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Bild: Augenklick/Roth

Als "Pirat" Pantani Jan Ullrich hinter sich ließ und zum König der Alpe d'Huez wurde

19.07.18, 11:08

quentin aeberli / watson.ch

Kaum steigt die Straße an, gibt es für ihn kein Halten mehr. Marco Pantani, der mit einer Größe von 1,72 Meter und 52 Kilogramm die perfekten körperlichen Voraussetzungen besitzt, ist in den 90er-Jahren der unumstrittene Bergspezialist im Peloton und kämpft bei der Tour de France nach ersten Achtungserfolgen bald auch um den Gesamtsieg mit.

"Pirat" wird der Italiener liebevoll genannt. Abgeleitet von seinem Kopftuch, das er auf seinem kahlen Schädel zum Schutz vor der Sonne immer trägt und jeweils vor dem entscheidenden Angriff theatralisch vom Kopf reißt. Eine Helmpflicht gibt es damals noch nicht.

FILE - In this Saturday July 19, 1997 file picture Marco Pantani of Italy tries to get away from a spectator as he climbs towards victory in the 13th stage of the Tour de France cycling race between Saint-Etienne, central France, and l'Alpe d'Huez in the French Alps. The Tour de France begins Saturday, July 7, 2018 with 176 riders competing in the 105th edition. (AP Photo/Patrick Kovarik, Pool, File)

Auf dem Weg zum Sieg verzichtete Pantani traditionell auf sein Kopftuch Bild: AFP POOL

Alpe d'Huez in Rekordzeit bewältigt

An diesem denkwürdigen 19. Juli 1997, unter der Hitze der französischen Sommersonne, zeigt Pantani erneut, wer der Chef am Berg ist. Er lässt keine Zweifel aufkommen, wer die Königsetappe mit dem bedeutendsten Anstieg des Radzirkus, den 21 Kehren von Le Bourg-d'Oisans auf die Alpe d'Huez, gewinnen wird.

Trocken wie immer tritt "L'Elefantino", wie man ihn wegen seiner abstehenden Ohren auch nennt, in die Pedale – und zieht mit einem unwiderstehlichen Zwischensprint an allen vorbei. Der Gesamtführende Jan Ullrich sieht gerade noch Pantanis gelbes Rad davonziehen, da ist es auch schon weg. Unbestechlich spurtet der 27-Jährige Richtung Tagessieg – sein zweiter auf der Alpe d'Huez.

Pantani rast auf die Alpe d'Huez

Video: YouTube/cauber caube

Und der erste von zwei Etappensiegen der Tour 1997 nimmt historischen Wert an. Der Italiener braucht für den Anstieg nur 37 Minuten und 35 Sekunden, was bis heute Rekordzeit ist. Seine Bestzeit aus dem Jahr 1994 pulverisiert er um 25 Sekunden. Die Tour beendet Pantani schließlich auf Platz 3, hinter dem Deutschen Ullrich und dem Franzosen Richard Virenque. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass er mit EPO vollgepumpt ist. Das kann ihm erst 2013 endgültig nachgewiesen werden.

Von Verletzungen zurückgeworfen

Die Rekordfahrt ist trotzdem beeindruckend, den heimischen Giro d'Italia muss Pantani im Frühling nämlich noch verletzungsbedingt aufgeben. In der ersten Etappe überquert eine weiße Katze die Straße, Pantani stürzt und scheidet verletzt aus. Knapp zwei Monate später die große Machtdemonstration auf der Alpe d'Huez – er wird zur lebenden Legende.

Bei seinem Sturz im Giro bricht eine Verletzung, welche er sich 1995 zugezogen hatte, wieder auf. Damals preschte der aufstrebende Jungstar haarscharf an seinem Karriereende vorbei. Im Schlussteil des Straßenrennens Mailand – Turin prallte er mit einem Tempo von 80 Stundenkilometern in einen entgegenkommenden Jeep und zog sich schwere Beinverletzungen zu. All dies, nachdem ihn im gleichen Jahr bereits im Training für den Giro ein Auto angefahren hatte – Rückschläge, welche den introvertierten Kämpfer nur stärker machen.

Ein Jahr später: Ullrich verpasst 1998 seinen zweiten Tour-Sieg. Pantani ist am Berg einfach zu stark Bild: picture alliance

Der Absturz einer Legende

Doch der Sturz 1995 bereitet dem Bergspezialisten noch eine weitere Unannehmlichkeit, die seinem Status als Publikumsliebling in die Quere kommt. Beim Bluttest im Krankenhaus wird zum ersten Mal ein Hämatokritwert von über 60 Prozent gemessen, was fünf Jahre später eine Sperre zur Folge hat. Während die Fans immer zu ihrem Liebling aufschauen, interessiert sich die Justiz nur noch für den Dopingsünder.

Pantanis Karriere neigt sich dem Ende zu Bild: Augenklick/Roth

Am 5. Juni 1999 folgt der endgültige sportliche "Todesstoß". Vor der zweitletzten Etappe des Giros wird Pantani in Madonna di Campiglio als Führender von der Rundfahrt ausgeschlossen, weil ihm ein zu hoher Hämatokritwert nachgewiesen wird.

Für den Piraten, der später auch Kunde von Dopingarzt Eufemiano Fuentes ist, kracht eine Welt zusammen. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, droht alles in sich zusammen zu fallen. Ein Jahr, nachdem er als erst zweiter Italiener und bis heute letzter Fahrer im selben Jahr den Giro und die Tour gewinnen konnte.

Den Piraten gibt es nicht mehr.

Marco Pantani

So rasant Pantani bergauf spurtete, so schnell fällt der beliebte Radstar. Und wie auf der Rennstrecke kann ihn auch da niemand aufhalten. Obwohl er im fast vollständig gedopten Fahrerfeld noch immer zu den Besten gehört, verfällt der Held der Öffentlichkeit im Kampf gegen die Justiz zu einem psychischen Wrack. "Den Piraten gibt es nicht mehr", sagt er bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte.

Kokainüberdosis führt zum tragischen Tod

Nach dem letzten Aufbäumen im Jahr 2003 startet Pantani ein weiteres Mal beim Giro d'Italia. Doch kurz nach einem Sturz und der Nichtberücksichtigung zur Tour de France wird bekannt, dass sich Pantani zur Behandlung von Depressionen in einer Nervenklinik aufhält.

Der gefallene König der Berge zieht sich immer mehr zurück, lässt seine Freunde und Familie links liegen, trägt sogar das Handy nicht mehr mit sich. Am 14. Februar 2004 wird Pantani tot in seinem Hotelzimmer in Rimini aufgefunden. Offiziell beendete eine Überdosis Kokain das Leben des "Piraten". Noch immer ranken sich aber Verschwörungstheorien, welche die Mafia und Wettpaten beinhalten, um sein Ableben.

Tausende trauern um den 2004 verstorbenen Pantani Bild: epa:dpa

Gesichert ist: Noch Jahre nach seinem Tod steht Pantani zusammen mit Lance Armstrong und Jan Ullrich für die vergiftete Generation des Radsports. Der begnadete Bergfahrer erzielt seine Glanzresultate in jenen Jahren, als der Dopingmissbrauch (wohl) seinen Höhepunkt erreicht hatte. Im Gegensatz zu Lance Armstrong, dem seine sieben Tour-Siege aberkannt werden, ist Pantanis größter Erfolg aber noch heute in den Geschichtsbüchern vertreten.

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