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Interview

"Deutschen Experten würde Demut gut tun" – Bayern ist keine Bestia Negra

Am Mittwochabend trifft der FC Bayern im Halbfinale der Champions League auf Real Madrid. Das Duell der beiden europäischen Schwergewichte findet zum 25. Mal statt. 

Real Madrid will im Endspiel am 26. Mai den dritten Champions-League-Triumph in Serie feiern. Es wäre für die Spanier die "Decimotercera" – der 13. Titel in diesem Wettbewerb.

Doch dafür müssen sie erstmal den deutschen Rekordmeister ausschalten. Die Münchner sind in Madrid als "La Bestia Negra" ("Schwarze Bestie") gefürchtet.

Oder ist die Bestie längst gezähmt? Ist der Mythos vom bayerischen Angstgegner nach fünf Real-Siegen in den letzten fünf Aufeinandertreffen vorbei?

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Thomas Müller trifft im Halbfinale der Champions League mit Bayern auf Nationalmannschaftskollege Toni Kroos (l./Real Madrid) picture alliance / Andreas Gebert

Wenn es einer wissen muss, dann ist es Nils Kern. Er ist Chefredakteur von "realtotal.de", dem deutschen Online-Fachmagazin rund um den spanischen Rekordmeister Real Madrid. Nils hat uns erklärt, ob der Mythos "La Bestia Negra" überhaupt noch angebracht ist.

Gibt es "La Bestia Negra" überhaupt noch?

"Die Bilanz zwischen den beiden Teams ist mittlerweile ausgeglichen. Deutsche Medien und Fans greifen das gerne auf, weil es toll klingt. Ich vergleiche es gerne mit den Weltpokalsiegerbesieger-Shirts, die der FC St. Pauli damals verkaufte, als sie gegen Bayern gewonnen hatten. Man war stolz, eine eigentlich bessere Mannschaft geschlagen zu haben, damit konnte man ein bisschen angeben.

Aber 'La Bestia Negra' ist einfach komplett überholt. Madrid ist nicht umsonst zwölffacher Champions-League-Sieger, hat nicht umsonst die letzten fünf Spiele gegen die Bayern gewonnen.

Inzwischen hat Bayern nicht mehr den Ruf des Angstgegners. Wenn überhaupt ist eher Real gerade der Angstgegner der Bayern.

In Spanien benutzt den Begriff 'La Bestia Negra' keiner mehr. Weder die 'AS' titelt damit, noch die Fans reden davon. Aber in Deutschland wird der Begriff immer noch gerne genutzt."

Nils Kern

Munich's Mario Mandzukic (l) and Daniel Carvajal of Real Madrid vie for the ball during the UEFA Champions League semi final first leg soccer match between Real Madrid and FC Bayern Munich at Santiago Bernabeu stadium in Madrid, Spain, on 23 April 2014. Photo: Peter Kneffel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

2013: Bayerns Mario Mandzukic (l.) gewinnt ein Kopfballduell gegen Madrids Dani Carvajal dpa/Peter Kneffel

Woher kommt dieser Mythos eigentlich?

"In Spanien spricht man schnell von 'La Bestia Negra', was ganz einfach 'Angstgegner' bedeutet. 

Das klingt erstmal martialischer als es ist. Das ist nach der Jahrtausendwende entstanden, 2007 und 2012 kam das wieder auf, als Bayern Real in den K.o.-Runden ausgeschaltet hat. 2014 war das erste Mal, dass Madrid in München gewonnen hat. Da kam ein gewisses Angstgegner-Image auf."

Nils Kern

Dennoch hat man in Madrid laut Nils immer noch großen Respekt vor dem FC Bayern:

Bayern bringt immer seine Leistung – auch gegen kleinere Teams. In dieser Hinsicht patzt Real öfter mal in der Liga.

Nils Kern

"Der Respekt vor Bayern ist auf jeden Fall größer als vor Paris und Juventus in den letzten Runden. Man weiß, dass Bayern nicht so einfach den Titel in der Liga gewinnt wie zum Beispiel PSG in Frankreich.

Die Real-Fans liegen Jupp Heynckes immer noch zu Füßen, der ja 1998 mit Madrid die Champions League gewonnen hat.

Man zittert ein bisschen vor Lewandowski, nachdem der 2013 mit Dortmund vier Tore gegen Real geschossen hat. Ich habe auch schon ein paar Fans gehört, die James ein Tor gönnen. Es wird ein Duell auf Augenhöhe."

Nils Kern

Während man also in Deutschland immer noch von Bayern als Reals Angstgegner spricht, die Zeitungen vor den Duellen mit Madrid gerne mit "La Bestia Negra" titeln, spricht Nils eher von einem "Duell auf Augenhöhe".

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Zwischen Bayern und Real gab es schon einige denkwürdige Duelle  imago sportfotodienst

Werden die Bayern in Deutschland größer gemacht als sie international sind?

"Einerseits: Bayern ist seit Jahren auf Topniveau, sechs Meisterschaften in Folge kommen nicht von ungefähr.

Andererseits: Im internationalen Vergleich gab es in den vergangen Jahren aber 'nur' den Champions-League-Titel 2013. Trotzdem sind sie auf einer Ebene mit Barcelona und noch weit vor Manchester United, die in der jüngeren Vergangenheit noch weniger gerissen haben.

Manchen deutschen Experten würde etwas mehr Demut gut tun. Denn Real Madrid ist einfach zurzeit die beste Mannschaft der Welt. Sie haben drei Champions-League-Titel in den vergangenen vier Jahren gewonnen. Sie sind auch kein Klub mehr, der nur teure Stars kauft. Im Gegenteil: Sie haben viele Eigengewächse!"

Nils Kern

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Philipp Lahm (l.) rauft sich mit Ruud van Nistelrooy dpa/Matthias Schrader

So oder so: Es wird ein spannendes Spiel werden und wenn man sich die Bilanz von Real Madrid gegen deutsche Teams (außer Bayern) in den vergangenen Jahren ansieht, fällt auf, dass einige Niederlagen dabei waren:

So schlug beispielsweise Schalke "die Königlichen" im März 2015 mit 4:3, im April 2016 verlor man 0:2 in Wolfsburg und gegen Dortmund flog man 2013 aus der Champions League.

Und wie geht das Halbfinal-Hinspiel gegen Bayern aus?

"Ich tippe auf einen mächtigen Schlagabtausch! Zidane wird nicht 'all in' gehen, er hat gelernt auch mal auf Unentschieden zu spielen. Bayern wird Druck machen, aber am Ende geht's 2:2 aus. Das wäre ein gutes Ergebnis für Real Madrid."

Nils Kern

(mit SID)

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