LEN European Short Course Championships, Copenhagen, 2017, Celine Rieder, Neckarsulmer Sport-Union, Foto: JoKleindl/Eibner-Pressefoto

Celine Rieder schwimmt bei Olympia über 200 Meter und 1500 Meter Freistil. Bild: picture alliance / Jo Kleindl Eibner-Pressefoto

"Ich habe mich daran gewöhnt, dass meine Eltern nicht dabei sind": Schwimmerin Celine Rieder spricht über ihre ersten Olympischen Spiele in Tokio

So richtig wusste Celine Rieder nicht wohin mit ihren Gefühlen. Mitte April schaffte die 20-jährige Schwimmerin bei einem Wettkampf in Magdeburg die Olympia-Norm. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl", erzählt sie gegenüber watson. Doch das endgültige Ticket für die Teilnahme an den Spielen in Tokio bedeutete der Erfolg noch nicht. Denn eine Woche später gab es noch einen weiteren Wettkampf in Berlin. Erst danach war der Qualifikationszeitraum abgeschlossen.

Doch dann war es endgültig klar. Die Ausnahme-Schwimmerin fährt zu den Olympischen Spielen nach Tokio. "Es war unfassbar und hat gezeigt, dass sich das harte Training gelohnt hat. Für mich geht ein Traum in Erfüllung", erzählt sie.

Nach einem einwöchigen Vorbereitungscamp in Kumamoto im Süden von Japan ist Rieder seit Mittwoch mit dem deutschen Schwimmteam im Olympischen Dorf in Tokio.

Dabei hat sie ein Stück Heimat bei ihren ersten Olympischen Spielen direkt mit dabei. Denn nicht nur Rieder, sondern auch ihre WG-Mitbewohnerin Annika Bruhn qualifizierte sich für die Spiele in Tokio. Der Unterschied: für die 28 Jahre alte Bruhn ist es nach London 2012 und Rio 2016 bereits die dritte Teilnahme an Olympia.

"Es ist natürlich klasse, dass wir es beide geschafft haben und die olympischen Spiele gemeinsam erleben können", sagt Celine Rieder.

Seit 2019 teilen sich die beiden Athletinnen der Neckarsulmer Sport-Union eine Wohnung, Probleme gab es bisher nie. "Wir haben uns die ganze Zeit super verstanden und es hat wirklich nie gekracht", berichtet Rieder über das Zusammenleben. Und klar ist auch, dass sich die beiden in Tokio ebenfalls ein Zimmer teilen werden.

Celine Rieder und MItbewohnerin Annika Bruhn. quelle: instagram/celine_rieder

Mit 14 Jahren zu Hause ausgezogen

Dabei war der 20-Jährigen schon früh klar, dass das Schwimmen nicht nur ein Hobby sein soll. In ihrer Heimat in Wittlich bei Trier begann sie im Alter von sieben Jahren mit dem Schwimmsport und nahm direkt an ersten Wettkämpfen teil.

Bereits sieben Jahre später, mit gerade einmal 14 Jahren, entschied sie, von zu Hause auszuziehen und das Sportinternat in Saarbrücken zu besuchen. Schwierig sei ihr der Auszug nicht gefallen. "Ich habe diese Entscheidung bewusst getroffen und wusste, worauf ich mich einlasse", sagt sie selbstbewusst. Durch zahlreiche Trainingslager war sie zuvor schon oft in Saarbrücken und kannte einige der Personen vor Ort.

"Ich weiß, dass 2024 in Paris meine Zeit gekommen ist. Dann bin ich 23 – fürs Schwimmen ein wirklich gutes Alter."

Schwimmerin Celine Rieder

Für ihre Eltern war der Auszug ihrer Tochter hingegen ein bisschen schwieriger. "Ich bin Einzelkind und da ist das natürlich nicht so leicht, wenn das einzige Kind so früh auszieht", erzählt sie und lacht dabei. Standen keine Wettkämpfe oder Trainingslager an, ging es auch mal von Samstagmittag bis Sonntagabend für einen Kurztrip zurück in die Heimat.

Zwischen Profi-Kader und Studium an der Fernuniversität

Doch auch die Sportschule in Saarbrücken hielt das Nachwuchstalent nicht lange. Bereits zwei Jahre später zog sie weiter zur Neckarsulmer Sport-Union. Zunächst lebte Rieder bei einer Gastfamilie, ehe sie im August 2019 mit Schwimmkollegin Annika Bruhn in eine WG zog.

Und, obwohl sie Teil des Profikaders ist, studiert sie nebenbei Digital Business an einer Fernuniversität. Für sie ist es ein enormer Vorteil, dass sie sich ihre Zeit selbst einplanen und ihr Lernpensum je nach Trainingsintensität und Umfang anpassen könne. "Es ist wirklich schön, dass es ortsungebunden ist, denn so kann ich mich auch im Trainingslager auf Klausuren vorbereiten oder sie online absolvieren." Denn wirklich häufig zu Hause ist die 20-Jährige nicht.

