Von der 1. bis in die 3. Liga gab es am Wochenende Proteste gegen Kollektivstrafen und den in vieler Augen unverhältnismäßigen Fast-Spielabbruch in Sinsheim.
Von der 1. bis in die 3. Liga gab es am Wochenende Proteste gegen Kollektivstrafen und den in vieler Augen unverhältnismäßigen Fast-Spielabbruch in Sinsheim. bild: imago images/unsplash/watson montage

Das Kurven-Protokoll: Wie Fans in den Stadien auf den Hopp-Eklat reagierten

04.03.2020, 13:4904.03.2020, 14:16

Dieser 24. Spieltag der Bundesliga wird sich ins kollektive Gedächtnis Fußballdeutschlands einprägen. Wegen Plakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp war die Bundesliga-Partie zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern München am Samstag zweimal unterbrochen worden, stand sogar kurz vor dem Abbruch.

Bild: imago images/jan huebner/meiser
Transparente im Bayern-Block: "Alles beim Alten: Der DFB bricht sein Wort, Hopp bleibt ein Hurensohn". Hopp ist für viele zur Symbolfigur des kommerziellen Fußballs, zum Sinnbild für Macht durch Geld geworden.
Transparente im Bayern-Block: "Alles beim Alten: Der DFB bricht sein Wort, Hopp bleibt ein Hurensohn". Hopp ist für viele zur Symbolfigur des kommerziellen Fußballs, zum Sinnbild für Macht durch Geld geworden. Bild: imago images/Jan Huebner/voelker

Die Ultra-Szene fühlt sich verbunden im Kampf gegen die Kollektivstrafe, nachdem das DFB-Sportgericht kürzlich alle Anhänger von Borussia Dortmund wegen einer ähnlichen Aktion für die nächsten zwei Jahre von Begegnungen in Hoffenheim ausgeschlossen hat. Das teilte der DFB am 21. Februar mit. Ein hartes Urteil.

Und so kam es in vielen anderen Stadien Deutschlands am Wochenende ebenfalls zu Beleidigungen gegen Hopp und den DFB. Schmähgesänge und Banner waren zum Beispiel in Dortmund, Köln und Berlin zu hören und zu sehen.

Auch in der zweiten und dritten Liga sowie in Österreich solidarisierten sich Fans und taten mittels Spruchbändern ihre Meinung zur Thematik kund.

Wie die Fankurven am Wochenende reagierten, und was sie zu sagen hatten, wollen wir euch in folgender Übersicht zeigen:

Dortmund

Bei der Partie zwischen Borussia Dortmund und dem SC Freiburg (1:0) zeigten die BVB-Fans auf der Südtribüne gleich mehrere Banner mit deutlicher Kritik am DFB und dem Urteil des Sportgerichts. Schiedsrichter Robert Hartmann unterbrach die Partie für kurze Zeit.

"Keine Kollektivstrafen mehr? Wie oft wollt ihr euer Wort noch brechen? Scheiß DFB!"

bild: imago images/Eibner

"DFB: Eure Worte sind nicht mehr als Schall und Rauch! Kollektivstrafen abschaffen!"

Bild: imago images/Revierfoto

Neben der vom DFB-Sportgericht für BVB-Fans verhängten Gästeblock-Sperre in Hoffenheim ging es auch um einen Vorfall am vorvergangenen Spieltag in Mönchengladbach.

"Wer die Toten von Hanau missbraucht, um die Fankurven mundtot zu machen, der beweist mehr Anstandslosigkeit als jedes Fadenkreuz!"

Bild: imago images/Kirchner-Media/christopher neundorf

Gladbacher Ultras hatten am 23. Spieltag während der Partie gegen die TSG Hoffenheim ein Plakat mit Dietmar Hopps Konterfei im Fadenkreuz hochgehalten. Dazu hielten sie Spruchbänder hoch: "Kollektivstrafen abschaffen" und "Hurensöhne (BVB-Fans, Anm.) beleidigen einen Hurensohn (Dietmar Hopp, Anm.) und werden von Hurensöhnen (DFB, Anm.) bestraft". Es folgte eine Debatte, in der dieser Vorfall mit dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau in Verbindung gebracht wurde, was für viele Fans nicht nachvollziehbar war.

Bereits am 23. Spieltag protestierten Gladbacher Ultras gegen die Bestrafung der eigentlich ungeliebten BVB-Fans:

bild: imago images/revierfoto

Berlin-Köpenick

Die Begegnung zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg am Sonntag wurde ebenfalls für einige Minuten unterbrochen. Grund waren auch hier beleidigende Banner, die sich gegen Dietmar Hopp richteten.

"Hurensohn"

bild: imago images/eibner/uwe koch

Schiedsrichter Bastian Dankert schickte beide Mannschaften für zehn Minuten in die Kabinen. Ein weiterer Vorfall in der zweiten Hälfte hätte das Spiel vorzeitig beendet.

