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Formel 1: Weshalb die Teams so ein großes Geheimnis um die neuen Autos machen

HANDOUT - 14.02.2024, Gro
Auf den Bildern der neuen Team-Autos ist in der Formel 1 oft wenig zu erkennen: Hier verschleiert McLaren, was am eigenen Boliden neu ist.Bild: PA Media / Mclaren/Handout
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Formel 1: Neue Autos, erste Tests – die großen Geheimnisse der Teams um ihre Boliden

21.02.2024, 20:11
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In rund zehn Tagen startet Lewis Hamilton in seine letzte Formel-1-Saison als Mercedes-Pilot. Zur Saison 2025 wechselt der Brite zu Ferrari, es ist seine verbliebene Chance, mit dem Silberpfeil den Titel zu holen. Doch zuvor finden seit Mittwoch die ersten Testfahrten in Bahrain statt. Die Vorbereitungen auf ein letztes, erfolgreiches Jahr laufen – allerdings auch bei der Konkurrenz.

So präsentierten seit Anfang Februar die zehn Teams ihre Boliden für die kommende Saison. Den Abschluss machte Red Bull am 15. Februar mit der Vorstellung des neuen RB 20 im englischen Milton Keynes. Das einzige Problem bei den Vorstellungen der neuen Autos ist, dass meist wenig Erkenntnis-Gewinn aus den Events gezogen werden kann.

Zu sehr versuchen die Teams noch die wichtigsten, technischen Neuerungen zu verheimlichen, damit die Konkurrenz die entscheidenden Details nicht kurz vor Saisonstart noch sehen und im Zweifel abkupfern kann.

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Dieser Trend hat in diesem Jahr zugenommen. Zumindest sieht es Christian Menath so. Er ist Formel-1-Chef beim "Motorsport Magazin". Gegenüber watson stellte er fest: "Rein subjektiv wurde in diesem Jahr mehr geheim gehalten als sonst. In der Vergangenheit gab es größere Events, bei denen die Möglichkeit bestand, sich die Autos genauer anzuschauen. Auch da konnte man nicht immer 360 Grad um das Auto gehen, aber jetzt hat sogar Ferrari auf eine richtige Präsentation verzichtet."

Chris Menath, Formel-1-Chef beim Motorsport Magazin.
Christian Menath reist mit der Formel 1 für das "Motorsport Magazin" um die Welt. Bild: Motorsport Magazin

Von den zehn Teams zeigte lediglich Alpine ein echtes Auto, das in der kommenden Saison fahren wird. Bei einem Event im Hauptquartier in Enstone konnte der Bolide betrachtet werden. Anders als bei der Konkurrenz, die oft nur Computer-generierte Fotos – auch Renderings genannt – teilt.

So hielten Ferrari, Aston Martin, Haas, der AlphaTauri-Nachfolger Racing Bulls, McLaren, Mercedes, Red Bull und Sauber ihre Auto-Präsentationen online ab. Williams launchte zwar in New York, Erkenntnisse konnten daraus aber nicht gezogen werden: Der britische Traditions-Rennstall zeigte lediglich ein Vorjahres-Auto mit neuer Lackierung.

Dass die Teams so "Technik-paranoid" waren, hätte Menath nicht unbedingt erwartet: "Weil wir jetzt schon ins dritte Jahr des aktuellen Reglements gehen und die Tests unmittelbar bevorstehen." Diese enden am Freitag in Bahrain.

Menath hat auch eine Theorie, weshalb ausgerechnet vor der kommenden Saison so große Geheimnisse um die Autos gemacht werden: "Bei dem aktuellen Reglement hängt ein großer Teil der Performance von Details ab. Die sind jedoch leichter zu kopieren als ganze Auto-Konzepte."

Die Besessenheit fürs Detail hat sich bei vielen Formel-1-Teams auch im Aussehen der Boliden bemerkbar gemacht. Viele Autos sind in schwarz gehalten, der Farbe des benutzten Carbons. Zusätzliche Farbgebungen würden auch zusätzliches Gewicht bedeuten.

Was unter Fans ein größeres Thema war, spielt Menath allerdings herunter: "Natürlich ist es für den TV-Zuschauer nicht optimal, um die dunklen Autos auseinander zu halten. Aber im Endeffekt ist es nicht kriegsentscheidend." Er verweist auf das Mindestgewicht der Autos, mit dem alle Teams fahren müssten. Gleichzeitig regte er eine Regeländerung an, durch die eine Mindestfläche oder ein Mindestgewicht an Farbe auf den Autos zu sehen seien.

Nicht nur kleine Details sondern gleich ganze Seitenkästen verschleierten Red Bull und McLaren auf den herausgegebenen Bildern. McLaren nutzte Photoshop um den Übergang von Seitenkasten zu Unterboden zu bearbeiten. Das deute darauf hin, dass sie "offenbar ein Konzept verheimlichen und nicht nur kleine Details", wie Menath findet. Ähnlich sei es bei Red Bull.

