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NFL in Deutschland: Dazn-Moderatorin Jennifer Becks teilt TV-Geheimnisse

Jennifer Becks (l.) gemeinsam mit ihren Dazn-Kolleg:innen Laura Wontorra und Christoph Stadtler.
Jennifer Becks (l.) gemeinsam mit ihren Dazn-Kolleg:innen Laura Wontorra und Christoph Stadtler.bild: dazn
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NFL in Deutschland: Dazn-Moderatorin Jennifer Becks stichelt gegen London-Spiele

11.11.2023, 11:13
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Diesmal wird es nicht um Taylor Swift gehen. Zwar ist die NFL auch an diesem Wochenende für ein weiteres Saisonspiel in Frankfurt zu Gast, doch den US-Megastar wird diesmal kein Moderator und keine Kamera im Stadion suchen.

Am Sonntag geht es im Frankfurter Waldstadion beim Spiel der New England Patriots gegen die Indianapolis Colts vor allem um das Spiel. Keine Taylor Swift, keine Halbzeitshow, dafür viel Football. "Ich nehme das mit einem Augenzwinkern wahr, aber kann die NFL verstehen, wenn sie das ausschlachtet. Mir geht es vorrangig um das Spiel", sagt Dazn-Moderatorin Jennifer Becks im Gespräch mit watson.

Dabei ist die Partie zwischen dem kriselnden Rekordchampion New England und den eher glanzlosen Colts aus sportlicher Perspektive zumindest auf den ersten Blick wenig spektakulär. Und dennoch merkt die NFL gerade, welchen riesigen Wachstumsmarkt sie in Deutschland angezapft hat. Denn die Vergangenheit spielt mit.

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NFL in Deutschland: Dazn-Moderatorin stichelt gegen London-Spiele

Noch einmal Frankfurt, 2024 wird wieder in der Münchner Allianz Arena gespielt, 2025 erneut in Frankfurt: Dass dann weitere Spiele folgen werden, ist fast sicher. "Wir hatten Interesse an anderen Städten in Deutschland" berichtete Liga-Chef Roger Goodell der Deutschen Presse-Agentur. "Als wir das erste Mal nach Deutschland kamen, kamen wir 1990 nach Berlin. Das war ein Freundschaftsspiel, jetzt geht es um Spiele in der Regular Season. Es steht außer Frage, dass so ein Spiel in Berlin erfolgreich sein könnte."

Denn auch die sportlich eigentlich wenig reizvolle Partie zwischen den Patriots und den Colts am Sonntag war direkt ausverkauft. Die Stimmung bei den Spielen in Deutschland ist exzellent – und komplett anders als bei Begegnungen auf dem großen europäischen Konkurrenzmarkt in Großbritannien, wo in diesem Jahr drei Spiele stattgefunden haben.

"Als die Teams sich noch aufgewärmt haben und das Stadion erst halbvoll war, war in Frankfurt schon mehr Stimmung als in England", sagt Jennifer Becks, die bei der Partie im legendären Wembley-Stadion und den Spielen im Stadion der Tottenham Hotspur vor Ort war.

"Deutschland zeigt der Welt, dass der Football hier angekommen ist und wir haben mindestens genauso viel Herz und Leidenschaft für den Football wie die Fans in England", sagt Becks.

Dass es im kommenden Jahr wieder nur ein Spiel in Deutschland geben wird, wird laut der Dazn-Moderatorin für keinen Knick in Sachen NFL-Begeisterung sorgen. "Weniger ist manchmal mehr. Und so bleibt der besondere Faktor."

Neben Deutschland, Großbritannien und Mexiko sicherte Goodell bereits zu, dass es noch mehr internationale Spiele geben wird: Spanien gilt dabei als Favorit.

Die NFL-Fans in den USA und einige Spieler sind davon eher wenig begeistert. "Aber ich glaube, damit kann die NFL umgehen, weil sie haben Interesse am europäischen und internationalen Markt, denn das spült ordentlich Geld in die Kassen", sagt Becks.

