Am Wochenende gibt’s die erste Runde im DFB-Pokal. Und bereits jetzt erste Überraschung. Wehen Wiesbaden schaltete mit einem 3:2 in der Verlängerung Zweitliga-Spitzenreiter St. Pauli aus. Der Pokal bietet die einmalige Chance für unterlegene Teams einmal einen Großen zu schlagen. Deshalb ist der Pokal schöner als die Liga.
6 Überraschungen (zu denen am Wochenende bestimmt noch ein paar hinzukommen)
Der damalige Bundesligist aus Hamburg kam mit Nationalspielern wie Manfred Kaltz und Felix Magath in die schwäbische Provinz. Nutzte aber nix – der Hamburger SV schied aus und Magath schimpfte:
Geislingen machte sich dennoch einen Namen. Trainer Helmut Groß wirkte hier und der hatte später einen gelehrigen Schüler: Ralf Rangnick. Der heutige Trainer von RB Leipzig führte in der Provinz die Raumdeckung ein.
Merke: Manche Eroberungen setzen vom Rand her ein.
Die Sensation liegt nicht im Ergebnis. (Abgesehen davon, dass Leverkusen mal einen Titel gewinnt). Denn hier handelt es sich um ein Finale. Die Amateure von Hertha BSC zogen nämlich 1993 bis ins Finale ein – erst dort war Schluss.
Herthas Amateur-Team um Carsten Ramelow, Andreas Schmidt und Keeper Christian Fiedler bildete später den Kern der Hertha-Elf, die in die Bundesliga aufstieg. Mit an Bord war später auch ein gewisser Niko Kovac, heute Coach des FC Bayern München. Der Pokal schult fürs Leben.
Ach, ja Franken. Ist für echte Bayern ohnehin nur niedere Provinz. Live im Fernsehen konnte der Zuschauer damals verfolgen, wie der FC Bayern bei Vestenbergsgreuth untergeht. Der Klub geht später auf in der Spielvereinigung Greuther Fürth, die heute in der 2. Liga kickt. Auch andere machen Karriere: Besonders ein Innenverteidiger der Amateure aus Franken fällt auf, wegen seiner wallenden Haare und seiner leicht ungestümen Bewegungen – kein Wunder, Harry Koch kam vom Rhönradturnen. Und machte danach in der Bundesliga beim 1. FC Kaiserslautern Karriere.
Sein Sohn Robin Koch kickt mittlerweile beim SC Freiburg in Liga 1. Manche Karrieren beginnen eben in der Provinz.
Kaiserslautern war ein krasser Außenseiter, der Klub war eine Woche zuvor tränenreich aus der 1. Herren-Bundesliga abgestiegen. Im Finale hielt sich Lautern tapfer und siegte durch einen Freistoß von Martin Wagner. Das Team blieb nach dem Erfolg zusammen, rockte die 2. Liga und wurde 1998 als erster (und einziger) Aufsteiger Deutscher Meister.
Lang, lang ist’s her. Aber Erfolg schweißt zusammen.
Im Poststadion hinter dem Berliner Hauptbahnhof war noch viel Platz, aber die wenigen Zuschauer, die gekommen waren, hatten ihre Freude. Der Bundesligist verlor gegen den Amateurklub. Es war für Hoffenheim der Auftakt in eine Horrorsaison. Erst musste Trainer Markus Babbel gehen, später wurde auch Keeper Tim Wiese verbannt. Wiese ist heute Wrestler, Hoffenheim rettete sich in die Relegation und hielt gegen Kaiserslautern die 1. Liga.
Die Bayern waren Favorit und hinterher so enttäuscht, dass Stürmer Sandro Wagner seine Silbermedaille in die Zuschauerränge warf. Für Rekord-Pokalsieger Bayern München war es nur eine kleine Enttäuschung, für die Eintracht aber der perfekte Abend.
Die Party hielt auch am nächsten Tag an. Mit Folgen: Weil Mittelfeldstar Kevin Prince Boateng mal kurz mit Bengalos wedelte, droht eine Strafe wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Egal, Pyrotechnik ist kein Verbrechen. Und so ein Titel bleibt fürs Leben.
(dpa, sid, afp, per)