Dortmunds Neuzugang Donyell Malen (r.) geht an Wiesbadens Gino Fechner vorbei.
Dortmunds Neuzugang Donyell Malen (r.) geht an Wiesbadens Gino Fechner vorbei.
Bild: Revierfoto / Revierfoto
Analyse

Bereits einmal im Ausland gescheitert: So viel Risiko geht der BVB mit Neuzugang Malen ein

14.08.2021, 11:19
von constantin eckner

Borussia Dortmund hat sich in diesem Sommer sehr zögerlich auf dem Transfermarkt gezeigt. Die meisten Transfergerüchte und -schlagzeilen bezogen sich auf den zu erwartenden Abgang von Jadon Sancho. Doch im Gegenzug sicherte sich der BVB zumindest einen talentierten Angreifer: Donyell Malen.

Die Dortmunder wurden schon seit längerem mit dem niederländischen Nationalstürmer in Verbindung gebracht. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Malen hat in den vergangenen drei Jahren gute bis sehr gute Leistungen für PSV Eindhoven abgeliefert, zog aber selten das Interesse der ganz Großen im europäischen Fußball auf sich.

"Arsenal Londons Jugendakademieleiter Andries Jonker kritisierte Malen für sein Übergewicht und mangelnde Motivation."

Ein Schritt zum edelsten aller Ausbildungsclubs wirkt da nur logisch. Dortmund wiederum bedient sich gerne in jenen Ligen, die qualitativ anspruchsvoll sind, aber doch hinter der Bundesliga zurückhängen. Doch reichen Malens Leistungen in der niederländischen Eredivisie als Beweis, dass der mittlerweile 22-Jährige gut genug ist, um sich auch in Deutschland sowie in der Champions League zu behaupten?

Dortmund und PSV mit zähen Verhandlungen

Die Verhandlungen zwischen PSV und Dortmund zogen sich etwas hin, weil sich die Vereine zunächst nicht auf eine Ablösesumme einigen konnten. Trotz des Verkaufs von Sancho und der zugesicherten 85 Millionen Euro, die der BVB über die nächsten Jahre daraus folgend kassieren wird, muss auch der langjährige Bayern-München-Verfolger den Gürtel finanziell enger schnallen. Am Ende stimmte Dortmund der Forderung von 30 Millionen zu – übrigens auch unter Mithilfe des gewieften Spielerberaters Mino Raiola, der nicht nur Erling Haaland, sondern auch Malen betreut.

Erling Haaland (l.) und Donyell Malen werden von Mino Raiola beraten.
Erling Haaland (l.) und Donyell Malen werden von Mino Raiola beraten.
Bild: Kirchner-Media / Kirchner-Media

Raiola war daran interessiert, seinen Mandanten nach Dortmund zu lotsen. Allerdings war er sich zu dem Zeitpunkt wohl schon bewusst darüber, dass der Zugang von Malen nicht einem Abgang von Haaland gleichbedeutend war.

Der Norweger wird aller Voraussicht nach erst im kommenden Jahr für eine festgeschriebene Ablöse den BVB verlassen. In diesem Sommer sah sich kein Club dazu in der Lage, eine derart astronomische Summe zu bieten, um die Dortmunder Verantwortlichen von mit einem frühzeitigen Abgang zu überzeugen.

"Wir haben von vornherein gesagt, dass wir keinen Jadon Sancho bekommen. Aber wir haben jemanden mit viel Qualität bekommen, der auch charakterlich zu uns passt."
Dortmunds-Trainer Marco Rose

Kein Ersatz für Sancho und
kein Zielspieler wie Haaland

Dass Malen jedoch kein Eins-zu-Eins-Ersatz für Haaland sein würde, hatte sich in der Saisonvorbereitung ohnehin schon angedeutet. Denn Dortmunds Neu-Trainer Marco Rose ließ häufig mit zwei Spitzen trainieren und testen. Somit braucht er neben dem norwegischen Torgaranten noch weitere Optionen. Und eine davon wird Malen sein.

Begünstigend kommt hinzu, dass Malen bei PSV – etwa in der vergangenen Saison unter dem deutschen Trainer Roger Schmidt – sehr häufig in einer Zweier-Spitze auflief. Aufgrund seiner Größe (1,79 Meter) und grundsätzlichen Spielweise ist Malen nur bedingt einer, der als Solospitze funktionieren kann.