Celine Rieder (l.) und Sarah Köhler im Trainingslager in Kumamoto. quelle: instagram/celine_rieder

"Durch die vielen Trainingslager und Wettkämpfe, die auf der ganzen Welt stattfinden, bin ich schon viel gereist und habe viele Orte auf der Welt gesehen. Auch, wenn es meist nur Hotel und Schwimmhalle waren", erzählt sie.

Eltern werden in Wittlich vor dem
Fernseher sitzen

Und nun erlebt sie ihre ersten Olympischen Spiele in Tokio in Zeiten der Corona-Pandemie in einer eher ungewöhnlichen Atmosphäre und ohne Zuschauer in der Halle. "Das ist natürlich total ungewohnt", sagt sie, doch das würde ihre Vorfreude und ihre Motivation nicht trüben. Außerdem hat sie direkt eine Idee, wie doch etwas Wettkampfatmosphäre aufkommen kann. "Die Athleten der deutschen Nationalmannschaft und der anderen Teams werden da sein. Dann müssen die eben etwas mehr Stimmung machen."

Auch wenn Zuschauer zugelassen worden wären, hätten ihre Eltern sie nicht live Ort angefeuert: "Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass sie bei Wettkämpfen nicht mehr dabei sind. Als ich noch klein war, haben sie mich begleitet, aber das hat mit der Zeit abgenommen."

Dennoch ist sich die 20-Jährige sicher, dass ihre Eltern ihre Rennen gespannt vor dem Fernseher in Wittlich verfolgen werden. "Und vielleicht sind sie dann ja bei den Spielen in Paris 2024 dabei".

Schwimmen: Weltmeisterschaft, Vorläufe, 1500m Freistil, Frauen am 24.07.2017 in Budapest (Ungarn). Celine Rieder aus Deutschland schwimmt. Foto: Axel Heimken/dpa

Für Celine Rieder wird es in Tokio vor allem darum gehen, möglichst viel Erfahrung zu sammeln. Bild: dpa / Axel Heimken

Auch Wittlich von der Flutkatastrophe betroffen

Dabei war ihr Heimatort Wittlich ebenfalls von der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in der vergangenen Woche betroffen.

Die Nachrichten und Bilder der Katastrophe erreichten Rieder sehr schnell und inmitten des Vorbereitungscamps in Kumamoto. "Das Wasser stand wirklich sehr hoch und die Bilder waren erschreckend." Sie habe sofort ein paar Nachrichten verschickt und bei Bekannten nachgefragt, wie die Lage bei ihnen ist.

"Ich hoffe, dass es allen Betroffenen den Umständen entsprechend gut geht und sie die benötigte Hilfe bekommen", sagt sie.

In Tokio Erfahrung sammeln, in Paris voll angreifen

Doch nun gilt der Fokus wieder voll den Wettkämpfen in Tokio. Dort startet sie am Montag in den Vorläufen über 200 Meter und 1500 Meter Freistil.

"Ich würde gerne meine Bestzeit über 1500 Meter schwimmen und einfach ganz viel Erfahrung sammeln", erklärt sie ihre Ziele. Profitieren kann sie dabei auch von der Vizeweltmeisterin über 1500 Meter Freistil, Sarah Köhler. Die 27-Jährige ist das Aushängeschild der deutschen Schwimm-Frauen. "Ich sehe Sarah nicht als Feindin, sondern empfinde es eher als Chance, mit ihr zu trainieren", sagte sie bereits im vergangenen Sommer gegenüber der "Heilbronner Stimme".

Schwimmen/Kurzbahn: Deutsche Meisterschaft, schnellster Zeitlauf 800m Freistil der Frauen in Schwimm- und Sprunghalle im Europa-Sportpark. Sarah Köhler (r) von SG Frankfurt blickt überrascht nach Sieg in der offenen Wertung neben Zweitplatzierter Celine Rieder von Neckarsulmer Sport-Union.

Erfolgreiches Duo: Celine Rieder (l.) landete bei der Deutschen Meisterschaft über 800 Meter Freistil 2019 in Berlin auf Platz 2, Sarah Köhler (r.) gewann das Rennen. Bild: dpa / Andreas Gora

Zwar freut sich Rieder bereits auf das "Megaevent" Olympische Spiele, doch die 20-Jährige ist sich bereits jetzt im Klaren, dass sie in Tokio vor allem lernen kann. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris will sie dann voll angreifen. "Ich weiß, dass 2024 in Paris meine Zeit gekommen ist. Dann bin ich 23 – fürs Schwimmen ein wirklich gutes Alter", sagte sie gegenüber der "Heilbronner Stimme".

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