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Handball-EM: DHB-Star Kai Häfner blickt kritisch auf das Eröffnungsspiel

Kai HAEFNER GERam Ball,Aktion. Handball Laenderspiel Deutschland GER - Aegypten EGY 31-31 am 03.11.2023 ratiopharm arena Neu Ulm. *** Kai HAEFNER GER on the ball,Action Handball Laenderspiel Deutschla ...
Kai Häfner ist einer der erfahrensten Spieler im deutschen Kader für die EM im eigenen Land. Bild: imago images / sven simon
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Handball-EM: Kai Häfner blickt mit Skepsis aufs erste Spiel – und optimistisch aufs DHB-Team

08.01.2024, 18:04
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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat die letzten Testspiele gegen Portugal bestritten, am Mittwoch geht's los: Das DHB-Team trifft in Düsseldorf auf die Schweiz und eröffnet die Europameisterschaft im eigenen Land.

Mehr als 50.000 Zuschauer:innen werden zum ersten Spiel in der Fußballarena erwartet. Schon jetzt steht fest: Am Mittwoch feiert Deutschland damit einen Weltrekord. Noch nie waren so viele Menschen bei einem Handballspiel.

Vor dem Turnierbeginn sprach watson mit Kai Häfner über die deutschen Gruppengegner, den Auftakt im Stadion und die heimischen Fans. Der 34-Jährige feierte 2016 mit Deutschland den EM-Titel und ist einer der erfahrensten Spieler im Kader. Im Sommer wechselte der gebürtige Schwabe zum TVB Stuttgart.

watson: Herr Häfner, ein Turnier im eigenen Land spielt man nur einmal in der Karriere. Wie nervös sind Sie?

Kai Häfner: Ich durfte ja schon ein paar Turniere spielen, aber eine EM in Deutschland ist in jedem Fall etwas Besonderes. Das Turnier ist schon seit einigen Jahren Thema, kam immer näher. Ich freue mich einfach. Und bin mir sicher, dass Deutschland als Ausrichter da etwas Cooles draus machen kann.

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Sie haben ein anstrengendes Jahr 2023 erlebt, den Verein gewechselt, sich neu finden müssen. Hatten Sie Zweifel, dass der Traum von der Heim-EM platzen könnte?

Ich hatte keine Zweifel, dass ich das sportliche Potenzial habe, der Mannschaft helfen zu können. Aber Sie haben schon recht, 2023 ist sehr viel passiert bei mir. Das Jahr war turbulent und im Sport weiß man ohnehin nie, was passiert. Umso glücklicher bin ich, jetzt dabei zu sein.

Kleiner Bruder, großer Bruder: Max Häfner (rechts) ist in Stuttgart Kais Teamkollege.
Kleiner Bruder, großer Bruder: Max Häfner (rechts) ist in Stuttgart Kais Teamkollege.bild: imago images / passion24

Zum Auftakt werden Sie Historisches erleben: Noch nie gab es ein Spiel mit mehr Zuschauer:innen als an diesem Tag in Düsseldorf. Wie blicken Sie auf den Rahmen?

Das ist eine Dimension, die man so noch nicht kannte. Und ich finde, das ist eine tolle Idee, die für Aufmerksamkeit sorgt. Dennoch: Ich bin froh, dass es nur ein Spiel in einem Stadion ist.

Sie klingen skeptisch. Warum?

Weil ich nicht einschätzen kann, wie es wird. Die Partie ist unberechenbar bezüglich der Rahmenbedingungen. Vielleicht sage ich in ein paar Tagen auch etwas anderes, aber es ist ungewöhnlich. Und ich weiß, wie toll es ist, in den ausverkauften Hallen hier zu spielen. Köln, Hamburg, Berlin, das sind beeindruckende Arenen. Es wird etwas Besonderes sein, wenn in diesen Hallen EM-Spiele mit entsprechender Stimmung steigen.

"Man könnte ja auch seine Teilnahme absagen, aber auf die Idee würde ich nicht kommen."

Ihr erstes Spiel findet in Düsseldorf statt, anschließend geht es nach Berlin. Stresst der direkte Umzug?

