Jogi Löw sah ein souveränes 7:1 seiner Elf, allerdings gegen Lettland.
Jogi Löw sah ein souveränes 7:1 seiner Elf, allerdings gegen Lettland.Bild: imago images / MIS

Jogi Löw nach Kantersieg: "Jetzt fängt die Arbeit nochmal richtig an"

08.06.2021, 07:5508.06.2021, 07:58

Der hohe Sieg gegen Lettland gibt Sicherheit und Vertrauen. Vieles hat gestimmt im deutschen EM-Team, urteilt der Bundestrainer. Doch noch fehlt die Feinabstimmung. Fehler kann man sich nicht leisten, denn mit Frankreich wartet zum Turnierstart ein anderes Kaliber.

Die Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Online-Pressekonferenz nach dem 7:1 der Fußball-Nationalmannschaft am Montagabend im EM-Testspiel in Düsseldorf gegen Lettland.

Wie fällt Ihr Fazit aus eine Woche vor dem EM-Start?

Jogi Löw: Gut war zu sehen, dass wir in der Offensive und in der Defensive manche Dinge, die wir besprochen haben und korrigieren wollten, sehr engagiert und fokussiert umgesetzt haben. Es war wichtig, dass wir in der Defensive frühzeitig Bälle gewinnen konnten, gute Pressing-Situationen und viele gute Laufwege hatten. In der ersten Halbzeit haben wir uns gegen Lettland auch viele Chancen heraus gespielt. Die Effizienz war gut in diesem Spiel.

Was ist noch zu verbessern?

Jogi Löw: In der zweiten Halbzeit haben wir das Tempo etwas rausgenommen. Das war auch das Ergebnis der intensiven Trainingseinheiten. Wir müssen noch daran arbeiten, dass wir Intensität und Tempo über 90 Minuten aufrechterhalten und in allen Situationen konsequent agieren. Das Gegentor ärgert mich ein bisschen. Es war ein ruhender Ball, ein Einwurf, den muss man besser verteidigen können. Aber insgesamt hat die Mannschaft gut umgesetzt, was wir angesteuert haben. Die Räume waren gut besetzt, es gab konsequentes Verschieben und Zweikampfverhalten in der Defensive. Es war ein guter Abschluss des Trainingslagers. Wir haben aber immer noch Luft nach oben.

Wie haben aus Ihrer Sicht Thomas Müller und Kai Havertz in der Offensive harmoniert, die viele als gleiche Spielertypen sehen?

Jogi Löw: Die Harmonie war gut. Beide haben auch mit Serge Gnabry sehr gute Wege gemacht, sind in die Tiefe gegangen. Dadurch hat man wieder Räume geöffnet vor der Abwehr. Diese Drei vorne waren gut abgestimmt, obwohl sie die Positionen viel gewechselt haben. Dadurch gab es viele gute Aktionen Richtung Tor.

Müller (r.) und Havertz.
Müller (r.) und Havertz.Bild: imago images / Maik Hölter/TEAM2sportphoto

Wie haben Sie Joshua Kimmich auf der rechten Seite gesehen?

Jogi Löw: Bei Joshua weiß man, dass er – ob im Mittelfeld oder rechts oder sogar in der Dreierkette – einfach keine Anlaufzeit braucht. Das macht seine Klasse aus. Heute war es einfach mal ein Test. Ich hatte mit ihm am Abend zuvor gesprochen. Lukas Klostermann konnte nicht eingesetzt werden. Und über rechts haben wir viele gute Angriffe inszeniert. Jo hat es auf der Seite sehr gut gemacht.

Wo steht Toni Kroos nach seiner Corona-Infektion? Er hatte heute noch einige Ungenauigkeiten. War das eine Folge davon?

Jogi Löw: Nein, das war keine Folge. Körperlich geht es ihm gut. Er hatte in den letzten Tagen überhaupt keine körperlichen Probleme. Er war 14 Tage in Quarantäne, hat dann ein paar Trainingseinheiten mitgemacht. Das Spiel hat ihm gut getan, dass er über 90 Minuten die Widerstände überwinden musste. Er hat nach dem Spiel auch gesagt: Alles in Ordnung. Jetzt hat er eine Woche Zeit, wird ein, zwei Tage regenerieren. Aber Toni ist im Vollbesitz seiner Kräfte.

Viele sagen, das war schon die Aufstellung, die auch gegen Frankreich auflaufen wird. Können Sie das bestätigen?

Antwort: Das kann ich jetzt nicht bestätigen. Mit Frankreich kommt ein ganz anderer Gegner auf uns zu. Was Offensive, Variabilität und Individualität betrifft, ist das ein völlig anderes Kaliber. Es ist natürlich grundsätzlich noch wichtig, dass der Konkurrenzkampf noch ein paar Tage oben bleibt, dass um einzelne Plätze gekämpft wird. Natürlich weiß man, dass die meisten Spieler auch gegen Frankreich auf dem Platz sein werden. Aber es gibt noch Überlegungen.

Was steht in den Tagen bis zum EM-Start inhaltlich noch auf dem Programm?

Jogi Löw: Eigentlich genau das Gleiche wie die letzten Tage. Es wird jetzt noch etwas mehr ins Detail gehen. Die Spiele gegen Dänemark und Lettland haben noch den einen oder anderen Fehler aufgezeigt. Wir müssen sehen, wie wir einzelne Situationen noch besser lösen können. Die großen Themen bleiben: Wie verteidigt man Räume, wie verteidigt man kompakt? Wie bestreitet man Zweikämpfe? Dazu Räume besetzen in der Offensive, Räume bespielen und Räume öffnen. Das sind die übergeordneten Themen. Das ist im heutigen Fußball das Entscheidende. Völlig unabhängig vom System, das ist gefragt. An dieser Flexibilität müssen wir noch feilen.

Wie wichtig war das 7:1 auch für das Selbstvertrauen? War dieser Kantersieg auch ein Fingerzeig an die Franzosen?

Jogi Löw: Natürlich ist es von Vorteil, wenn man so ein Spiel gewinnt. Wenn man die Dinge, die man bespricht und im Training ansteuert, dann erfolgreich sind und ein Sieg rausspringt, ist es ein gutes Gefühl. Allerdings muss man sagen, dass Frankreich eine völlig andere Mannschaft ist. Dass uns dieser Sieg nicht dazu bewegen soll, dass wir glauben, es ist alle Arbeit getan. Jetzt fängt die Arbeit nochmal richtig an die nächste Woche. Wenn man gegen solche Mannschaften wie Frankreich unaufmerksam ist, wenn man Konzentrationsfehler macht, reichen manchmal wenige Momente und man ist auf der Verliererstraße. Die Feinabstimmung ist noch nicht so, wie ich es mir vorstelle. Da müssen wir schon noch weiter hart arbeiten. Aber die Basis ist im Moment gut. Gegen Frankreich gibt es einen anderen Druck, es ist eine andere Klasse, EM-Auftakt. Das ist mit heute nicht zu vergleichen.

(om/dpa)

"Schlimmste Zeit meiner Karriere": Bayern-Star spricht über Bankdrücker-Dasein

Als Lucas Hernandez im Sommer 2019 zu Bayern München wechselte, befand er sich auf dem absoluten Höhepunkt seiner Karriere. Der damals 23-Jährige war ein Jahr zuvor mit Frankreich Weltmeister geworden und überzeugte auch bei seinem Verein Atletico Madrid. Ganze 80 Millionen Euro ließen sich die Bayern die Dienste von Hernandez darum kosten – bis heute ist er damit der teuerste Transfer der Bundesliga-Geschichte.

Zur Story