Die Ultra-Gruppe "HammerHearts 2004" meldete sich kurz nach den Vorfällen auf ihrer Internetseite zu Wort. Die Banner seien explizit "keine Morddrohung", hieß es dort. Dennoch seien die Transparente "ganz klar provokant und kritisieren eine Person und eine stetige Entwicklung". Darüber hinaus stehe die Gruppe mit ihrer Aktion "entgegen schleichender Zensur und für die Ausdrucksfreiheit in den Kurven".

"2017 Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht! Fick dich, DFB!"

bild: imago images/eibner/uwe koch

Kaum war das Spiel zu Ende, rollten die Fans von Union Berlin erneut ein Transparent aus, das eindeutig auf den DFB und dessen Reaktion auf die Schmähungen gegen Dietmar Hopp zielte.

"Jahrelang die Kritik überhört und sich nun an Ausfälligkeiten gestört"

Bild: imago images/contrast/o. behrendt

Köln

Im Samstagabendspiel zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 (3:0) kam es ebenfalls zu einer Spielunterbrechung wegen einer Beleidigung gegen Dietmar Hopp. Die zweite Halbzeit wurde mit Verspätung angepfiffen. Grund war folgendes Banner der Kölner Fans:

"Wegen einem Hurensohn euer Versprechen gebrochen! Gegen Kollektivstrafen!"

(Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.)
(Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.)Bild: imago images/Mika Volkmann

Kölner Spieler machten sich daraufhin gemeinsam mit Trainer Markus Gisdol und Sport-Geschäftsführer Horst Heldt auf den Weg, um gegen den Fanprotest zu protestieren. Danach setzte der Schiedsrichter die Partie fort.

Augsburg

In Augsburg positionierten sich die Heimfans im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (2:3) relativ nüchtern zum DFB-Urteil gegen die BVB-Fans.

"August 2018: DFB schafft Kollektivstrafen ab" – "Februar 2020: DFB führt Kollektivstrafen wieder ein"

bild: imago images/kolbert-press

Außerdem hielten die Augsburger Fans ein durchgestrichenes DFB-Logo hoch, das einem Verbotsschild nachempfunden war.

Bild: imago images/kolbert-press

Dresden

Wir gehen eine Klasse tiefer und spulen nochmal zurück zum vergangenen Freitag. Bei der Zweitligabegegnung zwischen Jahn Regensburg und Dynamo Dresden (1:2) hielten die Gäste-Fans aus Sachsen bereits am Freitagabend – also nach dem DFB-Urteil, aber noch vor dem Eklat in Sinsheim – ein Banner hoch, das geschmackloser als jedes "Hurensohn"-Plakat ist...

"Auch wenn das Sportgericht wieder Kollektivstrafen ausspricht, ist Herr Hopp des Schlafs beraubt, denn Sterbehilfe ist jetzt erlaubt!"

(Sogar mit Deppenapostroph: "Schlaf's".)
(Sogar mit Deppenapostroph: "Schlaf's".)Bild: imago images/Steffen Kuttner

Darmstadt

Ebenfalls in der zweiten Liga, gab es beim Spiel Darmstadt 98 gegen den 1. FC Heidenheim (2:0) in beiden Fanblöcken jeweils folgende Banner und Transparente zum Thema Kollektivstrafen.

"Unsere Kritik trifft euch? Eure Strafen treffen uns alle!" – Und dahinter: "Ziel nicht so genau. Die sind eh alle gleich!"

Im Hintergrund sieht man ein Banner mit den Gesichtern von DFB-Richter Hans E. Lorenz (l.), der eine Pistole in der Hand hält, und Dietmar Hopp. Dazu der Satz: "Ziel nicht so genau. Die sind eh alle gleich!"
Im Hintergrund sieht man ein Banner mit den Gesichtern von DFB-Richter Hans E. Lorenz (l.), der eine Pistole in der Hand hält, und Dietmar Hopp. Dazu der Satz: "Ziel nicht so genau. Die sind eh alle gleich!" Bild: imago images/Jan Huebner/Florian Ulrich

Hier die gleichen Banner der Darmstadt-Fans.

Interessant: Beide Fanlager sind Anti-Hoffenheim, haben aber auch das gleiche Fadenkreuz-Banner gegen das jeweils andere Fanlager...
Interessant: Beide Fanlager sind Anti-Hoffenheim, haben aber auch das gleiche Fadenkreuz-Banner gegen das jeweils andere Fanlager...bild: imago images / Jan Huebner

Aue

Kurz und bündig. Die Fans von Erzgebirge Aue hielten gegen den Hamburger SV (3:0) folgende Spruchbänder hoch:

"Mitgegangen – Mitgefangen – Mitgehangen? Gegen Kollektivstrafen!!"

