thomas Meunier, Marcel Schmelzer und Mateu Morey sowie die Mittelfeldmänner Thomas Delaney und Mahmoud Dahoud.

BVB: Besonders der Ausfall von Erling Haaland bereitet Sorgen

Während Favre in Abwehr und Mittelfeld noch ein paar fitte Spieler zur Auswahl stehen, wiegt vor allem der Ausfall von Mittelstürmer Erling Haaland schwer. Aktuell laboriert er an einem Muskelfaserriss, er ist im Jahr 2020 keine Option mehr.

Mann im Spiegel: Ein zweiter Haaland? Schön wär's für Dortmund.
Mann im Spiegel: Ein zweiter Haaland? Schön wär's für Dortmund.
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Der 20-jährige Norweger ist erstens extrem wichtig für die Borussia. Ein Blick auf seine Quote genügt, um zu verstehen, warum: Acht Bundesligaspiele, zehn Tore. Sechs Champions-League-Spiele, vier Tore.

Zweitens hat Borussia Dortmund keinen, der den "Zauber-Erling" eins zu eins ersetzen könnte. Wer am Samstag in vorderster Front spielen soll, ließ Favre vor der Partie gegen den VfB noch offen: "Wir werden sehen, wer gegen Stuttgart vorne spielt", formulierte der BVB-Coach in seiner gewohnt zurückhaltender Art.

Vielleicht er hier?

Hoffnungsträger beim BVB: Youssoufa Moukoko könnte gegen Stuttgart in der Startelf stehen.
Hoffnungsträger beim BVB: Youssoufa Moukoko könnte gegen Stuttgart in der Startelf stehen.
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Zuletzt experimentierte Favre mit Marco Reus, Julian Brandt und Thorgan Hazard im Sturmzentrum. Mit mäßigem Erfolg. "Die drei Spieler sind keine richtigen Stürmer, das weiß man", erklärte Favre.

Der einzige richtige "Neuner" im BVB-Kader ist eben Haaland. Am ehesten kommt für die zentrale Position im Angriff das 16-jährige Top-Talent Youssoufa Moukoko infrage, der zuletzt bis zu seiner Bundesligapremiere in drei U19-Bundesliga-Partien zehn Tore (!) und im Jugendbereich auch sonst alles kurz und klein schoss. Daher ist auch der erste Startelf-Einsatz Moukokos gegen Stuttgart nicht ausgeschlossen.

Immerhin beantragte der BVB bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wegen Moukoko, dass die Altersgrenze für Profis herabgesetzt wird, die DFL gab dem statt. In Dortmund halten sie große Stücke auf den deutschen U20-Nationalspieler, der in Yaoundé, Kamerun, geboren wurde.

"Wir haben uns dazu entschieden, Moukoko langfristig aufzubauen und nicht auszubremsen, indem wir ihm einen weiteren Spieler vor die Nase setzen", sagte BVB-Sportchef Zorc den "Ruhr Nachrichten". Das ehrt Borussia Dortmund und passt auch zur Vereinsphilosophie der BVB-Talentfabrik.

Das Potenzial des Teenagers ist schon jetzt offensichtlich. Moukoko wird, wenn alles glattläuft, mal einer der besten Stürmer Deutschlands, da sind sich die Experten einig: Beidfüßig, abschlussstark, athletisch; gute Ballkontrolle, tolles Dribbling, große Explosivität. Er ist zwar mit 1,79 Meter nicht der Größte und nicht sonderlich kopfballstark... Aber er wächst ja vielleicht noch, er ist ja erst 16...

Doch die Perspektive, die der BVB Moukoko bietet, hat auch einen Haken.

Moukoko hat das Potenzial, Haaland irgendwann ersetzen zu können. Aber aktuell kann er es noch nicht

Favre versucht Moukoko zwar schon langsam aufzubauen: Fünf Minuten gegen Hertha, 23 gegen Köln, eine Halbzeit gegen Frankfurt, dann wieder 32 Minuten in der Champions League gegen Zenit St. Petersburg. Doch in seinen bislang knapp über 100 Profiminuten konnte man sehen, dass der Sprung vom Jugend- in den Seniorenbereich doch ganz schön groß ist.

Frankfurts Verteidiger Martin Hinteregger (2.v.l.) ist dann doch nochmal ein anderes Kaliber als wahrscheinlich jeder Abwehrspieler in der U19-Bundesliga. Moukoko (l.) scheint überrascht von dessen Wucht.
Frankfurts Verteidiger Martin Hinteregger (2.v.l.) ist dann doch nochmal ein anderes Kaliber als wahrscheinlich jeder Abwehrspieler in der U19-Bundesliga. Moukoko (l.) scheint überrascht von dessen Wucht.
Bild: imago images / Jan Huebner

"Mouki", wie ihn die BVB-Kollegen im Training rufen, brachte nach seinen Einwechslungen immer Schwung ins Spiel, aber er ist noch kein Gamechanger auf Top-Niveau. Es erscheint fraglich, ob er die Rolle als zentraler Stürmer schon als Startelfspieler erfüllen kann. Der BVB steckt nun möglicherweise ein wenig in der Sturm-Zwickmühle. Nicht zum ersten Mal, die Geschichte holt Borussia Dortmund ein.