NFL in Deutschland: Patriots und Colts haben große Bedeutung

Dass nun die Patriots auf die Colts treffen, dürfte vor allem aufgrund der Vergangenheit beider Teams zahlreiche deutsche Fans in den Bann ziehen.

Die Patriots dominierten mit Quarterback Tom Brady die Liga in den vergangenen fünfzehn Jahren in einer noch nie dagewesenen Art. Einer der Erfolgsfaktoren auf dem Weg zu sechs Super-Bowl-Siegen war dabei Sebastian Vollmer, der mit der Franchise aus der Nähe von Boston zweimal den Titel gewann.

KANSAS CITY, MO - APRIL 28: Former New England Patriot Sebastian Vollmer on stage during the second round of the NFL, American Football Herren, USA Draft on April 28, 2023 at Union Station in Kansas C ...
Sebastian Vollmer gewann mit den New England Patriots zweimal den Super Bowl.Bild: imago images / Scott Winters

Mittlerweile befinden sich die Patriots jedoch in einer Krise: Brady-Nachfolger Mac Jones kann die Erwartungen an ihn nicht erfüllen. In dieser Saison stehen sie bei zwei Siegen und sieben Niederlagen.

Die Colts hingegen machten den Berliner Björn Werner zum NFL-Profi, als sie ihn 2013 in der ersten Runde im Draft auswählten. Das Team hat in diesem Jahr keinen richtigen Superstar, überzeugt dafür als geschlossene Einheit. Sie haben mit vier Siegen und fünf Niederlagen noch Chancen auf die Play-offs.

Für RTL, wo das zweite Frankfurt-Spiel neben Dazn ebenfalls übertragen wird, werden die Ex-NFL-Spieler als Co-Kommentatoren im Einsatz sein.

NFL in Deutschland: Harmonischer Zweikampf zwischen RTL und Dazn

Beide Sender kämpfen ab dieser Saison um die Gunst der Zuschauer. RTL versucht durch der Übertragung von ausgewählten Spielen den Sport massenkompatibel zu machen und das Interesse über das Entertainment zu wecken.

Bei Dazn richten sich die Übertragungen vor allem an ein Fachpublikum. Dafür überträgt der Streamingdienst alle Spiele der regulären Saison samt Play-offs und Super Bowl.

Doch auch wenn die beiden um Zuschauer konkurrieren, so sehr arbeiten sie am Spielfeldrand zusammen. Denn während der Partie sitzen die Moderator:innen von Dazn, RTL und Sky in einem kleinen, vorgeschriebenen Bereich am Spielfeldrand zusammen. Schließlich benötigen die Kameras der NFL-Produktion ausreichend Platz. Und dann wird sich gegenseitig geholfen. Becks erzählt:

"Jana Wosnitza, die für RTL moderiert hat, war zum ersten Mal am Spielfeldrand. Wir haben Zettel und Stift und die Decke geteilt. Markus Kuhn, der für RTL-Experte war, hat mich mit Plätzchen und Wasser versorgt."

Außerdem fügt sie lachend an: "Football is family." Insbesondere, da es in der NFL üblich ist, dass der Trainer die Kabine für Reporter:innen nach dem Spiel öffnet – egal, wie der Endstand war. Auch für Jennifer Becks noch immer eine ungewohnte Situation.

NFL-Teams lassen Journalisten in die Kabine

"Ich habe keine Berührungsängste, aber als Frau ist das schon komisch. Die Spieler machen aber auch den Eindruck, als hätten sie damit kein Problem", erzählt die erfahrene Football-Moderatorin.

Zwar gäbe es Regeln, dass das Gespräch erst begonnen wird, wenn der Spieler geduscht und angezogen ist, "aber die Teamkollegen duschen auch noch, wenn du da stehst und laufen lediglich mit einem Handtuch umgebunden herum", sagt sie lachend.

Doch sie erlebte auch eine gewisse Dankbarkeit, wenn von ihr die Spieler angesprochen wurden, die sonst selten im Rampenlicht stehen.

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