Frenkie de Jong (l.) und Ansu Fati sollen den FC Barcelona in eine glorreiche Zukunft führen.
Frenkie de Jong (l.) und Ansu Fati sollen den FC Barcelona in eine glorreiche Zukunft führen.
Bild: picture alliance / Actionplus
Analyse

Junge Talente statt teurer Stars: So will der FC Barcelona ohne Messi zurück in die Weltspitze

14.09.2021, 12:4214.09.2021, 15:36

"Mes que un Club", steht in großen gelben Buchstaben auf der Gegengerade des Camp Nou, dem Stadion des FC Barcelona. An diesem Dienstagabend tritt der FC Bayern dort zum Auftakt in die neue Champions-League-Saison an. "Mehr als nur ein Klub": Diese Worte standen einmal für die Einzigartigkeit des Fußballs, der in Barcelona gelehrt und gespielt wurde. Viele kurze Pässe, ein variables Positionsspiel, Nachwuchsspieler, die immer wieder ins Team integriert wurden – und über allem thronte Lionel Messi. Doch spätestens seit diesem Sommer gehört das alles der Vergangenheit an.

Ohne Messi und mit einem Schuldenberg in Höhe von 1,35 Milliarden Euro trauern die Katalanen eher der Vergangenheit nach als dass sie Fußball-Europa nach Belieben dominieren.

Denn zu den Topfavoriten auf den Sieg in der Königsklasse gehört Barca schon lange nicht mehr. Nun muss der Klub wieder eine Philosophie verfolgen, die ihn über Jahre groß gemacht hat, doch von der er sich immer weiter entfernt hat.

FC Barcelona: Europäisches Spitzenteam ohne Top-Star

Der FC Barcelona tritt das erste Mal seit 18 Jahren ohne Lionel Messi in der Königsklasse an, doch laut Thomas Müller muss das kein Nachteil sein. "Ich weiß nicht, ob er ihnen fehlt. Denn was natürlich sein kann, ist: Wenn du eine Mannschaft ohne Messi hast, hast du da vielleicht einen Spieler, der von der defensiven Arbeitsrate ein bisschen mehr abspult", sagte der Bayern-Star am Samstagabend bei "Sky".

Denn statt Offensivspektakel herrscht beim FC Barcelona eher Ergebnisfußball. Die Zeiten, als das Sturmtrio Messi, Suaréz, und Neymar das Camp Nou verzaubert hat, sind lange vorbei. Nach Messis Abgang im Sommer zu Paris Saint-Germain verließ am letzten Transfertag mit Antoine Griezman auch noch der letzte internationale Top-Star den Klub und kehrte zu seinem Ex-Verein Atletico Madrid zurück. Dabei lief auch der Franzose bei Barca dauerhaft seiner Form hinterher und war spielerisch absolut verzichtbar.

Die Gegenwart in Barcelona heißt nun Sergio Agüero, Ousmane Dembele, Ansu Fati, Sergino Dest und Martin Braithwaite, doch die fallen gegen den FC Bayern an diesem Dienstagabend (21 Uhr) allesamt aus. In der Offensive muss Trainer Ronald Koeman wohl oder übel seinen niederländischen Landsleuten Memphis Depay und Luuk de Jong vertrauen.

Memphis Depay erzielte in den ersten drei Spielen zwei Tore für Barcelona.
Memphis Depay erzielte in den ersten drei Spielen zwei Tore für Barcelona.
Bild: NurPhoto / Joan Valls

Eigene Jugend? Aber nicht um jeden Preis

Ex-Gladbach-Stürmer de Jong (31 Jahre) spielte zuletzt beim FC Sevilla, doch glänzte dort allerhöchstens als Einwechselspieler. Depay (27 Jahre) fand nach einer unterirdischen Zeit bei Manchester United in den vergangenen Jahren bei Olympique Lyon zu alter Stärke zurück.

Doch aufgrund des Sparkurses, den Präsident Joan Laporta ausgerufen hat, gab Barcelona in diesem Sommer kaum Geld für neue Spieler aus. So kamen auch de Jong und Depay ablösefrei nach Katalonien. Viel mehr setzt Barca nun wieder auf Spieler aus der eigenen und viel gelobten Nachwuchsakademie "La Masia".

"Ich muss ehrlich sagen: Ich kann Barcelona aktuell überhaupt nicht einschätzen."
Bayern Münchens Thomas Müller über die Stärke des
FC Barcelona

Doch dass Barca nicht bereit ist, seine Nachwuchsstars um jeden Preis zu halten, zeigt das jüngste Beispiel um Ilaix Moriba. Der 18-Jährige, der in der vergangenen Saison mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machte, wollte seinen 2022 auslaufenden Vertrag nur für das doppelte Gehalt verlängern.

Präsident Laporta riet ihm, zur Vernunft zu kommen und erklärte: "Er hat noch ein Jahr Vertrag und will die Bedingungen des Vereins nicht akzeptieren. Das akzeptieren wir nicht, wir müssen eine Botschaft an die Jugendmannschaft senden. Er ist ein Spieler, dem wir Chancen gegeben haben, doch der Verein steht über allem." Moriba akzeptierte nicht und wechselte stattdessen für 16 Millionen Euro zu RB Leipzig.

