ARCHIV - 01.12.2022, Katar, Al-Chaur: Fußball: WM, Costa Rica - Deutschland, Vorrunde, Gruppe E, 3. Spieltag, Al-Bait Stadion, Deutschlands Torwart Manuel Neuer reagiert unzufrieden. (zu dpa: ««Kicker ...
Durch die Verletzung von Manuel Neuer muss der FC Bayern nochmal auf dem Transfermarkt aktiv werden.Bild: dpa / Tom Weller
Analyse

Ex-Bayern-Boss Reschke über die Auswirkungen der WM auf den Transfermarkt

02.01.2023, 15:14

Auch auf den Tribünen bei der WM in Katar saßen nicht nur Fußball-Fans aus der ganzen Welt, sondern auch zahlreiche Sportdirektoren, Kaderplaner und Scouts, die sich einen Live-Eindruck von ihren (zukünftigen) Spielern verschaffen wollen.

Denn nur 14 Tage nach dem Abpfiff des Finalspiels ist der Transfermarkt seit dem 1. Januar wieder geöffnet. Die Zeit der wilden Spekulationen und Gerüchte bestimmt aktuell das Fußballgeschehen. Bis zum 31. Januar können Spieler noch den Verein wechseln.

"Es wird in den ersten Januartagen eine Flut an neuen Verträgen geben, die öffentlich werden."
Ex-Bundesliga Manager Michael Reschke

Doch diesmal biete die Situation mit der WM eine Besonderheit: die europäischen Teams haben noch mehr als eine halbe Saison vor der Brust. In England ging es in der Premier League bereits acht Tage nach dem WM-Finale mit den weltbekannten Spielen am zweiten Weihnachtsfeiertag weiter.

Die Bundesliga startet hingegen erst am 20. Januar. Genug Zeit für die Teams, um ihre ersten 15 Saisonspiele genau zu analysieren, Ziele neu zu definieren und die Mannschaft noch einmal zu verstärken.

"Die kommende Transferperiode und die Zeit während der WM wird sehr umtriebig sein. Denn mit der Vielzahl an noch ausstehenden Spielen kannst du die Saison noch korrigieren und in eine neue Richtung lenken", sagt Michael Reschke im Gespräch mit watson.

Der 65-Jährige arbeitete in der Bundesliga für den FC Bayern, Bayer Leverkusen und den VfB Suttgart als Kaderplaner, Manager und Sportchef. Mittlerweile ist er "Head of European Football" in der Spielerberateragentur ICM Stellar, einer der größten Agenturen weltweit.

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Michael Reschke galt als einer der besten Sportdirektoren und Manager in der Bundesliga. Bild: www.imago-images.de / Oliver Ruhnke

Durch den langen zeitlichen Vorlauf von Saisonunterbrechung Mitte November bis zum Wiederbeginn Ende Januar ist Reschke sicher: "Es wird in den ersten Januartagen eine Flut an neuen Verträgen geben, die öffentlich werden."

Doch einen direkten Zusammenhang mit dem Turnier in Katar sieht der ehemalige Bundesliga-Top-Manager nicht. Diese Wechsel würden "unabhängig von dem, was während der WM mit den Nationalspielern passiert" stattfinden, erklärt Reschke. Die Wechselphase wird eher Einfluss auf die Spieler haben, die nicht beim Turnier dabei sind.

WM 2022: Europäischen Top-Klubs sind fast alle Spieler bekannt

Denn schließelich seien bei der WM fast alle Spieler den Vereinsbossen bekannt.

Und selbst bei eher unbekannten Nationalteams aus Asien, Afrika oder Südamerika werden die Vereinsverantwortlichen nur noch selten überrascht. Denn auch sie sind meist schon bei europäischen Top-Teams unter Vertrag.

So gibt es auch hin und wieder Fälle, wie den von James Rodriguez. Der Kolumbianer beeindruckte bei der WM 2014 und wechselte anschließend für 75 Millionen Euro von der AS Monaco zu Real Madrid. Doch das sei eher die Ausnahme.

