Der neue Bundestrainer Hansi Flick gewann seine ersten drei Länderspiele mit Deutschland.
Der neue Bundestrainer Hansi Flick gewann seine ersten drei Länderspiele mit Deutschland.
Bild: www.imago-images.de / MIS
Analyse

"Neun Punkte aus den drei Spielen waren von uns als Vorgabe gesetzt": Drei Spiele, drei Siege – das macht Hansi Flick besser als Jogi Löw

09.09.2021, 16:4709.09.2021, 19:00

Drei Siege, 12:0 Tore, die Führung übernommen und auf vier Punkte ausgebaut in der Qualifikationsgruppe J zur Weltmeisterschaft: Die Bilanz von Hansi Flick in seiner ersten Woche als Nationaltrainer liest sich gut. Bei den Siegen gegen Liechtenstein (2:0). Armenien (6:0) und am Mittwoch gegen Island (4:0) blieb Deutschland ohne Gegentor. In der DFB-Historie war das bis dahin nur einem anderen Bundestrainer gelungen: Joachim Löw mit Flick als Assistent vor 15 Jahren.

Flick resümierte nach dem 4:0 in Island am Mittwoch: "Neun Punkte aus den drei Spielen waren von uns als Vorgabe gesetzt. Die Mannschaft hat das hervorragend umgesetzt." Der Start beim DFB übertraf sogar die ersten Spiele von Flick bei den Bayern 2019. Damals siegte er auch dreimal, allerdings "nur" mit insgesamt 10:0 Toren.

Dass es in den drei Spielen unter Flick bisher so gut funktioniert hat, liegt an einfachen Gründen.

Flick setzt auf
Bayern-Pressing

Einige Eigenheiten der neuen Spielweise der Nationalmannschaft erinnerten an Flicks Bayern aus den letzten Jahren. Beispielsweise beim frühen Stören der Gegner. Besonders in der Anfangsphase schnürten Serge Gnabry und Co. die Isländer in deren Hälfte ein – ähnlich, wie es unter Flick bei den Bayern auch gespielt wurde.

Der neue Bundestrainer erklärt: "Wir haben versucht, die Gegner früh unter Druck zu setzen und haben damit hohe Ballgewinne gehabt. Da ist der Weg zum Tor natürlich näher." Zur Bayern-Power, auf die Flick setzt, passt auch, dass beispielsweise das 1:0 gegen Island über Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leroy Sané herausgespielt und letztlich durch Gnabry verwandelt wurde – vier Bayern-Spieler, die den Weg zum Sieg ebneten.

Sturm-Trio, Hofmann und Kehrer gefördert

Aber nicht nur taktisch hat Flick die Nationalmannschaft vorangebracht. Auch zuletzt enttäuschende Spieler performen unter dem ehemaligen Bayern-Trainer. Bestes Beispiel: Das Sturm-Trio um Serge Gnabry, Timo Werner und Leroy Sané. Bei der EM im Sommer schossen die drei keinen einzigen Treffer. Nach drei Partien unter Flick stehen sie gemeinsam bei acht Toren.

Leroy Sané (v.l.), Serge Gnabry und Timo Werner jubeln beim Spiel gegen Armenien.
Leroy Sané (v.l.), Serge Gnabry und Timo Werner jubeln beim Spiel gegen Armenien.
Bild: www.imago-images.de / Hansjürgen Britsch

Deshalb beendete Gnabry die zuletzt immer wieder auflodernde Diskussion um einen fehlenden Mittelstürmer im deutschen Fußball. "Die Diskussion brauchen wir nicht wieder zu entfachen. Jede Mannschaft hat gerne einen Brecher. Aber wir haben viele Spieler, die offensiv gut sind und mit Timo und Leroy torgefährliche Spieler", sagte der 26-Jährige nach dem 4:0 in Island. Flick schließt an: "Wir haben einfach versucht, die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ein bisschen anders zu interpretieren. Wir wollen Aktivität auf dem Platz haben." Mit Erfolg!

