Bayern Münchens Joshua Kimmich hat sich angeblich mit Corona infiziert, dabei wollte er sich offenbar nun impfen lassen.
Bayern Münchens Joshua Kimmich hat sich angeblich mit Corona infiziert, dabei wollte er sich offenbar nun impfen lassen.Bild: www.imago-images.de / Markus Ulmer
Analyse

FC Bayern: Kimmich hat Corona – dabei überlegte er gerade, sich doch noch impfen zu lassen

24.11.2021, 19:59

Nach Wochen der Kritik kam am Mittwoch eigentlich Bewegung in die Impf-Debatte beim FC Bayern. Von dem Quintett um Joshua Kimmich, Eric Maxim Choupo-Moting, Michael Cuisance, Serge Gnabry und Jamal Musiala seien mehrere Spieler doch von einer Impfung gegen das Coronavirus überzeugt worden. Während Gnabry und Musiala in ihrer aktuellen Quarantäne eine Spritze bekommen haben sollen, hatte sich Choupo-Moting mittlerweile mit dem Virus infiziert.

Am frühen Mittwochabend wurde dann bekannt: Auch Impfzauderer Kimmich ist nun positiv getestet worden. Zunächst berichtete die "Bild"-Zeitung, später bestätigte der FC Bayern in zwei kurzen Sätzen: "Joshua Kimmich befindet sich in häuslicher Isolation, nachdem er positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Dem Mittelfeldspieler des FC Bayern geht es gut." Kimmich befindet sich schon seit mehreren Tagen in Quarantäne, weil er als ungeimpfter Kontakt zu einer Corona-infizierten Person hatte. Durch den positiven Test muss er sich nun 14 Tage in Quarantäne begeben und verpasst das Topspiel gegen Borussia Dortmund am 4. Dezember.

Choupo-Moting, der sich aktuell ebenfalls in häuslicher Quarantäne befindet, geht es dem Verein zufolge "den Umständen entsprechend gut".

Kimmich wollte nun doch Corona-Impfung

Der FC Bayern hatte zuvor mehrfach klar gemacht, dass sich die Spieler selbst zur Impfthematik äußern sollen. Für die Marke des Klubs und der Profis ist diese Geschichte aber alles andere als förderlich.

Hasan Salihamidžić hielt zuletzt das Champions-League-Spiel in Kiew nicht für den richtigen Zeitpunkt, darüber zu sprechen. Er wolle sich lieber auf den Fußball konzentrieren. Julian Nagelsmann war etwas redseliger, wollte nach dem 2:1-Sieg bei Dynamo Kiew am Dienstagabend jedoch auch nichts mehr zum Thema Corona sagen. "Corona? Dann gehen wir", sagte der Trainer lachend. Anschließend beendete Bayerns-Pressesprecher Dieter Nickles die Pressekonferenz nach dem 2:1-Sieg über Dynamo Kiew.

Zu dem Zeitpunkt ging es noch darum, ob es stimme, dass die betreffenden Spieler, darunter Kimmich, sich nun doch impfen lassen wollten. "Ich kann es nicht bestätigen, aber sollte es der Fall sein, freue ich mich darüber. Es ist ein erster Schritt", hatte Nagelsmann über die Berichte des "kicker" und der "Bild"-Zeitung gesagt, wonach sich Jamal Musiala und Serge Gnabry bereits hatten impfen lassen. Zudem sollen Joshua Kimmich und Mickael Cuisance ebenfalls ernsthaft überlegt haben, sich impfen zu lassen.

Bundestrainer Hansi Flick sagte in einer Videoschalte kurz vor Bekanntwerden von Kimmichs positivem Befund noch, dass er glaube, dass sich der 26-Jährige impfen lassen würde. "Ich denke, dass es bei Jo in die Richtung geht, dass er sich impfen lässt", sagte Flick: "Ich kann jetzt auf Zeit spielen. Bis zum nächsten Länderspiel im März wird sich vieles verändert haben."

"Für den guten Ruf gibt es nichts Heilsameres als zu sagen: Ich habe Informationen bekommen, etwas gelernt und meine Meinung geändert."
Marken-Experte Christopher Spall mit der Empfehlung an Joshua Kimmich, sich nach einer Impfung öffentlich zu äußern

"Es löst vielmehr einen nachhaltigen Reputationsschaden aus, wenn noch ein halbes Jahr rumgedruckst wird. Die Strategie Intransparenz funktioniert nicht", sagt Markenexperte Christopher Spall gegenüber watson. Würden sich die Spieler jetzt äußern, gäbe es zwar nochmal einen kurzen Aufschrei, doch langfristig die Möglichkeit, einen positiven Effekt zu erzielen.

