Nichts elektrisiert mehr als ein Derby. Vor allem, wenn die beiden Spielorte in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander liegen. Wenn am Freitagabend das 112. Stadtderby zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli steigt, haben wir nach 14 Jahren wieder ein echtes Bundesliga-Derby in der Hansestadt.
Die Distanz zwischen dem Volksparkstadion und dem Millerntor beträgt nicht einmal sieben Kilometer, die von den Pauli Fans per Roller und Fahrrad im Rahmen eines Zweirad-Fanmarsches zurückgelegt werden. Parallel hierzu treffen sich die HSV-Fans in Altona auf dem Platz der Republik, um gemeinsam zum Stadion zu marschieren.
Die Stadt wird aber auch jenseits dieser Märsche in Bewegung sein und im Zeichen des Stadtderbys stehen. Alle fiebern auf das Spiel und dessen Ergebnis hin. Ungeachtet des jeweiligen Tabellenplatzes oder der Qualität des Kaders wird am Ende des Spiels feststehen, wer in Hamburg die fußballerische Vorherrschaft für sich beanspruchen kann.
Die Rivalität wird eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Fans werden Mühe haben, ihre Emotionen in Zaum zu halten. Jede Szene auf dem Spielfeld wird Reaktionen in den Kurven und auf den Tribünen provozieren. Die Stimmung wird kochen. Es wird geschmäht, gepöbelt, gesungen, gefeiert und geweint.
Ob mit oder ohne Pyrotechnik: Das Stadion wird brennen und die Fankultur beider Lager vermag der Welt zeigen, dass sie mit solchen Ausnahmezuständen umzugehen versteht.
Für den Fall der Fälle werden weit mehr als 1000 Polizisten eingesetzt, die gemeinsam mit 750 Ordnern für die Sicherheit und den reibungslosen Ablauf auf den Fanmärschen und im Stadion garantieren sollen. Wir halten die Daumen, dass alles emotional, aber friedlich und gewaltfrei ablaufen wird.
In der traditionsreichen Geschichte des Derbys gab es immer wieder Grenzüberschreitungen. Situationen, die sich hochgeschaukelt haben und Begegnungen, die eskaliert sind. Zuweilen konnte die Polizei schlichten und manchmal – wie zuletzt am 14. Oktober 2022 während des Zweitligaderbys beider Klubs – standen Einsatzkräfte wegen unangemessener Taktik und überzogener Härte selbst massiv in der Kritik.
Sicherheit im Fußball ist keine Selbstverständlichkeit und vieles wird auch heute Abend vom Fingerspitzengefühl, der Vorbereitung und Einsatztaktik der Polizei abhängen. Im besten Fall bleiben die Beamten unsichtbar und sind nur dann zur Stelle, wenn es nötig ist.
Sollte es trotzdem zu Gewaltexzessen kommen, wird uns die Gewerkschaft der Polizei unmittelbar nach Spielschluss ihre Forderung nach elektronischer Gesichtserkennung und videotechnischer Totalüberwachung präsentieren. Genau damit hatte die Lobbyvereinigung der Polizei vergangene Woche zum Bundesligastart auf sich aufmerksam gemacht und für Unverständnis unter Fanbündnissen gesorgt.
Wir dürfen also in zweierlei Richtung gespannt sein. Nach dem Spiel werden wir wissen, wer in Hamburg den besten Fußball spielt und je nachdem wie sich Fans und Polizei verhalten, werden wir eine neue Debatte über Sicherheit im Fußball haben.