Denn: Für weitere Aktivität sorgte auch Jonas Hofmann. Flick setzte ihn bei allen drei Spielen auf der Rechtsverteidigerposition ein. Dort hatte er vorher in seiner Karriere noch nicht gespielt. Machte aber nichts. Hofmann agierte defensiv stabil und übte immer wieder Druck nach vorne aus, entfaltete dadurch Gefahr.

"Aber ich kann auch mal einen herausheben, der alle drei Spiele praktisch durchgespielt hat: Thilo Kehrer. Ob als Linksverteidiger oder auf der Innenverteidigerposition – er ist einfach flexibel einsetzbar, er ist topfit."
Bundestrainer Hansi Flick über Thilo Kehrer

Gleichzeitig konzentrierte sich sein Gegenpart auf der linken Seite, Thilo Kehrer, hauptsächlich auf die Abwehr-Arbeit. Formte gegen Armenien beispielsweise mit Niklas Süle und Antonio Rüdiger eher eine Dreierkette gegen potentielle Konter der Armenier. Für seine Einsätze in der ersten Flick-Woche als Bundestrainer bekam Kehrer ein Sonderlob.

Flick sagte euphorisch: "Aber ich kann auch mal einen herausheben, der alle drei Spiele praktisch durchgespielt hat: Thilo Kehrer. Ob als Linksverteidiger oder auf der Innenverteidigerposition – er ist einfach flexibel einsetzbar, er ist topfit. Er macht einen sehr guten und sehr selbstbewussten Eindruck. Wir haben Alternativen auf jeder Position, das ist schön."

Noch dazu machte Kehrer durch seine offensiv zurückhaltende Spielweise auf der linken Seite die Leistungssteigerung von Leroy Sané wohl erst möglich. Der Bayern-Spieler hatte dadurch die gesamte Seite für sich und konnte sein Potential voll entfalten und mit zwei Toren, einer Vorlage und starken Leistungen zu den Siegen beitragen.

Keine taktischen Experimente mehr

Im Vergleich zu Joachim Löw, der während der EM hauptsächlich mit Dreier- bzw. Fünferkette spielen ließ, setzte Hansi Flick auf das vertraute 4-2-3-1-System. Bei Löw sollte die defensive Stabilität im Vordergrund stehen – letztendlich erfolglos. Dafür kassierte er nach der Europameisterschaft auch Kritik von Thomas Müller. Der Bayern-Spieler schrieb damals in seinem monatlichen Newsletter: "Mit unserer Bestrebung, durch eine eher abwartende, kompakte Defensivstrategie ohne Gegentor zu bleiben, sind wir de facto gescheitert."

Flick griff jetzt wieder auf das altbekannte System zurück, mit dem der DFB unter anderem den WM-Titel 2014 in Brasilien holte und das die Nationalspieler hinter hervorgehaltener Hand auch während der vergangenen EM favorisiert haben sollen.

WM-Platz schon im Oktober sicher?

Neben all der Euphorie gibt es aber auch einen klaren Kritikpunkt: Die Chancenausbeutung. Gegen Island hatte das Team von Flick insgesamt 19 Torschüsse, erzielte dabei aber nur vier Tore. Besonders im Gedächtnis blieben die Großchancen von Kai Havertz (55. Minute) und Timo Werner (61.), die jeweils noch hätten treffen müssen. Gegen Gegner wie Island oder Armenien werden solche Nachlässigkeiten nicht bestraft. Gegen Top-Nationen müssen solche Chancen bei einer Weltmeisterschaft aber sitzen.

Und dass Hansi Flick die WM-Qualifikation schafft, wird nun wohl kaum noch bezweifelt. Schon in der nächsten Länderspielpause mit Siegen gegen Rumänien (8. Oktober) und Nordmazedonien (11. Oktober) könnte die DFB-Elf die WM-Teilnahme klarmachen.

(mit Material von dpa)

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