Ilaix Moriba spielt nun für Bayern-Verfolger RB Leipzig.
Ilaix Moriba spielt nun für Bayern-Verfolger RB Leipzig.
Bild: dpa-Zentralbild / motivio

Neues Barca rund um Pedri und
Frenkie de Jong

Ohne Moriba, aber rund um das 18-jährige Supertalent Pedri, das 2019 für 20 Millionen Euro von UD Las Palmas kam, und Mittelfeldmann Frenkie de Jong (24 Jahre), der im gleichen Jahr für 86 Millionen Euro von Ajax Amsterdam geholt wurde, soll ein neues Barcelona entstehen.

"Natürlich haben sie nicht mehr diese Extravaganz, die Messi durch Aktionen hervorruft. Aber sie haben Spieler, die aus dem Schatten, den Lionel geworfen hat, treten können. Ich nenne jetzt mal Frankie de Jong und Pedri, die eine sehr tragende Rolle haben in einem sehr jungen Alter", sagte auch Bayern-Coach Julian Nagelsmann auf einer Pressekonferenz am Montag.

Frenkie de Jong (l./Nummer 21) und Pedri (r.) sind das neue Herzstück in Barcas Mittelfeld.
Frenkie de Jong (l./Nummer 21) und Pedri (r.) sind das neue Herzstück in Barcas Mittelfeld.
Bild: NurPhoto / Joan Valls/Urbanandsport

Wie groß das Vertrauen in Pedri nicht nur beim FC Barcelona, sondern auch in der spanischen Nationalmannschaft ist, zeigen seine 75 Einsätze im Spieljahr 2020/21. Spanische Liga, spanischer Pokal, Champions League, vier Qualifikationsspiele für die U-21-Nationalmannschaft, drei Quali-Spiele für die A-Nationalmannschaft, sechs Spiele bei der EM und ein Testspiel und sechs Partien bei Olympia – Pedri spielte in der vergangenen Saison immer.

"Ich bin nicht müde, ich versuche mich immer zu erholen und es fällt mir nicht schwer zu schlafen. Das hilft mir sehr", sagte der Mittelfeldspieler zu Catalunya Radio. Doch nach seinem Einsatz am ersten Spieltag bekam er zwei Wochen Sonderurlaub, stieg aber bereits drei Tage früher als geplant wieder ins Training ein.

"Sie haben Spieler, die aus dem Schatten, den Lionel geworfen hat, treten können. Ich nenne jetzt mal Frankie de Jong und Pedri, die eine sehr tragende Rolle haben in einem sehr jungen Alter."
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann

Gemeinsam mit DFB-Torwart Marc-André ter Stegen, Kapitän Gerard Pique, Sergio Busquets und auch Jordi Alba hat Trainer Koeman noch immer einen guten, aber keinen wirklich herausragenden Kader.

Ansu Fati als potenzieller
Messi-Nachfolger

In Person von Eigengewächs Ansu Fati gibt es bei Barcelona aktuell sogar einen potenziellen Messi-Nachfolger. Der 18-Jährige zeigte mit fünf Toren und vier Vorlagen in der vergangenen Saison, wie wichtig er für Barcelona sein kann.

Doch dann riss sich Fati im November 2020 den Meniskus. Bei der Heilung traten Komplikationen auf, und der Jung-Star musste dreimal operiert werden. Ende August nahm er erstmals wieder an Teilen des Mannschaftstrainings teil, aber ein Einsatz gegen die Bayern kommt wohl noch zu früh.

Doch trotz der fast einjährigen Verletzungspause hoffen sie beim FC Barcelona auch weiter auf Wunderdinge des jüngsten Torschützen der spanischen Nationalmannschaft aller Zeiten. Schließlich übernahm er im Sommer die frei gewordene Rückennummer 10 von Messi.

Interne und externe Machtkämpfe

Doch der junge Barca-Kern kann sich aktuell nicht komplett auf die sportliche Weiterentwicklung konzentrieren. Noch immer hat der Klub mit den Nachwehen des Messi-Abgangs zu kämpfen. Ligaboss Javier Tebas stichelte in einem Interview gegen Präsident Laporta, dass er den Messi-Abgang hätte verhindern können. "Es war keine rein finanzielle Entscheidung. Das weiß ich mit Gewissheit."

Zudem kritisierte Trainer Koeman Laporta, der in einer Medienrunde über den auslaufenden Vertrag des Trainers gesprochen hatte. Für ihn sei das "inakzeptabel" gewesen. Auf der Pressekonferenz am Montag versuchte Koeman nun die Wogen zu glätten und sprach von einem "perfekten" Verhältnis.

Und so ist sich auch Thomas Müller noch unsicher, auf was für eine Mannschaft er mit dem FC Bayern am Dienstagabend trifft. "Ich muss ehrlich sagen: Ich kann Barcelona aktuell überhaupt nicht einschätzen. Jetzt ohne Messi wird das sicherlich eine andere Mannschaft", sagte Müller nach dem Top-Spiel gegen RB Leipzig am Samstagabend bei "Sky".

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