Der Niederländer ist in jedem Fall kein klassischer Zielspieler, der die Bälle prallen lässt und sie so lange abschirmt, bis die Mitspieler nachgerückt sind. Stattdessen sucht Malen häufig den Weg hinter die Abwehr und möchte steil angespielt werden. Er ist ein Abschlussstürmer und kluger Positionsspieler, aber keine Physis-Maschine wie Haaland.

In einem Zweiersturm würde Malen künftig den Part des driftenden Angreifers übernehmen, der sich zum Flügel oder zwischen den Linien bewegt und jene Räume nutzt, die der Norweger zuvor schafft. Glücklicherweise ist Haaland sehr stark darin, seine direkten Manndecker zu beschäftigen und durch Läufe von ihrer eigentlich vorgesehenen Position zu ziehen.

Harter Konkurrenzkampf in Dortmund

Folglich könnte das Sturmduo Haaland und Malen doch sehr gut funktionieren. Rose jedoch trat frühzeitig auf die Bremse. "Wir haben von vornherein gesagt, dass wir keinen Jadon Sancho bekommen. Aber wir haben jemanden mit viel Qualität bekommen, der auch charakterlich zu uns passt", sagte Rose während der Saisonvorbereitung. Jetzt müsse sich der Niederländer "dem Konkurrenzkampf stellen und sich seine Einsätze verdienen."

Eine Stammplatzgarantie gibt es auf keinen Fall. Im Pokalspiel gegen Wehen-Wiesbaden kam Reservestürmer Steffen Tigges an der Seite von Haaland zum Einsatz. Auch wenn Tigges keine nennenswerte Rolle im Saisonverlauf spielen sollte, ist der Konkurrenzkampf in der Dortmunder Offensive beachtlich.

Marco Reus, Giovanni Reyna und Youssoufa Moukoko lassen sich gewiss nicht ohne Weiteres von Malen abkochen. Neben ihnen stehen auch noch Ansgar Knauff, Thorgan Hazard und Reinier in der Offensive zur Verfügung. Sie alle streiten sich im System von Rose – aktuell einem 4-3-1-2-System – um drei bis vier Positionen. Da Haaland als Top-Star und Reus als Kapitän gesetzt sind, wird die Luft auch für Malen schon etwas dünn.

Jung im Ausland gescheitert

Der Niederländer ist bei seinem ersten Auslandsaufenthalt seiner Karriere gescheitert. 2015 wechselte er, damals schon beraten von Raiola, von der Ajax-Jugend zum FC Arsenal nach London. Arsenals Jugendakademieleiter Andries Jonker kritisierte Malen für sein Übergewicht und mangelnde Motivation. Nach zwei Jahren in der U18 und U23 der Nord-Londoner kehrte er in die Niederlande zurück und setzte sich bei PSV durch.

Rose meint, dass der 30-Millionen-Neuzugang charakterlich zum BVB passe. Allerdings muss Malen nun unter Beweis stellen, inwieweit er auch am Ball bleiben kann, wenn er nicht der große Star einer Mannschaft ist, sondern im besten Fall der starke Partner von Haaland. Die nächsten Wochen werden erste Anhaltspunkte dafür liefern.

Analyse

Erster Sieg, erste Trophäe – "Der Titel ist eine Belohnung für die letzte Saison": Nach holpriger Vorbereitung startet die Nagelsmann-Ära beim FC Bayern erfolgreich

Vor 43 Tagen, am 7. Juli, begann die Ära Julian Nagelsmann beim FC Bayern München. Mit einem Lacher. Auf seiner Antritts-Pressekonferenz wurde er auf die Vertragslaufzeit von fünf Jahren angesprochen. Cool und lachend antwortete der 34-Jährige: "Das bedeutet mir sehr viel, für ein Jahr wäre ich nicht gekommen. Das sind Vorschusslorbeeren, dem möchte ich gerecht werden. Es gibt einem das Gefühl, liefern zu müssen."

Und auch Sport-Vorstand Hasan Salihamidžić war total begeistert bei der …

Artikel lesen
Link zum Artikel