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Bundesliga: Fan-Vertreter warnt vor Hooligan-Gewalt und stichelt gegen Polizei

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Polizei-Beamte sprühen beim Spiel von Hannover 96 auf St. Pauli Pfefferspray in den Gästeblock. Solche Auseinandersetzungen häuften sich in den vergangenen Monaten. Bild: imago images / Andreas Hannig
Interview

Fan-Vertreter warnt vor Bundesliga-Start: "Hooligan wird wieder ein positiver Begriff"

12.01.2024, 07:5112.01.2024, 17:24
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Vermehrte Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei, heftige Kritik am umstrittenen DFL-Investor und ein neuer TV-Vertrag, der den Fans nicht zugutekommen könnte: und das alles im Jahr der Heim-EM.

Jost Peter, 1. Vorsitzender der Fanvereinigung "Unsere Kurve" ist dennoch zuversichtlich gestimmt, was das kommende Fußball-Jahr angeht.

Im Gespräch mit watson blickt er auf die aktuellen Konfliktherde zwischen den Profi-Klubs und Fans – und wie diese gelöst werden können. Gleichzeitig warnt er vor einem Problem, das längst gelöst schien: Hooligans.

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watson: Herr Peter, löst die Heim-EM 2024 schon besondere Vorfreunde bei Ihnen aus?

Jost Peter: Bei mir nicht. Aber das liegt daran, dass ich keine persönliche Bindung zur Nationalmannschaft habe. Fans, die sich für das DFB-Team interessieren, sind positiv gestimmt und freuen sich. Und daran hat der DFB seinen Anteil.

Warum?

Im vergangenen Jahr hat der Verband einige Veränderungen getroffen, wodurch den Fanklubs mehr Gestaltungsmöglichkeit und mehr Mitspracherecht gegeben wurde. Nun lässt sich das Turnier im eigenen Land besser feiern als mit dem sa­gen­um­wo­ben "Fanclub Nationalmannschaften", der ein Monopol hatte. Daher können wir uns auf eine lebendige Fanlandschaft freuen.

Rainer Wendt, Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, sagte mit Blick auf die erhöhte Gewalt in Stadien und die EM: "Auffällige Fußballchaoten müssen mit Präventivhaft rechnen". Was bedeutet das für die Bundesliga-Fans in der Rückrunde?

Das Ganze hat zwei Punkte: Wir müssen nicht drum herumreden, dass Gewalt an wenigen Stellen wieder in die Stadien gekommen ist und diese Entwicklung negativ zu bewerten ist. Da müssen wir uns drum kümmern. Es ist aktuell aber noch relativ frisch, punktuell und es wird viel von oben über das Thema diskutiert, statt miteinander in den Austausch zu gehen.

Und Punkt zwei?

Die Gewerkschaft repräsentiert eben einen sehr konservativen Flügel von Polizeiarbeit. Die Forderungen nach "Präventivhaft" passen ins Bild, sind aber definitiv nicht ernst zu nehmen. Haft hat mit Prävention wenig zu tun. "Unsere Kurve" ist auf Polizei-Kongressen als Gesprächspartner gern gesehen, auch wenn wir nicht in allen Punkten übereinstimmen. Aber die Polizei in Deutschland ist in der Lage, Dinge differenziert wahrzunehmen und sich auf das eigentliche Problem zu konzentrieren.

Und das lautet wie?

Das eigentliche Problem ist, dass "Hooligan" wieder zu einem positiveren Begriff in Teilen der Ultra-Szenen geworden ist. Das ist von Standort zu Standort aber sehr unterschiedlich.

Wie muss man sich das vorstellen?

Es gibt Ultra-Szenen, die damit keine Probleme haben und es findet eine totale Ablehnung statt. Gleichzeitig gibt es Kerngruppen, die versuchen, das wieder nach vorn zu bringen.

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Foto: Markus Endberg
Jost Peter ist 1. Vorsitzender der Fanvereinigung "Unsere Kurve".Bild: Markus Endberg

Wie löst man dieses Problem?

Wir reden über einen Kreis von Leuten, die der Polizei und den Vereinen bekannt ist. Wir reden über eine bekannte Struktur, die zum Teil auch sehr öffentlich agiert. Es ist sowohl möglich in Gesprächen präventiv zu arbeiten als auch ordnungspolitische Maßnahmen zu ergreifen.

Und was können die Vereine tun?

Wenn ich als Verein die 30 bis 40 Personen kenne, habe ich Ansprechpartner. Die wollen vielleicht nicht immer gleich reden, aber das kann ein Weg sein.

Das Hooligan-Problem ist in Deutschland nicht neu.