"Aber solange das Thema nicht geklärt ist, wird sich die öffentliche Wahrnehmung nicht in Richtung positiver Themen verschieben, die die Marke FC Bayern und die Marke Joshua Kimmich wieder stärken", erklärt Spall.

Marke Joshua Kimmich nicht langfristig beschädigt

Besonders Kimmich stand seit seinem Sky-Interview, in dem er erklärte, nicht geimpft zu sein, in den vergangenen Wochen im Zentrum der Kritik. Denn anders als seine DFB-Kollegen Gnabry und Musiala ist Kimmich aufgrund seines sozialen Engagements jemand, der öffentlich engagiert und soziale Verantwortung übernimmt.

"Er ist Leader beim FC Bayern, der Nationalmannschaft und auch designierter Kapitän des DFB-Teams. Dadurch hat er eine Vorbildfunktion und wenn er dieser nicht gerecht wird, muss er mit dem Sturm der Kritik rechnen." Mit seinen Aussagen zu einer ausbleibenden Impfung hätte er das Bild, das die Gesellschaft von ihm hatte, zerstört.

"Seine Haltung, sich nicht impfen zu lassen, konterkariert diese Positionierung. Genau deshalb erntete er sowie Kritik, sowohl beim FC Bayern als auch in der öffentlichen Wahrnehmung."

Positiv bewertet Spall hingegen, dass durch Kimmichs Äußerungen eine gesellschaftliche Diskussion um die Impfung und die 2G-Regel für Fußballer entstanden sei.

Doch nachhaltig wird das seine Rolle in der Gesellschaft laut Spall nicht beschädigen. Ähnlich wie im Sky-Interview würde der Markenexperte dem Mittelfeldspieler empfehlen, sich nochmal umfassend öffentlich zu äußern. "Im Auge des medialen Sturms gibt es für den guten Ruf nichts Heilsameres als zu sagen: Ich habe neue Informationen bekommen, etwas gelernt und meine Meinung geändert."

Markenexperte Christopher Spall sieht keinen nachhaltigen Schaden bei Joshua Kimmich.
Markenexperte Christopher Spall sieht keinen nachhaltigen Schaden bei Joshua Kimmich.Bild: spall.macht.marke / spall.macht.marke

Spall glaubt, dass die meisten Menschen ihm eine solche Aussage hoch anrechnen würden. "Es wäre ein mutiger Schritt nach vorn, mit der er seine Vorbildfunktion zurückerlangen würde. Auch ein Vorbild darf Fehler machen. Gleichzeitig zeichnet es besonders Vorbilder aus, dass Sie zeigen, wie man mit Fehlern umgeht."

Musiala wartete STIKO-Empfehlung ab

Während Kimmich sich aber noch nicht endgültig entschieden hat, sollen laut "kicker" und "Bild" Musiala und Gnabry den Piks schon erhalten haben.

Der Unterschied: Gnabry war bereits an Corona erkrankt und braucht nur eine Spritze gegen das Virus, um einen vollständigen Impfschutz zu erlangen. Diese soll er während seiner aktuellen Corona-Quarantäne erhalten haben.

Musiala hingegen hatte sich an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) orientiert. Diese erachtete eine Impfung für unter 18-Jährige bis August nicht für nötig – Musiala wurde erst am 26. Februar 18.

Der Außenbahnspieler sprach laut "Kicker" unter anderem mit DFB-Teamarzt Tim Meyer und Bayerns-Mannschaftsarzt Roland Schmidt, sowie Immunologen und Experten für funktionelle Medizin.

Bayern Münchens Jamal Musiala soll mittlerweile die erste Impfung hinter sich gebracht haben.
Bayern Münchens Jamal Musiala soll mittlerweile die erste Impfung hinter sich gebracht haben.Bild: www.imago-images.de / Markus Ulmer

Nach der STIKO-Empfehlung im Spätsommer, auch zwölf-bis 17-Jährige zu impfen, hatte Musiala jedoch ein zeitliches Problem, denn die Saison mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League war in vollem Gange. Von Impfungen während dieser Hochleistungsphasen riet DFB-Arzt Meyer wohl erst kürzlich in einem Schreiben an die ungeimpften Profis ab.

Nachdem sich Musiala die erste Impfung nun abgeholt hat, bekommt er seine zweite auf Empfehlung des DFB-Arztes in der Winterpause.

Den Bayern-Verantwortlichen Nagelsmann und Salihamidžić war in den vergangenen Wochen durchaus anzumerken, dass sie vom Impf-Thema so langsam genervt sind. Die Debatte um die ausbleibende Impfung hat nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

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Zuerst wollte sich Joshua Kimmich nicht impfen lassen, dann vielleicht doch – aber bevor er soweit war, hat er sich nun also mit Corona infiziert. Mediziner würden wohl sagen, dass es eine Frage der Zeit gewesen sei.

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