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Oliver Bierhoff (l.) und Joachim Löw. Bild: imago/MIS

DFB-Präsident Keller: Löw und Bierhoff wollen freiwillig auf Gehalt verzichten

Die Verschiebung des EM-Turniers wegen der Coronavirus-Pandemie ist beschlossene Sache. Die Euro 2020 wird zur Euro 2021 und soll vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 stattfinden. Welche Auswirkungen und Konsequenzen das auf die deutsche Nationalmannschaft haben wird, das ist wie so Vieles in diesen Zeiten nicht konkret abzusehen.

Auf einer Video-Pressekonferenz haben sich nun Bundestrainer Joachim Löw, DFB-Präsident Fritz Keller und Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff zu den Ereignissen der vergangenen Tage geäußert. Der DFB hatte nur 20 Medien persönlich nach Frankfurt am Main eingeladen, um die Richtlinien der Bekämpfung des Coronavirus einzuhalten. Dies war mit dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) abgestimmt.

DFB-Pressekonferenz: Jogi Löw, Fritz Keller und Oliver Bierhoff äußern sich zu EM 2021 und Coronavirus

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So sah das aus. screenshot zdf

DFB-Präsident Keller eröffnete die virtuelle PK mit einem Appell: "Was gestern wichtig erschien, ist heute nichtig und klein. Jetzt sind Solidarität und Verzicht gefragt."

Der Fußball trete in der aktuellen Situation in den Hintergrund. "Wir müssen uns an Regeln halten. Das kennen wir aus dem Fußball." 80.000 Spiele seien am vergangenen Wochenende abgesagt worden. Keller ist überzeugt, damit einen großen Beitrag geleistet zu haben, um die Infektionskette zu unterbrechen. Nun gehe es bald auch darum, wie man irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren könne. Wichtig sei, dass man die Struktur von 25.000 Vereinen und sieben Millionen Vereinsmitgliedern erhalte: "Von der Kreisliga bis zur Bundesliga". Es gehe darum, achtsam miteinander umzugehen und die Situation als Chance zum Umdenken nutzen.

Bierhoff: "Schockiert und alarmiert"

Der Direktor der Nationalelf, Oliver Bierhoff, sagte: "Wir sind alle schockiert und alarmiert. Das Leben und die Gesundheit der Menschheit ist entscheidend. Wir müssen mit allen Maßnahmen unseren Beitrag leisten." Die Entscheidung der Uefa über die EM-Verschiebung um ein Jahr schätzte Bierhoff als "gut und weise" ein, die Nationalmannschaft könne gut mit dem neuen Termin umgehen.

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Oliver Bierhoff im Homeoffice. screenshot zdf

Löw: "Die Welt hat ein kollektives Burnout erlebt"

Jogi Löw zeigte sich zunächst enttäuscht über die aktuelle Aussetzung der Fußballwettbewerbe wie Bundesliga, Champions League und vor allem die Verschiebung der EM: "Jetzt hat die Corona-Krise die Welt fest im Griff. Und nichts ist mehr, wie es vorher war. Aber die EM ausfallen zu lassen oder zu verschieben, ist alternativlos. Die Gesundheit der Menschen hat oberste Priorität. Alles andere muss, völlig zurecht, zurückgesetzt werden."

Die vergangenen Tage hätten Löw nachdenklich gestimmt. "Wir sind in einer Zeit, in der Nachdenken über Aktionismus steht. Wir Menschen müssen achtsam sein, aufeinander schauen, hilfsbereit sein. Die Welt hat ein kollektives Burnout erlebt. Es gibt momentan Dinge, die wichtiger sind als Fußball", sagte der bewegte Bundestrainer. Mit einem Hauch Esoterik sprach er auch davon, dass sich die Erde gerade gegen die Menschen wehre.

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Jogi im Löw-Stream. screenshot zdf

Auf die Frage, wie die Corona-Krise sein eigenes Leben beeinflusse, sagte der Bundestrainer: "Für mich gilt, was für alle gilt. Ich versuche, soziale Kontakte zu vermeiden, bewege mich nur im Kreis meiner engsten Freunde und meiner Familie."

Zur Verschiebung der EM sagte Löw, dass er nicht beantworten könne, ob das nun ein Vor- oder Nachteil sei. Der Bundestrainer glaubt aber, dass die Mannschaft gut vorbereitet war auf das Turnier. "Manche Spieler brauchen aber noch, ein, zwei, drei Jahre, deshalb könnte das ganz gut sein." Für verletzte Spieler wie Sané oder Süle wäre es von Vorteil. Löw hoffe, dass "alle gesund aus dieser Krise kommen."

Doch es ging nicht nur um die Gesundheit und um Sportliches, sondern auch um das liebe Geld: Wie sehr trifft den DFB die Corona-Krise finanziell? Keller sagte: "Wir haben gut daran getan, Rücklagen zu bauen. Wir können auf ein kleines, aber gutes Polster zurückgreifen." Man sei solide aufgestellt für solche Fälle, ergänzte Bierhoff: "Wir müssen aber auch abspecken." Ein mit der DFL geplantes Zukunftsprojekt müsse nun nochmal neu bewertet werden. "Wir werden sicherlich den Gürtel enger schnallen müssen."

In Sachen Gehaltsverzicht seien Löw und Bierhoff bereits freiwillig auf Keller zugekommen, hätten dies gegenüber Keller "angedeutet", erklärte der DFB-Präsident. Notfalls müsse der Verband außerdem für seine Angestellten auch Kurzarbeit anmelden, das schloss Keller nicht aus.

DFB-Pressesprecher Jens Grittner ergänzte am Ende noch, dass der DFB momentan Hilfsprogramme und gezielte Überbrückungshilfen für die Regional- und Landesverbände sowie die 3. Liga und die Frauen-Bundesliga prüfe. Das sei das Ergebnis der Präsidiumssitzung am Vormittag gewesen. Der Verband könne und dürfe aber satzungsgemäß keine Verluste von Klubs ausgleichen.

DFB-Präsident Keller schloss die virtuelle Sitzung mit den Worten: "Bleiben Sie gesund und vielen Dank für Ihre Zeit".

(as)

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