Korrekt. Wir haben in den 90er-Jahren, wo das Problem in Sachen Gewalt und Schlägereien im Stadion deutlich größer war, mit den damals eingeführten Fanprojekten hervorragende Arbeit geleistet. Sie sind auch jetzt wieder die Ansprechpartner, die präventive und intervenierende Arbeit leisten könnten.

Wie ist das Verhältnis zwischen Fans, Polizei und Vereinen grundsätzlich zu bewerten?

Es gibt zwischen Fans und Polizei sicherlich ein paar Probleme. Aber das sind alles keine Dinge, die man nicht mit den vorhandenen Strukturen oder den szenekundigen Beamten vor Ort diskutieren könnte. Das sind keine Jungs, die grün hinter den Ohren sind.

An den Spieltagen vor der Winterpause machten Fans ihrem Ärger über den Einstieg eines DFL-Investors Luft. Weiterhin wird in den kommenden Monaten ein neuer TV-Vertrag ausgehandelt, der ebenfalls einige Veränderungen bringen könnte. Was bereitet Ihnen mehr Sorgen?

Die Themen hängen stark zusammen und sind fast nicht voneinander zu trennen. Den Prozess des Einstiegs eines DFL-Investors haben wir als "Unsere Kurve" intensiv begleitet und kritisiert. Ein Investor auf Verbandsebene ist schon ein sehr tiefer Einschnitt in die bisherige Art der Arbeit.

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Sie bezeichneten die Zustimmung zu einem Investor als "Rattenrennen" mit der Premier League, bei dem die "Einzigartigkeit des deutschen Fußballs über Bord geworfen wird".

Die DFL war bisher ein mitgliederorientierter Verband, aber zukünftig sitzt in einer Untergesellschaft der DFL jemand ganz anderes am Tisch. Und das ist jemand, der sich nicht für Fußball als Sport, sondern für den Profit und die zu erreichenden Ratings interessiert.

Die Entscheidung der DFL-Bosse soll zwischen den Private-Equity-Firmen Blackstone, EQT und CVC fallen. Der Investor soll eine Milliarde Euro für eine prozentuale Beteiligung bezahlen und die Vermarktung der Liga verbessern.

Das wird in den Entscheidungsfindungen einiges ändern: Da kann die Deutsche Fußball-Liga über "rote Linien" sprechen, wie sie will. Diese Partei wird Einfluss nehmen und das auch müssen, um ihre Interessen zu vertreten.

"Die Mitbestimmung der Mitglieder ist eines unserer wichtigsten Merkmale, von der die Engländer und Spanier nur träumen."

Die "roten Linien" blieben von der DFL vage definiert, sollen aber vor allem die Spielplanung und Anstoßzeiten schützen.

Das lässt sich schon vertraglich definieren, aber wir sind durchaus skeptisch, dass das gelingt.

Wieso?

Wir reden von 20 Jahren gemeinsamer Medienentwicklung. Wer davon ausgeht, dass der Markt in 20 Jahren derselbe ist wie heute, hat auch nicht mehr alle Latten am Zaun. Er wird sich weiter verändern. Da gibt es treibende Kräfte, denen der profitorientierte Investor näherstehen wird als dem Sport, mit dem er sein Geld verdienen will. Die Diskussion ist jetzt aber kaum zu führen, sondern kommt in fünf oder zehn Jahren und ist nicht mit "roten Linien" abzubügeln.

In der DFL-Lizenzordnung ist seit der Saison 2013/14 der "Club-Fan-Dialog" vorgeschrieben. Beim Investoreneinstieg wurde eine fehlende Kommunikation seitens der Vereine von "Unsere Kurve" bemängelt. Wie passt das zusammen?

Eigentlich funktioniert dieser quartalsmäßige Dialog in der 1. und 2. Bundesliga überraschend gut. Diesmal hätten wir uns gewünscht, dass diese wichtige Entscheidung der Vereinsspitzen im Sinne des Klubs und der Liga in so einem Rahmen diskutiert wird.

In Düsseldorf und St. Pauli gab es beispielsweise Mitgliederversammlungen und eine Ablehnung der Investoren-Pläne.

Das waren wichtige und klare Voten aus den Vereinen. Aber eine Mitgliederversammlung kann man nicht einfach aus dem Boden stampfen. Das braucht die von "Unsere Kurve" immer angemahnte Zeit. Die Mitbestimmung der Mitglieder ist eines unserer wichtigsten Merkmale, von der die Engländer und Spanier nur träumen. Und wenn ich eine so langfristige Entscheidung treffe, dann sollte ich mich auf diese Werte besinnen und sie in den Diskussionsprozess einbauen.

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