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James Rodriguez verpasste mit Kolumbien die WM 2022.Bild: imago sportfotodienst / Frank Hoermann/SVEN SIMON

"Es wird auch eine gewisse Aktivität auf dem Transfermarkt durch die WM stattfinden, aber die Hauptbewegung findet abseits der Nationalspieler statt", macht Michael Reschke deutlich.

Wenn zwei oder drei Spieler aus den Top-Nationen Spanien, Frankreich, Deutschland und England während der WM-Phase stattfinden würde, "wäre das viel", sagt der Rheinländer.

WM 2022: Bayern-Bosse schlossen Winter-Transfers eigentlich aus

Und so könnten auch die Bosse verschiedener Bundesligisten bei den WM-Spielen auf der Tribüne sein und für Spekulationen sorgen.

Einen Neuzugang im neuen Jahr sollte es zumindest beim FC Bayern nicht geben. "Wir haben überhaupt keine Notwendigkeit für Wintertransfers", machte auch Bayern-Präsident Herbert Hainer trotz zahlreicher Spekulationen bereits vor der WM deutlich.

"Die Weltmeisterschaft ist eine Börse, in der auch Scouts und Sportdirektoren unterwegs sind, aber mehr in Sachen Netzwerke aufbauen und pflegen und nicht, um die großen Transfers abzuwickeln", erklärt Reschke das Vorgehen vor Ort.

Doch dann verletzte sich Manuel Neuer und die Münchner sind zum Handeln gezwungen. Fast täglich gibt es neue Updates und Gerüchte über die Besetzung der Torwartposition. Gibt es eine Rückholaktion vom verliehenen Alexander Nübel, verpflichtet der Rekordmeister Gladbachs Yann Sommer oder klopfen sie bei Torhütern an, die während des Turniers auf sich aufmerksam gemacht haben wie Kroatiens Livaković oder Marokkos Bono.

WM 2022 hat für Scouts kaum eine Bedeutung

Auf der Suche nach dem nächsten großen Talent oder dem zukünftigen Superstar, sind Turniere wie Welt- oder Europameisterschaften für die Top-Vereine eigentlich kaum von Interesse.

Denn die eigentliche Suche nach Talenten beginnt schon weitaus früher. "Die wichtigen Turniere sind eine U 17 und U 19 Europameisterschaft, eine U 20 Copa América und auch noch die Copa América an sich", sagt Reschke.

Dort entdeckte er zu seiner Zeit bei Bayer Leverkusen gemeinsam mit dem heutigen HSV-Sportdirektor Jonas Boldt auch Arturo Vidal. Der Chilene wechselte 2007 mit 20 Jahren nach Leverkusen und wurde einer der besten Mittelfeldspieler der Welt. Von Juventus Turin lotste ihn Reschke 2015 zum FC Bayern.

"Der Transfer-Weltmarkt ist gläsern, da wirst du selten überrascht. Die Wahrscheinlichkeit, dass du am Ende des Turniers einen Spieler aus Katar verpflichtest, ist gering. Demgegenüber könnte ein Spieler aus Saudi-Arabien für einen Überraschungstransfer gut sein", resümiert er nach dem überraschenden Auftaktsieg der Saudis über Argentinien.

Ex-BVB-Star vor Rückkehr in die Bundesliga – Transfer angeblich schon zugesagt

Mit der TSG Hoffenheim geht es aktuell bergab. In den vergangenen elf Spielen konnten die Kraichgauer gerade mal einen Sieg einfahren. Nach vielversprechendem Saisonstart ist die TSG zum Abschluss der Hinrunde auf Platz 13 abgerutscht. Nur noch drei Punkte trennt das Team von Trainer André Breitenreiter vom Relegationsplatz, auf dem aktuell der VfL Bochum steht.

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