Borussia Dortmund in fast der gleichen Zwickmühle wie vor einem Jahr, bevor Haaland kam

Es ist ein ähnliches Dilemma wie knapp vor einem Jahr, bevor der BVB Erling Haaland im Januar-Transferfenster von Red Bull Salzburg für 20 Millionen Euro nach Dortmund holte.

Nachdenklich: Hans-Joachim Watzke bei einem TV-Auftritt im ZDF ("Aktuelles Sportstudio").
Nachdenklich: Hans-Joachim Watzke bei einem TV-Auftritt im ZDF ("Aktuelles Sportstudio").
Bild: www.imago-images.de / Martin Hoffmann Berliner Str.31

Im November 2019 räumte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf der Jahreshauptversammlung ein, dass man Fehler in der Transferpolitik gemacht habe. "Auch wenn noch nicht jeder sein volles Potenzial abruft, haben wir einen Fehler gemacht", gab Watzke damals zu und sprach das aus, was auch viele BVB-Fans dachten: "Wir hätten eine zweite 'Neun' verpflichten sollen. Das haben wir falsch analysiert – aber mehr als das einzugestehen, können wir nicht machen."

Watzke ging damit auf die fehlende Durchschlagskraft in der Offensive ein. Im November 2019 hatte Dortmund nämlich auch nur einen Mittelstürmer namens Paco Alcácer. Und ansonsten nur Brandt, Sancho, Hazard und damals auch noch Mario Götze, die hier und da als "falsche Neun" agierten, wo aber ihre eigentlichen Fähigkeiten jeweils verpufften. Also legte man nach und holte Haaland.

Vielleicht hätte der BVB auch in diesem Sommer einen weiteren Stürmer verpflichten sollen. Einen, der keine Spielpraxis mehr sammeln muss, und einen Haaland-Ausfall eher abfedern kann als Moukoko. Aus der Ferne ist das aber alles leicht gesagt, die Corona-Pandemie und deren finanzielle Auswirkungen auf die Fußballklubs spielen da sicher auch eine Rolle, warum es eben keinen "zweiten Haaland" im Kader von Borussia Dortmund gibt. Vielleicht ist es auch gar nicht so leicht, einen Stürmer mit entsprechender Qualität zu rekrutieren, wenn die Jobbeschreibung lautet, dass man wahrscheinlich nur spielen wird, wenn Haaland mal nicht kann.

Aber Zorc will keinen Backup verpflichten, damit er Moukoko niemanden vor die Nase setzt

Und, wie Zorc sagte, wollte und will man ja ohnehin Moukoko niemanden "vor die Nase setzen". Das soll, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als man Alcácer Haaland vor die selbige setzte, also auch in diesem Winter nicht geschehen. Zorc hat einen Backup-Transfer bereits ausgeschlossen.

Lucien Favre mit Youssoufa Moukoko: Noch viel lernen du musst!
Lucien Favre mit Youssoufa Moukoko: Noch viel lernen du musst!
Bild: SVEN SIMON - Juergen Fromme - Fi / imago images

Der Sportdirektor der Borussia empfindet die Diskussion um Dortmunds Angreifer ohnehin als "müßig", da einer wie Haaland gar nicht zu ersetzen sei. Favre soll Youssoufa Moukoko weiter fordern, und vor allem: fördern.

Und wie wir Borussia Dortmund und die Arbeit von Lucien Favre (und Moukokos Torausbeute im Jugendbereich) in der Vergangenheit erlebt haben, stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass der Teenager Moukoko bald auch in der Bundesliga für Furore sorgen kann. Denn auch Jadon Sancho wirbelte bereits sehr erfolgreich als Teenie mit 17 für Dortmund, so wie auch jetzt Jude Bellingham mit 17 und Giovanni Reyna mit 17.

Gegen Stuttgart bekommt Moukoko seine nächste Chance, sich zu beweisen. Vielleicht sogar in der Startelf.

Reha in Katar: Haaland auf dem Weg der Besserung

Und 2021 ist auch Haaland wieder an Bord. Im ersten Spiel des neuen Jahres soll er wieder zur Verfügung stehen. Nach der kurzen Weihnachtspause trifft der BVB am 3. Januar auf den VfL Wolfsburg. Aktuell weilt Haaland in Katar, um sich von seiner Verletzung zu erholen. "Es war sein Wunsch, die Reha dort zu absolvieren. Er ist von Experten umgeben, die sich rund um die Uhr dort um ihn kümmern können", sagte Zorc am Donnerstag und stellte noch einmal klar: "Wir haben dem zugestimmt."

Vor Weihnachten soll er zurück nach Dortmund kommen. Angst vor einer möglichen Corona-Infektion Haalands hat der Bundesligist nicht. "Wir gehen davon aus, dass er sich dort an die geltenden Hygieneregeln hält", erklärte Zorc und vertraut auf die Professionalität des 20-Jährigen.

(as/mit Material von sid und dpa)

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Gelbe Wand gegen Südkurve.Echte Liebe gegen Mia san Mia.Tabellenführer gegen Rekordmeister. 

Aber eigentlich wollt ihr das ja gar nicht alles nochmal lesen, sondern nur Witze hören, die flacher sind als Arjen Robbens Heimat. Und nein, das ist noch einer der besseren gewesen...😂

Hier habt ihr sie – auf eigene Gefahr.

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