Die Fälle von McLaren und Red Bull, aber auch die Tatsache, dass fast alle Teams nur online ihre Boliden präsentierten, zeigen, wie die Teams den öffentlichen Blick auf eigene neue Auto so weit wie möglich herauszögern.

Menath erklärte gegenüber watson, dass die Teams in diesen Fällen die Informationshoheit haben. Durch Online-Events wird vermieden, dass Fotografen Bilder machen oder die Redakteure selbst genau hinschauen. Gleichzeitig seien die herausgegebenen Bilder so belichtet, dass Details nicht zu erkennen oder abgedeckt sind.

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"Mercedes hat offen zugegeben, dass sie bei den Renderings ein älteres Entwicklungsstadium genommen haben. Beim ersten Ausfahren sahen die Details beim Auto dann anders aus. Gerade bei kleinen Details muss man deshalb vorsichtig sein", erklärte Menath. Spitzenreiter beim Geheimhalten in diesem Winter ist für Menath der AlphaTauri-Nachfolger Racing Bulls: "Die haben ein komplett falsches Rendering rausgegeben, was nicht das erste Mal wäre."

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Der Racing Bull bei den ersten Testfahrten in Bahrain.Bild: Imago Images / PanoramiC

Aber welche Bilder und Perspektiven wären für Menath als Formel-1-Experte interessant bei einem Auto-Launch? "Die Vorderachse sollte man gut sehen können", führt er aus. Besonders interessant sei hier die Art der Aufhängung und die Anordnung der passenden Querlenker. "Außerdem sind die Seitenkästen interessant. Die lassen sich schwer verbergen, außer du machst es wie Red Bull und gibst wenig Bilder heraus."

Menath grenzt aber auch ab, dass ein Einblick auf den Unterboden den meisten Laien nichts bringen würde. "Das müssen ausgebildete Aerodynamiker erkennen und erklären." Ähnliches gelte auch für die Unterschiede beim Diffusor.

"Die Racing Bulls haben Perspektiven abgefilmt, in denen du die Leitplanken oder den Zaun gesehen hast, aber definitiv nicht das Auto."
Christian Menath

Neben den Launches der Autos könnten aber auch die Film-Tage der Teams einen Blick auf die neuen Autos gewähren. Die Betonung liegt auf "könnten". Denn die Racing Bulls haben gezeigt, dass die Kamera-Positionen entscheidend für Erkenntnisse über das Auto sind. "Sie haben Perspektiven abgefilmt, in denen du die Leitplanken, die Reifenstapel oder den Zaun gesehen hast, aber definitiv nicht das Auto", schloss Menath.

Jedes Team hat während der Saison zwei dieser Tage, an denen sie jeweils 200 Kilometer mit dem Auto fahren dürfen. "Eigentlich soll da Filmmaterial entstehen, das für Marketing- und Kommunikations-Zwecke genutzt wird", fängt Menath an, "aber es ist ein offenes Geheimnis, dass die Teams diese sogenannten Film-Tage auch für Funktionstests nutzen."

Kurz vor Saisonbeginn könne dann getestet werden, ob zumindest die grobe Planung des Autos aufgeht. Da nicht mit den Rennreifen getestet wird, geben diese Tage noch keinen endgültigen Aufschluss über die Performance im Rennen. Wohl aber, ob es grundlegende Probleme bei der Konstruktion des Autos gibt.

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Trotz all der Spekulationen während der vergangenen Wochen zu den neuen Konzepten der Autos, will sich Menath aber nicht auf eine Prognose zur Schnelligkeit der Autos festlegen. "Am Ende kannst du auch mit komplett verschiedenen Konzepten auf die gleiche Rundenzeit kommen", weiß Menath und fügt an, "es wäre unseriös zu behaupten, dass man es den Autos ansehen kann, ob sie schnell sind oder nicht."

Vielmehr sei er gespannt darauf, was die Teams ab Mittwoch bei den Tests in Bahrain leisten könnten. Erst dann kann die Öffentlichkeit wirklich abschätzen, welche Teams in diesem Jahr den Red Bulls Konkurrenz machen könnten.

Denn genau das ist die große Frage, die viele Formel-1-Fans beschäftigt. 2023 holte Red Bull 21 Siege bei den 22 gefahrenen Rennen. Max Verstappen wurde souverän Weltmeister. Menath gehe davon aus, dass Red Bull aufgrund der letztjährigen Dominanz noch immer einen kleinen Vorsprung habe, er erwarte aber auch, dass alle anderen Teams Vollgas gegeben haben.

Da spiele das neue Reglement, das mit der Saison 2026 schon langsam am Horizont zu erkennen ist, keine Rolle. "Noch können die Ressourcen nicht auf die Entwicklung für das Auto in zwei Jahren verschoben werden. Deswegen gibt jeder auch aktuell alles, um so erfolgreich wie möglich zu sein."

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