Bild: imago images / Kruczynski

Bochum

Die Zweitliga-Begegnung zwischen dem VfL Bochum und dem SV Sandhausen (4:4) wurde aufgrund des folgenden Banners der Bochumer Fans unterbrochen:

"Ein Hurensohn wird beleidigt, ganz Deutschland schockiert. Rassismus an der Tagesordnung, nichts passiert"

Bild: imago images/Elmar Kremser/SVEN SIMON

Meppen

Auch in Liga drei gab's Proteste. Selbst in Meppen, das vielen Fußballfans als Inbegriff der unbedeutenden Fußballprovinz gilt, haben die Fans sich gegen den DFB und Hopp positioniert. Beim Drittligaspiel SV Meppen gegen MSV Duisburg (1:0) taten Ultras beider Seiten etwa zeitgleich nach der Halbzeitpause ihre Meinung Kund.

Dies führte zu einer sechsminütigen Spielunterbrechung durch Schiedsrichter Michael Bacher. Viele rieben sich verwundert die Augen, denn das Spruchband, das die Gästefans aus Duisburg hochhielten, kam keiner Beleidigung gleich. Eher war es ein smarter Protest in Reimform, der durch die Meinungsfreiheit gedeckt sein dürfte.

"Hat der Dietmar genug Kohle, wird zu seinem Schutz und Wohle von Leuten, deren Wort nichts wert, mal wieder jemand ausgesperrt"

Bild: imago images/Werner Scholz

Etwas harscher war das Plakat der Meppener formuliert, das im Fanblock zu sehen war.

"Euer Versprechen hält nur, solange kein Hurensohn beleidigt wird"

Bild: imago images/MaBoSport

Ingolstadt

Auch die Fans von Drittligist FC Ingolstadt hielten während der Partie gegen Viktoria Köln (0:1) im Zusammenhang mit der Causa Hopp Spruchbänder hoch.

"Bei Rassismus tatenlos. Bei Mäzen-Beleidigung mit Spielabbruch drohen. Fick dich, DFB"

Bild: imago images/ Strisch /Eibner-Pressefoto

"Damals wie heute: Wer verbietet, hat Angst"

bild: imago images/ strisch /eibner-pressefoto

Ach ja, die Leipzig-Fans haben auch was gemacht...

... Wir gehen nochmal ganz kurz zurück in die Bundesliga. Im Heimspiel gegen Leverkusen (1:1) präsentierten die Leipzig-Fans diese Choreografie:

"Love, Peace and RasenBall"

Bild: imago images/Picture Point LE/sven sonntag

Die Fans formten mit bunten Schildern ein Herz, ein Friedenszeichen und ein regenbogenfarbenes "RBL". Der Stadionsprecher verurteilte währenddessen die Anfeindungen gegen Dietmar Hopp: "Wir stehen für gastfreundliche und friedliche Fußballfeste – der Ball ist bunt."

Viele andere sahen es aber eher so, machten sich über die Haltung der RB-Fans lustig:

Der Verein RB Leipzig wurde 2009 auf Initiative der Red Bull GmbH gegründet und ist das Schlüsselprojekt im Fußballengagement des österreichischen Unternehmens. Vielen traditionsbewussten Fans ist RB Leipzig als Konstrukt des Energiebrauseherstellers, wie auch die TSG Hoffenheim mit Mäzen Dietmar Hopp, ein Dorn im Auge.

Auch in Wien meldeten sich Fans zu Wort

Apropos Österreich: Der Fan-Eklat um die Anfeindungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist aus Deutschland bis nach Österreich hinübergeschwappt.

Bild: imago images/GEPA pictures/ Christian Ort

Beim Erstligaspiel zwischen Rapid Wien und dem SV Mattersburg (3:1) am Sonntag zeigten die Heimfans zwei Transparente mit der Aufschrift: "ÖFB&Liga: Lasst euch vom Hurensohn-Virus nicht infizieren. Gegen Kollektivstrafen&Pro 50+1 in Ö, D&überall!" Die österreichische Bundesliga oder der Verband (ÖFB) haben sich bislang nicht zu den Geschehnissen in Deutschland oder nun in Wien geäußert.

DFB-Präsident Fritz Keller verteidigte das Urteil des Teilausschlusses der BVB-Fans
Die Dortmunder Anhänger dürfen in den kommenden beiden Spielzeiten wegen ihrer Hopp-Schmähungen in der Vergangenheit nicht ins Sinsheimer Stadion. Der DFB-Präsident Fritz Keller verteidigte das Urteil. "Der Teilausschluss war auf Bewährung ausgesprochen worden. Wenn man gegen eine Bewährung verstößt, dann wird es rechtskräftig. Dem Gericht ist gar nichts anderes übrig geblieben", sagte Fritz Keller im Aktuellen Sportstudio des ZDF am späten Samstagabend.

Der Verbandsboss räumte Fehler ("Manche haben recht, wenn sie sagen, wir hätten viel früher durchgreifen müssen") ein, die nun ausgemerzt werden sollen: "Wir haben Hassbilder und Neid in unserer Gesellschaft und jetzt auch im Fußball. Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen. Jetzt muss durchgegriffen werden. So geht es nicht mehr weiter."

(as/mit Material von dpa und sid)

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