Wir haben eine kurze Pause, das geht schon. Ich bin grundsätzlich kein Fan von den Reisetagen. Du hast so viel zu tun und eh kaum frei, da machen die Tage auf der Straße keinen Spaß. Auf der anderen Seite kann ein Hotelwechsel auch ganz gut sein, damit es nicht so monoton ist. Ich denke, dass das in Deutschland aufgrund der Entfernungen zumindest kein Problem darstellt für die Teams.

Ein Problem, so sagen es Expert:innen, bleibt die Belastung im Handballsport. Immerhin hatten Sie dieses Jahr kein Spiel an Weihnachten ...

... was schön für ein paar Tage in der Heimat war. Aber weniger Spiele sind es dadurch dieses Jahr auch nicht.

Also sehen Sie die Belastung auch als Problem an?

Es ist jedes Jahr die gleiche Diskussion. Ich will da meine Energie nicht reinstecken. Und seien wir mal ehrlich: Jeder von uns ist doch froh, dabei zu sein. Man könnte ja auch seine Teilnahme absagen, aber auf die Idee würde ich nicht kommen.

Was erwarten Sie vom eigenen Team?

Bei uns ist schon Bewegung drin durch die neuen, jungen Spieler. Von denen, mit denen ich Europameister wurde, ist ja fast niemand mehr übrig. Wir haben da echt super neue Talente dabei, die riesiges Potenzial haben. Die Mischung ist gut, die Struktur auch. Und jetzt müssen so viele Spieler wie möglich gut ins Turnier kommen, damit wir die Last auf möglichst vielen Schultern verteilen können.

Kai Häfner spielte bis zum Sommer in Melsungen. davor in Hannover.
Kai Häfner spielte bis zum Sommer in Melsungen. davor in Hannover.bild: imago images / noah wedel

Im Fußball lässt man Newcomer gerne erst mal vor versammelter Mannschaft singen.

So was gibt's bei uns nicht. Der Jüngste muss den Ballsack tragen, das haben wir alle mal gemacht und das hat noch keinem geschadet, aber am Ende sind auch die Jungen alles Bundesligaspieler. Wenn einer Hilfe braucht, dann helfen wir, die Teamstruktur haben wir natürlich. Da ist jeder für den anderen da. Aber die Spieler mit mehr Erfahrung müssen auch keinem jüngeren irgendwelche Tipps aufzwingen. Die Jungs finden da schon rein.

Ihr dritter und letzter Gruppengegner ist Frankreich. Wie sehr erschwert das den Start ins Turnier?

Frankreich ist zweifelsohne eine der Top-drei-Mannschaften der Welt, schwerer kann ein Spiel kaum sein. Das heißt für uns, dass wir gegen die Schweiz sofort da sein müssen und auch gegen Nordmazedonien nicht pennen dürfen. Wenn du mit Frankreich in einer Gruppe spielst, weißt du zumindest, dass man unbedingt schnell hellwach sein muss und gut beraten ist, im ersten Spiel nicht schon ans dritte zu denken.

"Du kannst so einen Flow nicht künstlich erzeugen, der entwickelt sich einfach."

Ist Frankreich für Sie der Titelfavorit?

Ja, zumindest einer von den zwei großen mit Dänemark. Wer den Titel holen will, muss eine dieser beiden Mannschaften in jedem Fall besiegen, da bin ich mir sicher. Dahinter kommen für mich die beiden anderen üblichen Verdächtigen: Schweden und Spanien.

Und Deutschland?

Kommt dahinter, in einem Pool mit Mannschaften, denen man in einem perfekten Turnier sehr viel zutrauen kann.

Ihr Mitspieler Timo Kastening hat in einem Interview die deutschen Basketballer als Vorbild genannt. Wegen des Willens, des Zusammenhalts, der Euphorie. Sie wissen vom Titelgewinn 2016, wie sich das anfühlt. Können Sie uns auch sagen, wie man das anstellt?

Du kannst so einen Flow nicht künstlich erzeugen, der entwickelt sich einfach. Oft aufgrund von Kleinigkeiten, wegen Spielverläufen oder einzelnen Momenten. Wir werden das nicht wiederholen, nur weil wir es uns vornehmen. Wir müssen loslegen, an uns glauben. Und optimistisch zu sein schadet auch nicht.

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